Mehr als Worte – Die Postkarte wird 150 Jahre

Epoch Times21. August 2019 Aktualisiert: 20. August 2019 10:54
Vor ihrer Einführung noch als „unanständige Form der Mitteilung auf offenem Postblatt“ kritisiert, traf die Postkarte den Nerv der Zeit: Bildmotive erfüllten - damals wie heute - das Bedürfnis nach vereinfachtem und raschem Informationsaustausch.

Damals wie heute veranschaulichen Bilder eine Mitteilung, ergänzen sie, schmücken sie aus oder – in Zeiten von Tausenden Emojis – ersetzen diese sogar. Zum 150-jährigen Jubiläum der Postkarte beleuchtet die Ausstellung „Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße“ vom 21. August 2019 bis 5. Januar 2020 im Museum für Kommunikation Berlin die Geschichte von Entstehung, Entwicklung und Vielfalt eines Mediums als Spiegel der Gesellschaft.

Die Ausstellung spannt den Bogen von den Vorläufern bis zur Blütezeit der Postkarte im Kaiserreich über Feldpostkarten, Kunstpostkarten, Propagandakarten, Postkarten in Ost und West bis zur digitalen Postkarte. Zudem zeigen Interviews mit Berliner Passanten, welche Bedeutung die Postkarte in Zeiten von WhatsApp und Co. noch hat.

Im Fokus stehen außerdem die Praktik des Sammelns sowie ganz besondere Stücke aus der Sammlung der Museumsstiftung Post- und Telekommunikation. Mit über 200.000 Exemplaren besitzt die Stiftung eine der größten Postkartensammlungen Deutschlands.

Das „unanständige“, offene Postblatt als Vorläufer der Postkarte

Bereits 1865 hatte Heinrich von Stephan, Postreformer und Gründer des Reichspostmuseums – dem heutigen Museum für Kommunikation Berlin -, auf der fünften Konferenz des Deutschen Postvereins 1865/66 in Karlsruhe außerhalb der amtlichen Sitzungen in einer Denkschrift die Einführung eines „Postblattes“ vorgeschlagen. Ein kleiner weißer Karton mit gestempeltem Datum sollte als Alternative zum traditionellen Brief angeboten werden. Gedacht war sie als weniger umständliche und kostengünstigere Mitteilungsmöglichkeit für die Bevölkerung.

Der preußische Generalpostdirektor von Philipsborn hatte die offizielle Bekanntgabe der Denkschrift aber abgelehnt. Auch die Konferenzteilnehmer standen dem privaten Vorschlag ablehnend gegenüber. Vor allem die „unanständige Form der Mitteilung auf offenem Postblatt“ wurde kritisiert. Die Bedenkenträger äußerten ihre Besorgnis um das Briefgeheimnis, der Wahrung der guten Sitten sowie des Anstands und befürchteten sinkende Einnahmen.

Ende Juli 1868 reichten zwei Leipziger, der Buchhändler Friedlein und der Kaufmann Friedrich Wilhelm Pardubitz, fast zeitgleich je ein Muster einer „Universal-Correspondenz-Karte“ beim Generalpostamt in Berlin ein. Vorderseitig trugen die Karten einen Adressvordruck und Gebrauchsbemerkungen, rückseitig konnte man durch Ankreuzen aus 24 beziehungsweise 28 vorgedruckten Botschaften auswählen.

Die preußische Postadministration lehnte jedoch beide Vorschläge ab. Die Begründung lautete, dass „durch die Anstreichungen auf der Karte der Charakter einer Drucksache verloren gehe und aus dieser ein Brief werde.“

Siegeszug eines Verkaufsschlagers

Von Stephan konnte seine Idee erst 1870 als Generalpostdirektor im Norddeutschen Postbezirk verwirklichen. Bereits ein Jahr zuvor, am 1. Oktober 1869, war die Correspondenz-Karte in der österreichisch-ungarischen Monarchie eingeführt worden. Allein in den letzten Monaten des Jahres 1869 verkaufte die österreichische Postverwaltung drei Millionen Karten. In Deutschland kam die Postkarte beim Publikum ebenfalls gut an. In Berlin wurden am ersten Verkaufstag, dem 25. Juni 1870, mehr als 45.000 Exemplare erworben.

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 verschickten Soldaten und ihre Angehörigen die Correspondenz-Karte millionenfach als kostenlose Feldpostkarte. Vor allem für diejenigen, die wenig geübt darin waren, sich schriftlich zu äußern, war das neue Kommunikationsmedium ein gut geeignetes Mittel, um Lebenszeichen, kurze Mitteilungen und Grüße zu senden.

1872 erfolgte eine Halbierung der Gebühren für Postkarten, was den Siegeszug des neuen Nachrichtenträgers beschleunigte. Zudem war deren Herstellung und Verkauf nun auch privatwirtschaftlich erlaubt. In den folgenden Jahren führten viele Staaten die Postkarte ein: 1870 Großbritannien, 1871 Belgien und die Niederlande und 1873 Frankreich und die USA. 1875 wurde die Postkarte auch für den Weltpostverkehr zugelassen.

Von der Post- zur Ansichtskarte

Die Postkarte traf als Kind der Gründerzeit am Beginn der Moderne den Nerv der Zeit. Sie erfüllte ein Bedürfnis nach vereinfachtem und raschem Informationsaustausch. Die Größe des Bildes auf der Adressseite war begrenzt, da die Lesbarkeit der Anschrift nicht beeinträchtigt werden durfte. Mehr Bildraum bot die Mitteilungsseite der Karte. In den 1880er-Jahren wurden auf dieser ursprünglich nur für die schriftliche Nachricht vorgesehenen Kartenseite nun auch Stadtansichten, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele in halber Postkartengröße abgebildet.

Die Bildpostkarte erhielt schließlich 1885 die offizielle Postzulassung, nachdem man sie schon vorher geduldet hatte. Der Konflikt zwischen Bildschmuck und Mitteilungsbedürfnis auf der Ansichts- und Textseite wurde 1905 durch die postamtlich verfügte Teilung der Anschriftenseite gelöst, die bis heute üblich ist. Auf der rechten Seite befand sich nun die Anschrift, die linke Seite konnte für schriftliche Mitteilungen genutzt werden. Die Rückseite stand damit vollständig dem Bild zur Verfügung.

Von den im Jahr 1900 im deutschen Kaiserreich verschickten etwa 2,7 Milliarden Briefsendungen waren rund eine Milliarde Postkarten. Etwa 50 Prozent davon entfielen auf Ansichtskarten. In der Bevölkerung herrschte eine regelrechte Ansichtskartenmanie, die die gesteigerte Mobilität der Menschen und deren gewachsenes Kommunikationsbedürfnis widerspiegelte. Die Beliebtheit der Ansichtskarte führte dazu, dass man sie nicht nur vielfach verschickte, sondern auch umfangreich privat sammelte. Die genormten Formate erleichterten zudem die Ablage in Alben oder Kartons.

Erfindungen, schnell(er) wie die Post erlaubt

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Die Häufigkeit der täglichen Postzustellung vor dem Ersten Weltkrieg – in der Reichshauptstadt Berlin in der Spitze bis zu elfmal täglich – machte die Postkartenkommunikation im Kaiserreich zu einem sehr schnellen und günstigen Nachrichtenmittel. Die Blütejahre der Ansichtspostkarte zwischen 1895 und 1914 erwiesen sich als lukrativ für alle, die mit ihrer Herstellung Geschäfte machten.

Binnen kurzer Zeit entstanden zahlreiche lithografische Kunstanstalten, von denen einige ausschließlich Ansichtskarten für den internationalen und nationalen Markt herstellten, andere beschränkten sich auf Karten mit Motiven aus der Region. Eines aber hatten all diese Produkte gemeinsam: ihr durch die Drucktechnik charakteristisches Erscheinungsbild.

Als Vorlage für ihre Entwürfe dienten den Lithografen Zeichnungen, vor allem aber Fotografien. Diese Vorlagen entsprachen in Größe und Anordnung bereits dem Endprodukt. Verschiedene Verfahren ermöglichten die seitenverkehrte Übertragung des Motivs auf den Druckstein.

Nach der Bearbeitung des Steins mit Gravier- und Schabnadel oder Feder, einer chemischen Behandlung(Ätzen) und dem Auftragen von Druckfarbe auf den Stein konnte die Ansichtspostkarte gedruckt werden. Durch Wiederholen des Druckvorgangs mit verschiedenen Platten, in denen jeweils das zu druckende Farbmotiv eingeritzt wurde, entstand die Farblithografie, auch Buntdruck oder Chromolithografie genannt.

Bis in die 1980er-Jahre beförderte die Bundespost jährlich annähernd gleich viele Postkarten: 1954 lag die Zahl bei 920 Millionen, 1982 bei 877 Millionen. Danach sanken die Zahlen durch die Verbreitung neuer Kommunikationsmedien rapide und schwankten in den letzten Jahren zwischen 178 Millionen (2009), 210 Millionen (2014) und 195 Millionen (2017). Diesen Rückgang vermochten auch neue Ansichtskartenformate nicht aufzuhalten.

Dennoch bleibt es wohl dabei: In keinem Urlaubsort und in keiner Großstadt fehlen Ansichtskarten mit Sonne, Meer und Strand oder markanten Bauwerken. (MFKB/ts)

Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße

Kabinettausstellung vom 21. August 2019 bis 5. Januar 2020 im Museum für Kommunikation Berlin

Öffnungszeiten
Dienstag 9 bis 20 Uhr
Mittwoch bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage 10 bis 18 Uhr
24., 25. und 31.12. geschlossen

Eintritt 6 €, ermäßigt 3 €