Mittelalterliches Geheimnis um gestiefelten Mann im Schlamm der Themse

Epoch Times8. Dezember 2018 Aktualisiert: 8. Dezember 2018 15:47
Tief im Schlamm der Themse, mit dem Gesicht nach unten gerichtet und mit oberschenkelhohen Lederstiefeln bekleidet liegen die Überreste eines Mannes. Als er vor mehr als 500 Jahren starb, war er nicht einmal 35 Jahre alt. Nun stehen die Archäologen vor einem Rätsel: Was ist mit ihm passiert?

Archäologen entdeckten das Skelett des Mannes im Chambers Wharf von Tideway in Bermondsey. Dort wird derzeit an der Errichtung des Thames Tideway Tunnels gearbeitet, um die Abwasserbelastung in der Themse zu stoppen.

Jack Russell, Archäologischer Leiter des Tideway-Projektes sagte: „Das Archäologieprogramm Tideway hat es uns ermöglicht, wirklich interessante neue Erkenntnisse darüber zu sammeln, wie die Londoner den Fluss im Laufe der Geschichte genutzt haben. Während wir auf unser Ziel hinarbeiten, die Themse zu säubern und London wieder mit ihr zu verbinden, ist es wirklich wichtig, die Lektionen anzuerkennen, die wir aus bedeutenden Entdeckungen wie diesen lernen können.“

Führte der Beruf des Mannes zu seinem Tod?

Der Fluss war auch im späten 15. Jahrhundert ein gefährlicher Ort. Der Beruf des Mannes könnte vielleicht die Todesursache gewesen sein und den Grundstein für seine Entdeckung gelegt haben. War der Mann ein Fischer, ein Schlammgräber oder vielleicht ein Seemann?

Kletterte er die Bermondsey-Wand hinauf, verlor den Halt und fiel in das Wasser? Konnte er dem Schlamm nicht mehr entkommen und ist ertrunken? Die Entdeckung der menschlichen Überreste führte zu einer Untersuchung durch archäologische und osteologische Experten. Sie machten es sich zur Aufgabe, das Geheimnis des gestiefelten Mannes aus dem Schlamm zu lüften.

Die Stiefel zeigen, dass der Mann nicht begraben wurde

Die Untersuchung der Stiefel durch Spezialisten ergab, dass die Schuhe etwa in das späte 15. oder frühe 16. Jahrhundert datieren. Leder war zu dieser Zeit teuer und wurde oft wiederverwendet. Die Wissenschaftler halten es daher für unwahrscheinlich, dass der Mann mit einem so hochgeschätzten Gegenstand begraben worden wäre.

Die Stiefel reichten ihm zudem im hochgekrempelten Zustand bis zu den Oberschenkeln. Die Länge wären ideal gewesen, um in den Fluss zu steigen und durch den klebrigen Schlamm der Themse zu gehen.

Bemerkenswert sei außerdem die sehr gute Verarbeitung, die eine lange Lebensdauer der Schuhe garantierte. So waren diese mit zusätzlichen Sohlen verstärkt und mit einem unbekannten Material (möglicherweise Moos) gefüllt, um den Träger zu wärmen oder die Passform der Stiefel zu verbessern.

All das deutet laut den Forschern darauf hin, dass die Person nicht absichtlich begraben wurde und der Tote seinen Lebensunterhalt einst vom Fluss aus verdient haben könnte. Dieser könnte auch der Grund für seinen vorzeitigen Tod sein.

„Durch das Studium der Stiefel konnten wir einen faszinierenden Einblick in das tägliche Leben eines Mannes gewinnen, der vor mehr als 500 Jahren lebte. Sie haben uns geholfen, besser zu verstehen, wie er seinen Lebensunterhalt unter gefährlichen und schwierigen Bedingungen verdient hat, aber auch, wie er gestorben sein könnte“, erklärte Beth Richardson von MOLA Headland.

Spuren an den Knochen des Mannes zeugen von seinem aktiven Leben

Für Archäologen ist nicht ungewöhnlich, Gräber am Uferland zu finden, doch die Position des gestiefelten Mannes war alles andere als normal. Der Tote lag mit dem Gesicht nach unten, mit einem Arm über dem Kopf und dem anderen auf sich selbst zurückgebogen auf der Seite. Die Lage deutet laut den Archäologen darauf hin, dass der Mann gestürzt oder ertrunken ist und schnell vom Boden bedeckt wurde.

Anthropologen haben zudem keine Hinweise auf Verletzungen zum Zeitpunkt des Todes oder eine Todesursache gefunden. Stattdessen fanden sie Hinweise, wie der Mann einst seinen Lebensunterhalt verdient haben könnte. Seine Knochen zeigten Spuren von starken körperlichen Belastungen, vermutlich verursacht durch schwere Arbeit.

Die Untersuchungen der Knochen ergaben, dass der Mann zum Zeitpunkt des Todes nicht älter als 35 Jahre alt war. In dieser kurzen Zeit führte er bereits ein aktives Leben, dass sein Skelett prägte. So sei sein tägliches Leben nicht angenehm gewesen: Er hätte Schmerzen und Unannehmlichkeiten durch Arthrose gespürt.

Die vielleicht größten Hinweise auf sein Leben geben tiefe Rillen an seinen Zähnen. Diese wurden durch eine sich wiederholende Aktion verursacht, wie z.B. ein Seil zwischen die Zähne klemmen – eine typische Fischertätigkeit.

Anthropologin Niamh Carty, von MOLA sagte: „Die Erforschung eines menschlichen Skeletts liefert unglaubliche Einblicke, die es uns ermöglichen, Osteo-Biographien über das Leben einer Person zu erstellen. Mit der Untersuchung des gestiefelten Mannes erhielten wir Hinweise auf seine Kindheit und sogar ein wenig darüber, wie er hätte aussehen können.“

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