Starben die Neandertaler wegen Kälteperioden aus?

Epoch Times29. August 2018 Aktualisiert: 29. August 2018 8:54
Die Ursache für das Aussterben der Neandertaler ist bis heute nicht geklärt und beschäftigt Generationen von Wissenschaftlern. Doch nun haben Forscher Hinweise dafür gefunden, dass Neandertaler sich vermutlich nicht so gut auf extreme Kälte einstellen konnten wie die modernen Menschen.

Wiederholte extreme Kälteperioden während der letzten Eiszeit könnten einer Studie zufolge zum Aussterben der Neandertaler beigetragen haben.

Einem Forscherteam um Michael Staubwasser vom Institut für Geologie und Mineralogie der Universität Köln zufolge fallen die Kälteintervalle mit Zeiträumen zusammen, aus denen keine Neandertaler-Nachweise mehr bekannt sind.

Dies deute darauf hin, dass der durch die Kälteperioden ausgelöste ökologische Stress den zyklischen Rückgang der Neandertaler und die Ausbreitung des modernen Menschen begünstigt hat, schreiben die Forscher im Fachjournal „Proceedings“ der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften („PNAS“).

Kalkstalagmiten als Kilmaanzeiger

Der Übergang der vom Neandertaler dominierten Besiedlung zu der des modernen Menschen in Europa vollzog sich vor etwa 45.000 bis 40.000 Jahren. Meist gebe es  jedoch zeitliche Lücken zwischen abgelagerten Artefakten der Neandertaler und solchen der modernen Menschen, erklärte Staubwasser.

Er und seine Kollegen untersuchten Kalkstalagmiten aus zwei rumänischen Höhlen und schlossen aus den Daten, dass es vor etwa 44.000 und vor 40.000 Jahren extreme Kälteperioden gab. Erstere liege zeitgleich mit einer Ablagerungslücke zwischen Neandertalerartefakten und denen moderner Menschen im Donauraum, die zweite mit einer solchen Lücke im heutigen Frankreich.

„Das deutet darauf hin, dass während der Kälteperioden – die stets mit großer Trockenheit einhergingen – die Neandertaler-Population erheblich zurückging“, erläutert Staubwasser.

Fehlende Nahrungsquelle soll zum Verschwinden des Neandertaler geführt haben

Ein Aspekt, der dem Neandertaler zum Verhängnis geworden sein könnte, war demnach seine Ernährung: In vielen Gebieten habe er sich überwiegend von Fleisch – speziell von Großwild – ernährt. Dieses sei allerdings stark vom Kälteeinbruch betroffen gewesen.

Die in der Folge weitgehend entvölkerten Gebiete besiedelte dann der moderne Mensch, der womöglich besser an die klimatischen Bedingungen angepasst war, vermuten die Forscher. Der periodisch auftretende ökologische Stress und die veränderten Umweltbedingungen hätten somit „als Schrittmacher mehrerer Entvölkerungs- und Wiederbevölkerungszyklen in Europa fungiert“.

Dass das Aussterben der Neandertaler mit klimatischen Veränderungen zusammenhängen könnte, hatten schon frühere Studien nahegelegt. So gehen zum Beispiel auch die Mitarbeiter des Neanderthal-Museums in Mettmann von heftigen Klimaschwankungen als Hauptursache aus.

„Es war zeitweise zu kalt und zu trocken, sodass sich das Nahrungsangebot für die Neandertaler reduziert hat und die Bevölkerung dadurch zurückgegangen ist“, sagte die stellvertretende Museumsdirektorin Bärbel Auffermann.

Vermischung der Gene statt Verschwinden?

Neue Funde aus Zentralasien belegen, dass sich der Neandertaler vor etwa 90.000 Jahren mit einer anderen Menschengattung, den Denisova, fortpflanzte. Diese erstaunliche Entdeckung machten Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (EVA) in Leipzig vor wenigen Tagen.

Grund für diese Annahme war der Fund eines Knochenfragmentes einer etwa 13-jährigen Neandertalerin. Der bereits 2012 in der Denisova-Höhle entdeckte Knochensplitter stammt von einem Arm- oder Beinknochen des jungen Mädchens. Nun wurde der Knochen auf seine DNA untersucht und lieferte die sensationellen Erkenntnisse.

Die Analysen ergaben, dass sie ein Mix aus Neandertaler und Denisova ist. Außerdem konnten die Wissenschaftler genauere Aussagen über ihre Eltern treffen. Demnach war ihre Mutter eine Neandertalerin, während ihr Vater der Menschengattung Denisova angehörte. (ls/dpa)

Der Backenzahn eines Denisova-Menschen.

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