Neue Hinweise auf verlorenes Grab von Alexander dem Großen entdeckt

Epoch Times13. März 2019 Aktualisiert: 13. März 2019 13:54
Seit Jahrhunderten begraben und vergessen: Ausgrabungen im alten königlichen Viertel von Alexandria offenbarten ein massives öffentliches Gebäude. Für die Archäologen könnte dieses Gebäude einen Hinweis auf die letzte Ruhestätte des berühmten Eroberers Alexander dem Großen geben.

2009 – der letzte Tag einer langen, unspektakulären Grabungskampagne war fast vorbei. Die Direktorin des Hellenic Research Institute of the Alexandrian Civilization (kurz HRIAC) und Ausgrabungsleiterin Calliope Limneos-Papakosta war bereit, nach Hause zu gehen. Seit 14 Jahren durchkämmte die aus Griechenland stammende Archäologin das Gebiet des Shallalat Gardens. Es ist ein öffentlicher Park im Herzen Alexandrias, der noch heute einen Teil der alten Stadtmauer birgt.

Wie viele andere Forscher ist auch Papakosta auf der Suche nach Alexander dem Großen, dem Eroberer und Pharao Ägyptens, der der Stadt seinen Namen gab. Doch in diesem Jahr war sie bereit mit leeren Händen zu gehen.

Ein Stück Marmor weckte die Hoffnung der Archäologin

Dann rutschte etwas Erde in eine Grube und offenbarte hellen Stein. Sofort rief das Grabungsteam die Forscherin herbei, um die Fundstelle zu inspizieren. Es war ein Stück weißer Marmor, der aus dem Schmutz ragte. Papakostas Enttäuschung über die Ausgrabung waren sofort verschwunden. Stattdessen ließ dieses kleine Stück weißer Stein ihre Hoffnung wieder aufblühen.

„Ich habe gebetet“, sagte sie zu National Geographic. „Ich hoffte, dass es nicht nur irgendein Stück Marmor war.“

Und tatsächlich: Ihr Gebet wurde erhört. Das Stück erwies sich als eine frühhellenistische Statue, die alle Merkmale Alexanders des Großen trug. Es war ein starker Anreiz für die Archäologin, weiterzugraben.

Sieben Jahre später hat Papakosta und ihr Team Teile des königlichen Viertels der alten Stadt freigelegt. Es lag mehr als 10 Meter unter dem heutigen Alexandria begraben.

„Dies ist das erste Mal, dass die ursprünglichen Fundamente Alexandrias gefunden wurden“, sagt der Archäologe Fredrik Hiebert. „Ich hatte Gänsehaut, als ich es sah.“ Und die Stätte kann einen der größten Preise der Archäologie einbringen – das verlorene Grab Alexanders des Großen.

Alexander der Große: Von Memphis nach Alexandria

Alexander wurde mit gerade einmal 20 Jahren zum König von Makedonien. Während der nächsten 12 Jahre stürzte der ehrgeizige Herrscher jedes rivalisierende Reich, das sich auf seinem Weg befand. Doch er starb bereits 323 vor Christus im Alter von nur 32 Jahren.

Allerdings sollte es einige Zeit lang dauern, bis seine sterblichen Überreste die letzte Ruhe fanden. Denn nach seinem Tod waren sich die Berater Alexanders uneinig, wo der Herrscher begraben werden sollte. Laut Schriftquellen wünschte sich Alexander noch zu Lebzeiten eine Beisetzung im Ammonheiligtum der Oase Siwa, doch sein Wunsch sollte nie erfüllt werden.

Zunächst bestatteten sie Alexanders Leiche in Memphis (Ägypten), bis er nach Alexandria gebracht wurde. Vielen Menschen sollen sein Grab besucht und wie den Tempel eines Gottes verehrt haben. Zu seinem wohl berühmtesten Gästen sollen unter anderem die beiden römischen Staatsmänner Gaius Julius Caesar und Augustus gezählt haben.

Doch die Stadt und das Grab ihres Gründers waren bedroht – nicht durch Feinde, sondern auch durch die Natur. Im 4. Jahrhundert nach Christus überschwemmte ein Tsunami die antike Stadt. Die Katastrophe markierte den Beginn einer Reihe weiterer Erdbeben, die folgen würden. Außerdem stieg der Meeresspiegel kontinuierlich an und bedroht noch heute die Stadt.

Langsamer Untergang

Als das Meer im Norden eindrang, ließ das Wasser den alten Teil der Stadt langsam versinken. Doch sie überlebte und die Einwohner Alexandrias überbauten im Laufe der Zeit die alten Teile der Stadt. So geriet sie in Vergessenheit – genauso wie die Lage von Alexanders Grab.

Heute bleiben der Wissenschaft nur noch wenige Schriftquellen von antiken Autoren wie Strabo, Leo Africanus und Sueton übrig. So beschreibt der griechische Geograf und Geschichtsschreiber Strabo in seinem 17 Bände umfassenden Werk „Geographie“ die Lage von Alexanders Grab:

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Und die Stadt beherbergt die schönsten öffentlichen Plätze und auch die königlichen Paläste, die ein Viertel oder sogar ein Drittel des gesamten Stadtgebietes ausmachen. […] Die Sema […] ist ein Teil der königlichen Paläste. Dies war das Areal, in dem sich die Grabstätten der Könige und die von Alexander befanden. […] Der Körper Alexanders wurde von Ptolemaios in Alexandria begraben, wo er heute noch liegt – nicht jedoch im gleichen Sarkophag wie zuvor, denn der heutige ist aus Glas, während derjenige, in dem Ptolemaios ihn legte, aus Gold war. […]“ – Strabo, Buch XVII S. 33 ff.

Sueton berichtet dagegen in seinem Werk „De vita Caesarum“ (deutsch: Kaiserviten) von einem Besuch Augustus am Grab von Alexander:

[…] Etwa zu dieser Zeit ließ er den Sarkophag und den Körper Alexanders des Großen aus seinem Schrein hervorbringen, und nachdem er ihn angeschaut hatte, zeigte er seinen Respekt, indem er eine goldene Krone darauf legte und sie mit Blumen bestreute; und dann wurde er gefragt, ob er auch das Grab der Ptolemäer sehen wolle, und er antwortete: „Mein Wunsch war es, einen König zu sehen, nicht Leichen.“ – Sueton, S. 149

Trotz der Beschreibungen ist die heutige Lage des Grabes für die Forscher noch immer ein Rätsel. Doch dieser Umstand hat viele Menschen nie davon abgehalten, nach ihm zu suchen.

Es gibt Aufzeichnungen von mehr als 140 offiziell genehmigten Ausgrabungen, mit dem Ziel das sagenumwobene Grab zu finden. Jedoch schlugen alle fehl. Man könnte meinen, dass die Unauffindbarkeit des Grabes, den Entdeckungswunsch bei vielen Archäologen und Amateuren milderte. Tatsächlich verstärke er jedoch die Suche. Das Grab Alexanders zu finden, wäre gleichbedeutend mit der Entdeckung von Tutanchamuns Grabstätte.

Massives öffentliches Gebäude könnte auch Alexanders Grab hinweisen

Die Hoffnung das Grab irgendwann zu finden ließ auch Papakosta unaufhörlich weitergraben. Mithilfe von antiken Berichten und einer Karte aus dem 19. Jahrhundert von Alexandria hofft sie, sein Grab zu finden. Außerdem nutzte sie moderne Technologien wie Geoelektrik, um feststellen zu können, wo gegraben werden muss. Dadurch konnten sie und ihr Team bislang 14 Anomalien identifizieren, die mögliche bauliche Überreste sein können.

Mit diesen und anderen Methoden entdeckt Papakosta immer mehr des alten königlichen Viertels der Stadt. Auch fand die Forscherin eine Straße aus römischer Zeit und die Überreste eines massiven öffentlichen Gebäudes. Letzteres könne ein Hinweis auf das Grab von Alexander sein.

Wie das HRIAC in einem Ausgrabungsbericht mitteilte, fanden die Archäologen im letzten Jahr neben Töpferwaren aus hellenistischer und römischer Zeit auch ein Teil des rechten Arms der Alexander-Statue. Außerdem legten die Forscher große architektonische Elemente wie Architrave und Kapitelle frei.

„Ich habe einen Traum. Und ich werde weitermachen, bis ich ihn erfüllt habe.“

Aber jede Entdeckung ist hart erkämpft. „Ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe, als ich zum ersten Mal am Grundwasserspiegel ankam“, sagt Papakosta. Sie musste ein ausgeklügeltes System von Pumpen und Schläuchen entwickeln, um die Anlage trocken genug zu halten. „Ich war hartnäckig und fuhr fort. Und das werde ich jetzt auch tun.“

Diese Beharrlichkeit über viele Jahre langsamer, schlammiger Arbeit zeichnet Papakosta aus, sagt Hiebert. „Es ist selten, jemanden zu finden, der 21 Jahre lang an einem einzigen Ort geblieben ist.“ Er vergleicht Papakosta mit einem Boxer, der hinfällt, wieder aufsteht, sich dann abstaubt und zurück in den Ring geht. „Sie meistert die ganzen neun Runden.“

Im Laufe der Jahre ist Papakosta immer mehr davon überzeugt, dass sie sich dem verlorenen Grab Alexanders nähert. Sie mildert ihren Optimismus jedoch mit einer gesunden Dosis Realismus.

„Sicherlich ist es nicht einfach, es zu finden“, sagt sie. „Aber sicher ist, ich bin im Zentrum von Alexandria, im königlichen Viertel angekommen.“ „Ich habe einen Traum“, ergänzte sie, „und ich werde weitermachen, bis ich ihn erfüllt habe.“