Müllautos die „Für Elise“ spielen und kostenlos U-Bahn fahren dank Mülltrennung? Taipeh macht’s vor

Epoch Times13. Oktober 2018 Aktualisiert: 11. Oktober 2018 11:40
Wer in Taipeh das Müllauto verpasst bleibt bis zum nächsten Tag auf seinem Müll sitzen, denn Mülltonnen gibt es in Taiwans Hauptstadt nicht. Aber das könnte sich ändern und die Müllentsorgung revolutionieren: Smarte Mülltonnen an denen z. B. Guthaben für Tickets des ÖPNV aufgeladen werden.

Kennen Sie den Satz „The floor is lava“, nachdem alle Personen möglichst schnell den Fußboden verlassen und sich auf Möbel, Kisten, Steinen, etc. in Sicherheit bringen müssen. So ähnlich ist die Müllentsorgung in Taiwans Hauptstadt Taipeh geregelt.

Der Inselstaat war früher sehr treffend als „Müllinsel“ bekannt, türmten sich doch Berge von Abfall an öffentlichen Plätzen und Müll säumte die Straßen. Heute sieht das vollkommen anders aus: keine Müllberge, kein Abfall an den Straßen. Nicht einmal Mülltonnen sind zu sehen und das aus einem guten Grund. Es gibt keine! Stattdessen schallt jeden Tag Beethovens „Für Elise“ durch die Straßen der Stadt.

Klassische Musik gegen Müllberge

Sobald die Anwohner die  Musik hören, kommen sie aus ihren Häusern und warten auf das Müllauto, denn ähnlich wie bei uns der Eismann Musik spielt, spielt in Taipeh das Müllauto die Musik. Klingt komisch, ist aber so …

Das hat einen Grund. In Taipeh gilt die Devise „The floor is lava“ für Müll, und zwar ständig. Das heißt, kein Müll soll jemals den Boden berühren. Ist der Müll einmal auf dem Boden – oder wie bei uns in einer Mülltonne – wird er schnell vergessen. Doch muss man alles selbst zum Müllauto bringen, denkt man lieber zweimal nach.

Zumal die Strafen für illegale Müllentsorgung ziemlich drastisch sind. In einigen Stadtteilen installierte die Regierung – die Müllentsorgung liegt in staatlicher Hand –  Kameras, die alle Umweltsünder filmt. Beim ersten Mal bekommt der oder diejenige eine Warnung. Beim zweiten Mal werden die Videoaufnahmen im Internet veröffentlicht und empfindliche Strafen verhängt. Auch für einen weggeworfenen Kaffeebecher kann man in Taipeh bis zu 200 € Strafe zahlen und wird mitunter öffentlich an den Pranger gestellt.

200 € Strafe und öffentlicher Pranger für Umweltsünder

Mit dem Wandel im Bewusstsein der Menschen ist es gelungen die täglich anfallenden Müllberge Taipehs von knapp 3.300 Tonnen in den 90er Jahren auf etwas über 1.000 Tonnen pro Tag zu reduzieren. Auch die Recyclingquote stieg von 5 % auf 55 %! Weltrekord!

Die Müllentsorgung ist nur in bestimmten blauen Säcken zulässig, die man kaufen muss. Zusammen mit dem Müllauto kommt jedoch auch ein zweites Fahrzeug, ein offener LKW, an dem die Bewohner Abfälle zum Recycling abgeben können. Kostenlos.

Dieses System „Müll berührt niemals den Boden“ macht jede Person für ihren persönlichen Konsum verantwortlich. Jede Kunststoffgabel, jedes abgefüllte Getränk und jeder Lebensmittelabfall muss vom Verbraucher verantwortet werden.

Die einzigen Orte, die kleine, kniehohe Mülleimerchen haben, sind Bahnhöfe und Bushaltestellen. Wenn Menschen in der Öffentlichkeit Müll erzeugen, nehmen sie ihn meist mit nach Hause, sodass die taiwanesischen Gemeinschaften gelernt haben, sehr aufmerksam und rücksichtsvoll mit ihrem Konsum umzugehen.

Kostenlos Bus und Bahn fahren dank Mülltrennung

Um die Recyclingquote weiter zu erhöhen, hat die Regierung angefangen i-Trash-Automaten, also smarte Mülltonnen, aufzustellen. Diese schreiben, sofern der Müll richtig getrennt wurde, den Benutzern Geld gut. Dieses Guthaben können die Bewohner unter anderem für Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen, was wiederum die Umwelt schont. Ist der Müll nicht getrennt, muss der Nutzer eine Gebühr bezahlen.

Jewel Liu, Mitentwicklerin der i-Trash-Automaten sagte: „Ein einziger Automat kann bis zu 200 kg Müll sammeln und wir planen zurzeit 10.000 dieser Automaten aufzustellen.“

Der Unterschied zwischen Taiwan und anderen Nationen besteht darin, wie die Abfallwirtschaft im Bewusstsein der Öffentlichkeit steht. In den USA wird die Abfallwirtschaft von privaten Unternehmen betrieben. Diese legen Wert auf Servicequalität, um den Verbraucher zu entlasten: Die Menschen müssen nicht an die Menge an Müll denken, die sie produzieren – sobald er in der Tonne ist, liegt er nicht mehr in ihrer Verantwortung. Müllfahrzeuge kommen in tiefer Nacht oder während der Bürozeiten, um so unauffällig wie möglich zu sein.

Taiwan hingegen hat dieses System vollkommen auf den Kopf gestellt und seine Bürger zu den vielleicht umweltbewusstesten Städtern der Welt gemacht. Vielleicht finden sich derartige Automaten zur Mülltrennung in Zukunft auch in anderen Städten. Nützlich wäre es auf alle Fälle und „cool“ noch dazu. Denn wer kann schon behaupten, dass er heute mit Pfandflaschen und Abfall seine U-Bahn-Fahrt bezahlt hat? (ts)

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