Krimi um Amerikas „Geburtsurkunde“: Ist der Schatz nur eine Fälschung?

Epoch Times17. Februar 2018 Aktualisiert: 17. Februar 2018 12:50
Die Enttäuschung ist groß: Die vermeintliche Waldseemüllerkarte in der Bayerischen Staatsbibliothek, die als historischer Schatz galt, ist eine Fälschung. Nun stellt sich die Frage, wer diese ausgezeichnete Kopie angefertigt hat und ob es noch mehr Fälschungen gibt.

Die Geschichte liest sich wie ein Thriller des Da-Vinci-Code-Autors Dan Brown. Die Bayerische Staatsbibliothek erwirbt einen vermeintlich echten Schatz: ein Exemplar der historischen Waldseemüllerkarte. Die Karte sorgte für Aufsehen, da auf ihr erstmals der Name „America“ verwendet wird.

Der Schwindel um die berühmte Karte flog auf

Eingebunden ist sie in einen Druck aus dem Jahr 1486, der zahlreiche weitere Karten enthält. In den Geschichtsbücher gilt nach wie vor Christoph Columbus als der Entdecker Amerikas. Doch er landete erst 1492 auf dem amerikanischen Kontinent und demnach 6 Jahre nach dem Druck der Karte. Ist die Karte also eine Fälschung oder war Amerika bereits vor der vermeintlichen Entdeckung durch Christoph Columbus bekannt?

Über 500 Jahre später taucht bei dem Auktionshaus Christie’s in London eine Fälschung der Karte auf. Aufgrund dieses Vorfalls prüfte auch die Staatsbibliothek ihr Exemplar. Da fliegt der Schwindel auf. Beide Dokumente sind eine Kopie, entstanden nicht im Jahr 1507, sondern wohl vor 1960.

Ein kluger Kopf steckt hinter der Fälschung

Wer sie angefertigt hat, ist ein Rätsel. Doch es gibt zumindest eine Theorie. Vermutlich sei die Fälschung das Werk eines „klugen Restaurators“, sagte der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, Klaus Ceynowa, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

Diesen Schluss ließen die hohe Professionalität zu, mit der die Kopie angefertigt worden sei, und die Tatsache, dass sie in dem Frühdruck, einer sogenannten Inkunabel, eingebunden war. Dieses Vorgehen sei früher nicht unüblich gewesen, erklärte Ceynowa. „Daher war das für uns ein Echtheitsindiz.“ Der Missetäter sei geschickt vorgegangen, die Kopie nachträglich in das Buch einzufügen.

Amerikas „Geburtsurkunde“ ist ein Fake!

Die Waldseemüllerkarte gilt als „Geburtsurkunde“ Amerikas, weil der neu entdeckte Kontinent dort erstmals unter der Bezeichnung „America“ auftaucht. Erstellt wurde sie von dem Freiburger Kartographen Martin Waldseemüller (1470-1522). Von der berühmten Weltkarte gibt es nur noch eine große Variante und mehrere sogenannte Segmentkarten, die sich zu einem Globus falten lassen.

Eine davon hatte die Bayerische Staatsbibliothek in ihrem Besitz geglaubt. Sie hatte den Druck 1990 für zwei Millionen D-Mark erstanden. Doch der Verdacht einer Fälschung kam auf, als ein weiteres Exemplar bei Christie’s bekannt wurde. Vor der Versteigerung verglich das Auktionshaus die Karte mit dem Dokument in München. Dort folgte dann eine materialwissenschaftliche Untersuchung.

Ergebnis: Beide Karten sind Kopien des Exemplars der University of Minnesota in den USA. Eine herbe Enttäuschung. „Wir sind sehr traurig“, sagte Ceynowa. „Wir waren sehr stolz auf unser Exemplar. Aber man ist vor solchen Dingen nie wirklich gefeit.“

Nun werden auch die vier Originale nochmals geprüft

Konkrete Anhaltspunkte, wer die Kopie erstellt hat, gebe es nicht. „Wir fassen da ins Leere.“ Jetzt gibt es noch vier originale Globensegmentkarten weltweit – eine davon in der Universitätsbibliothek der LMU in München und eine zweite in der Historischen Bibliothek in Offenburg (Baden-Württemberg).

Dort herrscht trotz der Neuigkeiten aus Bayern Gelassenheit. „Wir sind davon überzeugt, dass unsere Karte echt ist“, so Oberbürgermeisterin Edith Schreiner in einer ersten Stellungnahme vom Freitag. Um jedoch auf Nummer sicher zu gehen, werden die Wissenschaftler die Karte erneut überprüft.

Auch Klaus-Rainer Brintzinger, Direktor der Universitätsbibliothek in München, kann eine Fälschung „mit relativ hoher Sicherheit“ ausschließen. Zum einen sei die Karte ein Unikat, weil sie mit keiner anderen exakt übereinstimme. „Daher kann sie von keiner anderen Karte kopiert worden sein.“ Zum anderen ließe das Wasserzeichen auf dem Papier das Dokument relativ genau datieren – auf einen Zeitraum zwischen 1500 und 1510. (dpa/ls)

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN