Wenn Steine musizieren – Das Rätsel der klingenden Säulen von Vijaya Vittala

Epoch Times19. Juli 2018 Aktualisiert: 19. Juli 2018 11:23
Kann man Musik auf Steinen spielen - Nun, die alten indischen Baumeister konnten es. Sie waren von dieser Idee so besessen, dass sie eine steinernen Tempel erschufen, dessen 56 Säulen klingen - und zwar alle unterschiedlich!

Der Vijaya Vittala Tempel hat insgesamt 56 Säulen, die ihn einzigartig machen. Diese Säulen werden gemeinsam als SaRiGaMa-Säulen bezeichnet, benannt nach den Noten der klassischen indischen Musik. Einige der Säulen sind von sieben kleinen Säulen umgeben. Und es sind diese kleinen Säulen, die den musikalischen Klang ausstrahlen.

Die klingenden Säulen verblüffen seit Jahrzehnten Archäologen, Wissenschaftler und neugierige Besucher. Wenn sie zum Beispiel mit dem Daumen angeschlagen werden, erzeugt jede einzelne Säule einen einzigartigen und sehr angenehmen Klang, der fast so klingt, als würden mehrere Glocken auf einmal läuten.

Einige der Säulen klingen tatsächlich wie traditionell indische Musikinstrumente und werfen die Frage auf, ob die alten Inder bereits vor mehr als 500 Jahren die Kunst des Gesteinsschmelzens beherrschten.

Eine Analyse der Säulen ergab, dass sie eine Mischung aus Kieselsäure und metallischem Erz enthalten. Der Einfallsreichtum und das Wissen, das erforderlich ist, um diese Säulen zu bauen, hat zu vielen Verschwörungstheorien geführt.

Die populärste Theorie geht davon aus, dass die alten Inder die Technologie des Gesteinsschmelzens beherrschten und dass es ihre Expertise auf diesem Gebiet war, die es ihnen ermöglichte, derartig komplexe Säulen zu erschaffen. Ein weiterer Punkt, der nahelegt, dass die damaligen Baumeister mehr konnten, als wir ihnen heute zutrauen, sind Ketten aus Stein, die an den Ecken des Tempels hingen.

Verschwörungstheorien und Zerstörung durch Eindringlinge

Der Tempel wurde im Laufe der Jahrhunderte gezielt zerstört. Nach der Eroberung der Region versuchten die Mogul, den Tempel niederzubrennen. Als es sich als vergeblich herausstellte, versuchten sie, die Säulen so weit wie möglich zu verkohlen, und setzten den Prozess monatelang fort.

Während der Tempel diese Prozedur überlebte, hatte das ständige Brennen einen großen negativen Effekt – die Säulen verloren an Lautstärke. Infolge der monatelangen Hitzeeinwirkung werden die Geräusche, die die Säulen jetzt produzieren, als gedämpfter und milder als vor dem Angriff der Mogul geglaubt.

Auch die steinernen Ketten, die uns eventuell etwas über die Herstellung der Säulen hätten verraten könnten, wurden zerstört. An anderen Tempeln der Region gibt es sie noch, doch alles was die Archäologen herausfinden konnten war, dass sie tatsächlich aus massiven Stein bestehen.

Nach den Mogulen fiel das Land den Briten zum Opfer. Auch sie versuchten, den Tempel auf jede erdenkliche Weise zu beschädigen.

Tatsächlich wurden zwei Säulen um 1930 von den Briten, die von den musikalischen Klängen der Säulen überrascht waren und diese genauer untersuchen wollten, abgeschnitten. Als sie jedoch herausfanden, dass die Säulen nichts in sich hatten – weder Hohlräume noch andere auffallende Merkmale –  warfen sie die Säulen einfach in den Tempelkomplex. Diese beiden Säulen sind noch immer im Inneren der Anlage zu sehen und das Geheimnis der klingende Säulen ist bis heute nicht geklärt.

Weltkulturerbe mit gedämpftem Klang

Der Vijaya Vittala Tempel befindet sich in Hampi im Bundesstaat Karnataka und wurde vermutlich im 15. Jahrhundert zur Zeit des Vijayanagara-Reiches erbaut. Der Tempel ist eines der besten Beispiele dravidischer Architektur in der Region, wobei der gesamte Tempel mit wunderschönen, detaillierten Schnitzereien geschmückt ist.

1986 erklärte die UNESCO das Gebiet zum Weltkulturerbe, dass seither unter dem Schutz der indischen Regierung steht. Der Tempel ist fast 350 km von der Hauptstadt Bengaluru und etwa 65 km von Bellary entfernt. Besucher sind täglich von 8:30 bis 17:00 Uhr willkommen, der Eintritt ist frei.

Mehr über den mysteriösen Tempel und seine musikalischen Säulen im Video:

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