Die Zeitumstellung verursacht zweimal pro Jahr Aufwand und Kosten, Energie spart sie nicht, und für Menschen ist sie schleichend gesundheitsschädlich.Foto: Jeff J Mitchell/Getty Images

Wenn die Zeitumstellung krank macht: „Sozialer Jetlag“ ist kein Kurzzeitphänomen

Epoch Times30. April 2018 Aktualisiert: 30. April 2018 12:32
Chronobiologen, Schlafforscher und Ärzte weiterer Fachdisziplinen sind sich einig, dass die Zeitumstellung auf OEZ (sogenannte "Sommerzeit") gesundheitsschädlich und lebensverkürzend sein kann.

Vergangene Woche sollte in Berlin die Unterschriftenübergabe zur „Beibehaltung der Normalzeit“ stattfinden, diese musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden und wird nachgeholt. Ob daran die Zeitumstellung selbst Schuld ist?

Auch wenn es absurd klingt, dass die Zeit jemanden krank macht, Chronobiologen, Schlafforscher und Ärzte weiterer Fachdisziplinen sind sich einig, dass die Zeitumstellung auf OEZ (sogenannte „Sommerzeit“) gesundheitsschädlich und lebensverkürzend sein kann.

Durch die Umstellung weiche die äußere (soziale) Uhrzeit stärker von der inneren (Köper-) Uhrzeit ab. Die innere Uhr stellt sich nach dem Sonnenstand, die äußere Uhrzeit wird von der Gesellschaft aufgezwungen. Die Folgen der Differenz sind chronischer Schlafmangel und toxischer Stress, bzw. sogenannter sozialer Jetlag.

Sozialer Jetlag ist mehr als nur von kurzer Dauer

Dass es sich bei diesem sozialen Jetlag nicht um ein vorübergehendes Phänomen handelt, beschrieb Peter Spork, ein „zunehmend unausgeschlafener Wissenschaftsautor“ auf RiffReporter.de. In diesem Beitrag beschreibt der Biologe die Erscheinungen für jeden nachvollziehbar. Abends ist man müde, kann aber noch nicht einschlafen und Morgens ist man dann entsprechend müde und will sich noch ein (zwei, drei) Mal rumdrehen und überhaupt nicht ans Aufstehen denken.

Doch im Gegensatz zu einem echten Mini-Jetlag, wenn man zum Beispiel nach Großbritannien, Spanien oder Griechenland fliegt, ist der Körperrhythmus nach drei bis vier Tagen noch nicht wieder „normal“.

Der soziale Jetlag bleibt und die Auswirkungen auf den Menschen sind nicht gering:

  1. Sie haben weniger soziale Kompetenz.
  2. Ihr Immunsystem funktioniert nicht mehr so gut.
  3. Ihr Gedächtnis kann nicht mehr so gut speichern, was Sie gelernt haben.
  4. Sie können alle Krankheiten, die Sie eventuell kriegen würden, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit und vor allem früher bekommen.

„Wir arbeiten in Moskau, leben aber in München“

Der Chronobiologe Till Roenneberg von der Ludwig Maximilians Universität München erklärt die Zeitumstellung mit einfachen Worten: „Die derzeitige Sommerzeit-​Regelung verlegt unsere sozialen Verpflichtungen einfach noch eine Zeitzone weiter nach Osten, ohne dass wir dabei unsere biologische Zeitzone verlassen. Wir arbeiten sozusagen den Sommer über in Moskau, leben aber eigentlich in Köln oder München.“

Der Beschluss, für sieben Monate das tägliche Leben eine Stunde früher beginnen zu lassen, ändert an der Sonnenzeit nichts, die innere Uhr bleibt daher in der Jetlag-​Situation hängen. Zugegeben, der Jetlag ist nur klein, aber chronisch und kann daher gesundheitliche Folgen haben“, so Roenneberg weiter.

An die Zeitverschiebung, wenn wir um den Globus fliegen, gewöhnt sich die innere Uhr von selbst. Pro Stunde Zeitverschiebung dauert dieser Prozess etwa einen Tag. Aber da die Sonne in Deutschland am nächsten Tag wieder zu zeitig aufgeht und die gesellschaftlichen Verpflichtungen und die Freizeit auch am nächsten Tag erst Nachmittags und Abends in teils völliger Dunkelheit stattfinden, kann sich die Körperzeit eben nicht der sozialen Zeit anpassen.

Sonnenlicht am Morgen hilft dem Körper bei der Zeitumstellung

Abhilfe ist möglich, wenn wir einen Teil der Freizeit nach vorn verlegen und nach dem Aufstehen zum Beispiel erst einmal eine Runde Joggen gehen. Sonnenlicht und körperliche Aktivitäten am Morgen helfen unserem Körper den sozialen Jetlag auszugleichen. Doch die meisten Menschen verbringen den Vormittag in (viel zu dunklen) Büroräumen und die innere Uhr bleibt dort stehen, wo sie ist – mit all den oben genannten Folgen. Besser wird es oft erst Ende Oktober, dann, wenn die Uhren zurückgestellt werden.

Bis zu 140 Nationen beteiligten sich an dem Projekt Sommerzeit, heute gültig ist die Sommerzeit jedoch nur noch in etwa der Hälfte. Die anderen Länder haben den Zusammenhang zwischen Zeitumstellung und verstärktem sozialen Jetlag erkannt und die Zeitumstellung wieder abgeschafft. Wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht, ist es in diesen Ländern etwa 12 Uhr und damit stimmen innere und äußere Uhr wieder überein.

Das EU-Parlament hat im Februar 2018 einen Beschluss gefasst, die Folgen der Zeitumstellung genau zu prüfen. (ts)

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