Neue Funde beweisen: Homo sapiens verließ Afrika viel früher als gedacht

Epoch Times27. Januar 2018 Aktualisiert: 27. Januar 2018 11:20
Forscher haben in Israel das älteste Fossil eines Homo sapiens außerhalb Afrikas entdeckt - Und damit die These untermauert, dass der anatomisch moderne Mensch früher aus Afrika auswanderte, als bislang angenommen.

Nach einem am Donnerstag im US-Fachmagazin „Science“ veröffentlichten Bericht gruben die Forscher in der prähistorischen Misliya-Höhle im Karmel-Gebirge ein Kieferfragment mit mehreren Zähnen aus.

Diese konnten auf ein Alter zwischen 177.000 und 194.000 Jahre datiert werden. Somit werfen die neuen Funde nun erneut Fragen über die Mobilitätstheorie auf.

Homo sapiens verließ Afrika mindestens 50.000 Jahre früher als bislang angenommen

Ein internationales Forschungsteam entdeckte in Israel den Teil eines Oberkiefers sowie acht Zähne. Die menschlichen Überreste stammen aus der Misliya-Höhle im Karmelgebirge, etwa zwölf Kilometer südlich der Hafenstadt Haifa.

Der Fundort liegt nur knapp zehn Kilometer von der Skhul-Höhle entfernt. Dort waren in den 1930er-Jahren die bisher ältesten bekannten Überreste des anatomisch modernen Menschen außerhalb Afrikas entdeckt worden. Die Wissenschaftler datierten die Funde auf ein Alter von 90 000 bis 120 000 Jahren.

Nach bisheriger Lehrmeinung entstand der Homo sapiens vor etwa 300 000 Jahren in Afrika und wanderte vor rund 100 000 Jahren aus Afrika aus. Jüngere Genanalysen deuteten bereits auf eine erheblich frühere Auswanderung hin. Doch den Forschern mangelte es bis vorgestern an einem handfesten Beweis für diese Theorie.

Das Fossil mit dem Namen Misliya-1 sei eine „aufregende Entdeckung“, sagte der Anthropologe Rolf Quam von der Binghamton University (USA). So weisen die Zähne und Kieferknochen von Misliya-1 sowohl Merkmale des anatomisch modernen Menschen als auch von anderen Menschenarten, etwa dem Neandertaler, auf.

„Eine der Herausforderungen in dieser Studie bestand darin, Merkmale in Misliya-1 zu identifizieren, die nur in modernen Menschen zu finden sind“. Die Forscher fanden die eindeutig modernen Kennzeichen bei den Schneidezähnen und dem Eckzahn. Die Backenzähne hingegen sehen teilweise vormodern aus.

Viele Forscher sind sich sicher: Misliya-1 ist ein Homo sapiens

In einem Kommentar bekräftigen Chris Stringer und Julia Galway-Witham vom Natural History Museum in London: „Die Kombination der Merkmale ist charakteristisch für Homo sapiens.“

Auch Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hält die Befunde zum Alter von Misliya-1 für überzeugend. „Ich bin sehr froh über diese Studie“, betont Hublin. So stütze die Untersuchungen seine Auffassung, dass Gruppen von Homo sapiens zu unterschiedlichen Zeiten aus Afrika ausgewandert sind.

Ebenso „hellauf begeistert“ von der Studie ist auch Madelaine Böhme von der Universität Tübingen. Die Funde zeigen erneut die Bedeutung des Mittelmeerraums für die Evolution des Homo sapiens. Zugleich kündigt sie an: „Das ist noch lange nicht das Ende!“ Sie erwartet für die nächste Zeit weitere spannende Untersuchungsergebnisse. (dpa/ls)

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