Häftlinge hinter dem Tresen statt hinter Gittern – In Turin servieren Straftäter Kaffee

Epoch Times5. Oktober 2017 Aktualisiert: 5. Oktober 2017 15:29
Im Gericht in Turin werden zukünftig nicht nur Häftlinge verurteilt, sondern auch angestellt. In einem, zuerst zeitlich begrenzten, Testlauf servieren Häftlinge ab sofort Kaffee - auch den Richtern.

Die Kaffeebar im Turiner Justizpalast wird in den nächsten Monaten unter einem besonders innovativen Konzept wiedereröffnet. Künftig servieren dort – aktuelle oder ehemalige – Häftlinge in Wiedereingliederung den Kaffee, wie ein Sprecher der Gemeinde am Mittwoch verkündete.

Dass ausgerechnet verurteilte Straftäter Richter mit Kaffee und Snacks versorgen ist durchaus ungewöhnlich. Das ganze ist als zeitlich begrenzter Testlauf geplant und Teil eines Resozialisierungsprogramms, das der Turiner Stadtrat am Anfang Oktober abgesegnet hat.

Die Maßnahme solle helfen, die Haft und die Wiedereingliederung von Verurteilten in die Gesellschaft menschenwürdiger zu gestalten, sagte Gemeindesprecher Michele Chicco der Nachrichtenagentur AFP. „Tagsüber einer Arbeit nachzugehen und im Kontakt mit Kunden zu stehen, hilft Straftätern dabei, sich am Ende ihrer Haftstrafe zu reintegrieren“, sagte Chicco.

Der Justizpalast beherbergt alle Instanzen der Turiner Justiz, von der Staatsanwaltschaft bis zum Berufungsgericht. Seine Kaffeebar ist groß genug, um die rund 900 Angestellte des riesigen Komplexes zu versorgen. Darunter auch Hunderte Richter, Anwälte und Besucher. Es kann also durchaus einmal vorkommen, dass sich Verurteilte und ihre Ankläger am Tresen wiedertreffen.

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