Giftpilze und Pilzvergiftungen: Was Sie beim Pilze sammeln beachten müssen

Epoch Times13. September 2018 Aktualisiert: 13. September 2018 13:52
Wegen des trockenen Sommers steht in einigen Teilen Deutschlands der große Wachstumsschub bei Pilzen zwar noch aus, anderswo werden Sammler schon fündig. Die herbstlichen Niederschläge könnten den Pilzsuchern bis November aber noch eine gute Ernte bescheren. Wer auf Pilzjagd geht, sollte einige Regeln beachten.

Grundsätzlich gilt – nur bekannte Pilze essen. Auch ein Pilzbuch oder das Internet helfen oft nicht weiter, weil Original und Abbildung für einen ungeübten Sammler nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Im Zweifelsfall sollten Sammler lieber auf die Pilzmahlzeit verzichten oder eine Pilzberatungsstelle aufsuchen. Bei den Giftnotrufzentralen kann die Adresse und Telefonnummer eines in der Nähe wohnenden Pilzexperten erfragt werden. Pilzsammler sollten einen Korb oder andere luftige Gefäße verwenden und zu alte, madige und zu kleine Pilze stehen lassen.

Mehr Informationen zu essbaren und giftigen Pilzen finden Sie hier.

Außerdem dürfen Pilze nur für den Eigenbedarf gesammelt werden. Besonders geschützte Pilzarten wie Steinpilz, Birkenpilz, Rotkappen und Pfifferlinge und alle Morchelarten dürfen laut Gesetz nur „in geringen Mengen“ für den Eigengebrauch gesammelt werden. Die erlaubten Mengen unterscheiden sich je nach Region und schwanken bei Steinpilzen beispielsweise zwischen einem und zwei Kilogramm pro Tag und Sammler. Bei Verstößen drohen eine Anzeige und saftige Bußgelder.

Giftpilze und Pilzvergiftungen

Zu den Giftpilzen gehören in Mitteleuropa unter anderem der grüne und spitzhütige Knollenblätterpilz, Gifthäubling, orangenfuchsige und spitzbuckelige Schleierlinge, Frühjahrslorchel, Pantherpilz und Fliegenpilz. Es gibt kein allgemeines Kriterium zur Unterscheidung von Speise- und Giftpilzen.

Zu den Röhrenpilzen gehören aber nur sehr wenige giftige und keine tödlichen Arten. Bei Pilzen mit Lamellen an der Unterseite finden sich mehr giftige Exemplare.

Können auch Speisepilze Vergiftungen auslösen? – Ja!

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie entstehen Pilzvergiftungen am häufigsten durch verdorbene Pilze, wenngleich die Folgen nicht ganz so dramatisch sind. Die verspeisten Pilze waren dann entweder zu alt, oder sie wurden zu lange oder falsch gelagert – etwa in Plastikverpackungen.

Auch rohe Speisepilze als Salat, eine zu kurze Garzeit oder häufigeres Aufwärmen einer Pilzmahlzeit können dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge eine „unechte“ Pilzvergiftung auslösen. Nur Zuchtchampignons, Steinpilze und einige wenige andere Arten sind roh genießbar. Deshalb sollte jede Pilzmahlzeit mindestens 15 Minuten gegart werden. Auch zu viele Pilze können, womöglich in Verbindung mit Alkohol, zur Unverträglichkeit führen.

Übrig gebliebene Pilzgerichte sollten nach Aufbewahrung im Kühlschrank nur noch ein zweites Mal aufgewärmt werden.

Achtung Verwechslungsgefahr!

Immer wieder werden harmlose Exemplare mit Giftpilzen verwechselt. Verwechslungsgefahr besteht etwa beim grünen Knollenblätterpilz und Champignons oder Täublingen sowie bei Frühjahrslorchel und Speisemorchel. Gleiches gilt für Pantherpilz und Perlpilz sowie Giftchampignon und Wiesenchampignon.

Wenn das Gift Wirkung zeigt, hat es sich bereits im ganzen Körper verteilt

Möglicherweise lebensgefährliche Pilzvergiftungen zeigen erste Beschwerden frühestens sechs bis acht Stunden, oft auch erst viel später. Beim Knollenblätterpilz etwa können Symptome auch erst nach bis zu 24 Stunden auftreten. Wenn das Gift Wirkung zeigt, hat es sich bereits im ganzen Körper verteilt. Vergiftungssymptome sind heftiges wiederholtes Erbrechen, krampfhafte Blähungen und Übelkeit. In schweren Fällen kann es zur Schädigung von Leber oder Nieren kommen bis hin zum Organversagen. Nicht selten treten aber auch Pilzallergien oder -unverträglichkeiten auf.

Bei ersten Anzeichen einer Pilzvergiftung sollte auf jeden Fall schnellstens ein Arzt aufgesucht oder der Giftnotruf gewählt werden. Reste der gesammelten Pilze, der Mahlzeit und eventuell auch Erbrochenes können bei der Bestimmung helfen. Keinesfalls sollten Milch getrunken oder Kohletabletten gegen Durchfall genommen werden. Milch kann die Giftaufnahme noch begünstigen. Auch auf eigene Faust Erbrechen auszulösen kann gefährlich sein, weil Erbrochenes in die Lunge gelangen kann. Kinder dürfen auf gar keinen Fall mit Salzwasser zum Erbrechen gebracht werden. Dies kann tödlich enden. (afp/ts)

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