Supergau der Spätantike: Waren Mensch und Natur schuld am Ausbruch der Justinianischen Pest?

Epoch Times31. Mai 2018 Aktualisiert: 31. Mai 2018 10:44
Vulkanausbrüche, Lichtmangel, Missernten und die Raubzüge der Hunnen könnten erhebliche Gründe für die massive Ausbreitung und lang andauernde Pest in der Spätantike gewesen sein. Diese Theorie haben Wissenschaftler nun in mehreren, voneinander unabhängigen Studien vorgestellt.

Sie ist eine der verheerendsten Seuchen der Menschheitsgeschichte. Über kaum eine andere Krankheit wissen wir heute mehr als über die Pest. Im Mittelalter forderte sie Millionen von Menschenleben und löschte ganze Dörfer und Stämme aus.

Bereits 800 Jahre zuvor wütete schon einmal die Pest (sog. Justinianische Pest) über Teile Europas und Asiens. Nun haben Wissenschaftler eine Reihe weiterer Gründe für die enorme Pestwelle aus der Spätantike gefunden. Sie zeigen, dass nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch maßgeblich daran beteiligt gewesen sein könnte.

Auf Spurensuche in subfossilen Baumringen

Die ersten Forschungen begannen bereist im Jahr 2015, als ein Team aus Wissenschaftlern Eisbohrkerne zur Gewinnung von Klimadaten untersuchte. Sie stellten fest, dass es zwei große Vulkanausbrüche, 536 und 540 nach Christus, gegeben haben muss, die dazu führten, dass die Temperaturen in der nördlichen Hemisphäre stark abnahmen.

Den Link zur Studie finden Sie hier (Englisch): Timing and climate forcing of volcanic eruptions for the past 2,500 years.

Viel schlimmer dürften jedoch die von den Vulkanausbrüchen verursachten Aschewolken gewesen sein, die den Lichteinfall bedeutend trübten. Dies ging aus den erst kürzlich unternommenen Untersuchungen von subfossilen Baumringen hervor. In ihnen entdeckten Forscher eine starke negative Abweichung, ebenfalls in den Jahren 536 und 541-544.

„Wir gehen davon aus, dass eine anhaltend niedrige Sonneneinstrahlung negativen Auswirkungen auf die Pflanzenproduktion und die Aufnahme von Vitamin D in der menschlichen Haut beigetragen haben. Die Menschen waren gesundheitlich geschwächt und so sehr leicht anfällig für den Pesterreger.“ so die Forscher.

Diese Annahme deckt sich auch mit historischen Schriftquellen, in denen von einer Trübung der Sonne die Rede ist. „Die Sonne war blau, ohne Helligkeit. Frühling ohne Milde, Sommer ohne Hitze. Der Hauptgrund für diese Erscheinungen war eine mysteriöse Wolke, ein anhaltender, trockener Nebel, der den Himmel verdunkelte und von Zeitgenossen über weite Teile der Welt beobachtet wurde.“

Den Link zur PDF der Studie finden Sie hier (Englisch): Volcanic dust veils from sixth century tree-ring isotopes linked to reduced irradiance, primary production and human health

Und dann kamen die Hunnen

Lange Zeit wurde der Ausbruch der Justinianischen Pest aufgrund den Schriften antiker Chronisten in Ägypten angenommen. Nun zeigen DNA-Untersuchungen an Skelettresten aus einer Steppenregion in Westasien, dass die Pest der Spätantike möglicherweise aus Asien kam.

Ein Forscherteam um Eske Willerslev von der University of Copenhagen veröffentliche in ihrer aktuellen Studie nun die Ergebnisse der 137 untersuchten Skelette aus der eurasischen Steppe. Mit den Zügen der Hunnen nach Europa brachten sie vermutlich auch die Pest mit.

Das dies nicht unmöglich ist, zeigt die Verbreitung der Pest im 14. Jahrhundert. Auch hier brachten die Tartaren den Pesterreger mit sich, als sie 1348 die Stadt Kaffa (heute Feodossija) auf der Krim belagerten. Von da aus verbreitete sich die Pest von dem damaligen italienischen Handelsposten durch Schiffe bis nach Europa.

Die Hunnen waren nicht ein Volk, sondern bildeten sich aus verschiedenen Nomadengruppen wie den Skythen und den Xiongnu. Sie schmiedeten Allianzen, um ihre Macht und ihr Territorium zu erweitern.

Während die Skythen den Römern und Griechen bereits als tüchtige Reiter an der Grenze zwischen Europa und Asien bekannt waren, wurden die Xiongnu weiter östlich das erste Mal erwähnt, als sie einen blutigen Krieg mit den Truppen der Han-Dynastie in China kämpften.

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„In einigen dieser Hunnen finden wir die Grundform der Justinian Pest, die Millionen von Menschen in Europa getötet hat“, sagte Mitautorin Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen.

Erste Funde des Erregers um 200 nach Christus

Die ersten Spuren aus dem Stamm des Pestbakteriums (Yersinia pestis) wurde bei einem Hunnen aus dem Tian-Shan-Gebirge in Zentralasien gefunden. Laut Untersuchungen war dieser um 200 nach Christus an der Krankheit gestorben.

Ein weiterer Verwandter des Justinian-Peststammes tauchte bei einer Person aus Nordossetien, Russland, auf. Diese starben wahrscheinlich zwischen dem sechsten und neunten Jahrhundert nach Christus an der Pest.

„Unser Stamm geht auf das Jahr 200 n. Chr. zurück, also mehrere hundert Jahre bevor die Justinianische Pest Europa heimsuchte“, sagte Peter de Barros Damgaard, Co-Autor der Studie, zu BBC News.

Die Analyse dieses Peststammes zeigt, dass eine Übertragung über Flöhe, ähnlich wie beim Schwarze Tod im 14. Jahrhundert möglich gewesen ist. Aber ob dies die wichtigste Form der Ausbreitung der Spätantiken Pest war, bleibt unbekannt.

Absichtliche Übertragung der Pest durch infizierte Pferdekörper?

„Alte chinesische Quellen tragen zudem zu einer weiteren interessanten Spekulation bei. So heißt es, dass Xiongnu-Krieger das Einbringen von toten Pferdekörpern in Wasserquellen für eine biologische Kriegsführung genutzt haben.“ sagt Dr. Damgaard.

„Ich spekuliere gerne, dass dies der Nährboden für die Pest gewesen sein könnte. Und wieder einmal wäre die menschliche Laufbahn mit Pferden verbunden gewesen. Allerdings habe ich keine Möglichkeit, das zu beweisen.“

Den Link zur Studie finden Sie hier (Englisch): 137 ancient human genomes from across the Eurasian steppes