Nach 5 Jahrhunderten: Geheimnis des Basler Papyrus entschlüsselt

Epoch Times21. Juli 2018 Aktualisiert: 20. Juli 2018 15:00
Die Universität von Basel beherbergt seit dem 16. Jahrhundert einen geheimnisvollen Papyrus. Mit Spiegelschrift auf beiden Seiten hat sie Generationen von Forschern verwirrt. Doch nun ist das Rätsel endlich gelöst.

Nach über fünf Jahrhunderten ist es Basler Forschern endlich gelungen. Das Rätsel um das geheimnisvolle Papyrus mit Spiegelschrift auf beiden Seiten ist gelöst.

Der Papyrus stammt vermutlich aus der Spätantike und wurde von Galen, einem berühmten Arzt des römischen Reiches. Bei dem Text handelt es sich den Forschern zufolge um ein „unbekanntes medizinisches Dokument.“

Die ältesten Schätze der Basler Papyrussammlung

Insgesamt umfasst die Sammlung 65 Schriftstücke in fünf unterschiedlichen Sprachen. 63 Papyri erwarb die Universität im Jahre 1900 für die Lehre der Altertumswissenschaften, die anderen beiden Schriftstücken sind bereits seit dem 16. Jahrhundert in Basel. Sie gehörten wahrscheinlich zur Kunstsammlung von Basilius Amerbach, einem Juristen und Kunstsammler des 16. Jahrhunderts.

Einer dieser Papyri galt bislang weltweit als einzigartig. Mit Spiegelschrift auf beiden Seiten hat das Dokument viele Forscher-Generationen verwirrt. Erst durch Ultraviolett- und Infrarotaufnahmen des Basler Digital Humanities Lab konnte festgestellt werden, dass das 2000 Jahre alte Dokument nicht aus einem einzigen Papyrus besteht.

Stattdessen besteht das Schriftstück aus mehreren Papyrusschichten, die miteinander verklebt sind. Nun beauftragten sie einen spezialisierten Papyrusrestaurator, um die Blätter zu trennen. Danach konnte das griechische Dokument zum ersten Mal entschlüsselt werden.

Diebesgut aus Italien

Ein Experte aus Italien lieferte schließlich den entscheidenden Hinweis. Er erkannte Ähnlichkeiten mit den berühmten Papyri aus dem Erzbistum Ravenna. Sie umfassen unter anderem viele handschriftliche Aufzeichnungen von Galen, die später recycelt wurden.

Der Basler Papyrus könnte ein ähnlicher Fall des mittelalterlichen Recyclings sein, da er aus mehreren zusammengeklebten Blättern besteht und wahrscheinlich als Buchumschlag verwendet wurde.

Auch der zweite Basler Papyrus aus der Sammlung des Basilius Amerbach stammt vermutlich ursprünglich aus dem Erzbistum Ravenna. Beide Dokumente wurden Ende des 15. Jahrhunderts aus dem Archiv gestohlen und unter der Hand von Kunstsammlern als Kuriosität gehandelt.

Ein seltener literarischer Papyrus

Sabine Hübner, Professorin für Alte Geschichte der Universität Basel sagte: „Das ist eine sensationelle Entdeckung. Bei der Mehrheit aller Papyri handelt es sich um dokumentarische Schriftstücke, wie Briefe, Verträge und Quittungen. Hier handelt es sich allerdings um einen literarischen Text und die sind ungleich wertvoller.“

Zudem enthält das Dokument einen bislang unbekannten Text aus der Antike. „Wir können jetzt sagen, dass es sich um eine medizinische Schrift aus der Spätantike handelt, die das Phänomen des ‚hysterischen Atemstillstands‘ beschreibt“, so Hübner. „Wir gehen davon aus, dass es sich entweder um einen Text des römischen Arztes Galen handelt oder aber um einen unbekannten Kommentar zu dessen Werk.“ Nach Hippokrates gilt Galen als der wichtigste Arzt der Antike.

Digitale Chancen in der Forschung

Sabine Hübner untersucht seit drei Jahren zusammen mit einem fächerübergreifenden Team die Papyri in Basel. Mithilfe des universitären Digital Humanities Lab ist es inzwischen gelungen die gesamte Sammlung zu digitalisieren, transkribieren, kommentieren und zu übersetzen.

Die Geschichte der Papyrussammlung hat das Projektteam bereits im vergangenen Jahr in einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek präsentiert. Alle Ergebnisse des dreijährigen Projektes wollen sie Anfang 2019 veröffentlichen.

Mit dem Ende des Projektes tritt die Erforschung der Papyrussammlung in eine neue Phase ein. Zusätzliche Impulse für die Forschung erhofft sich die Forscherin insbesondere durch die Veröffentlichung der digitalen Sammlung in internationalen Datenbanken.

Da Papyri häufig nur in Fragmenten oder Stücken erhalten sind, ist der Austausch mit anderen Papyrussammlungen unerlässlich. „Die Papyri sind alle Teil eines größeren Kontextes. Personen, die in einem Basler Papyrustext erwähnt werden, können in anderen Papyri wieder auftauchen, z.B. in Straßburg, London, Berlin oder anderen Orten. Es sind die digitalen Möglichkeiten, die es uns erlauben, diese Mosaikteile wieder zu einem größeren Bild zusammenzufügen.“

Die Basler Papyrussammlung

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Die Universität Basel war 1900 eine der ersten deutschsprachigen Universitäten die eine Papyrussammlung beschaffte. Damals boomte die Papyrologie – man hoffte, mehr über die Entwicklung des frühen Christentums zu erfahren und verloren geglaubte Werke alter Autoren wiederzuentdecken.

Der aktuelle Wert einer solchen Papyrussammlung würde in die Hunderttausende gehen. Die Basler Sammlung umfasst 65 Schriftstücke in fünf Sprachen aus ptolemäischer und römischer Zeit sowie der Spätantike. Der größte Teil der Sammlung besteht aus dokumentarischen Papyri, die vor allem von sozial-, kultur- und religionsgeschichtlichem Interesse sind, da sie das tägliche Leben der gewöhnlichen Menschen vor 2000 Jahren dokumentieren.

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