Würzige Geschichten: Als die Küchengöttin die Welt eroberte – Die Nelke

Von 15. Juli 2019 Aktualisiert: 15. Juli 2019 22:12
Einst war die Geschichte der Gewürze sagenumwoben. Wir erzählen von einer Zeit, in der für eine Handvoll Pfeffer getötet wurde.

Die ältesten und begehrtesten Handelswaren – abgesehen von Edelsteinen – waren immer schon Gewürze, Kräuter und Salze. Gewürze haben die Weltgeschichte beeinflusst und die Seefahrt vorangetrieben. Um sie zu besitzen und ihren Ursprungsort zu finden wurden gefährliche Abenteuer auf sich genommen.

Einst war die Geschichte der Gewürze sagenumwoben. Vorerst ein chronologischer Überblick des Gewürzhandels:

  • 3000 v. Chr. bis 200 v. Chr.: Araber handelten mit Gewürzen und Kräutern
  • 200 v. Chr. bis 1200 n. Chr.: Die Römer kontrollierten den Handel
  • 1200 bis 1500: Europäer erkunden Passagen nach Ostindien
  • Das 15. bis 17. Jahrhundert: Kriege um die Kontrolle des Gewürzhandels brechen aus
  • Das 16. bis 18. Jahrhundert: Die englische Erkundung beginnt

Handelsbeziehungen zwischen den alten Reichen

Im 3. und 4. Jahrtausend v. Chr. entwickelte sich der erste geeinte ägyptischen Staat im Niltal. Auch damals repräsentierte der Import- und Exporthandel die Machtstellung einer Kultur. Ägypten und der Vordere Orient haben laut archäologischen Funden zu damaliger Zeit einen regen Handel betrieben, so das Institut für Orientalischen und Europäischen Archäologie (OREA).

Seltene und exotische Waren finden ihren Weg in entlegene Gebiete

Von 3000 v. Chr. bis 200 v. Chr. waren die Araber diejenigen, welche den Markt der Gewürze und Kräutern beherrschten. Damals spielten Gewürze und Kräuter eine dramatische Rolle bei der Entwicklung der westlichen Zivilisation. Sie wurden strenger gehandelt als Gold, denn sowohl in der Antike wie auch im Mittelalter waren sie seltene Produkte.

Umso mehr wurden mythenreiche Geschichten ums sie gesponnen. In Tempeln hatten Gewürze im Rahmen zeremonieller Ereignisse einen gesicherten Auftritt, da man in ihnen unter anderem die Widerspiegelung von Gottheiten sah.

Damals brachten die duftenden Pflanzen, im Zusammenhang mit dem Glauben an die Gottheiten, Heilung und sogar Schutz vor dem Tod und waren für Menschen und Vieh ein unverzichtbarer Schatz. Der Besitz von pflanzlichen Essenzen und ätherischen Ölen repräsentierte den göttlichen Segen, denn nur die gut situierten Persönlichkeiten und somit jene die mit den Gottheiten im Einklang lebten, durften Parfüms auftragen oder die Räume mit Räucherwerk wie dem Weihrauch, beduften.

Karawanen der Seidenstraße

Sand, Staub, flimmernde Hitze, Kamelkarawanen und Pferdeherden, dazwischen Gesänge und die Rufe der Treiber in allen Sprachen Eurasiens: Dieses Bild bot das Leben auf den legendären Handelswegen quer durch den eurasischen Kontinent. Die längsten und ältesten Straßen der Welt führten quer durch die Wüste und durch unberührte Gebiete. Seit der Bronzezeit reichten die historischen Verbindungen von China bis zum Mittelmeer und von Sibirien bis zum indischen Subkontinent.

Die Wege und Pfade der Seidenstraße dienten dem regen Austausch von Gütern, Kulturen und Religionen sowie von Techniken, Kunststilen und Geschichten. Das antike Netzwerk von Karawanenstraßen ermöglichte diplomatische Kontakte und ebenso die Ausbreitung von Religionen und Kulturen. Überlieferungen zu Folge ist zum Beispiel der Buddhismus über diese Wege von Indien aus nach China und Japan gelangt.

Bewahrung und Verbreitung der Heilkunst

Die Heilkunst mittels Pflanzen war ein lang gehütetes Geheimnis, welches früher nur den Gelehrten aus den Tempeln bekannt war. Die Raffinesse im Umgang mit Gewürzen, Kräutern und Parfüms war stets eng mit der kulturellen Entwicklung verbunden.

Die Besonderheit der Pflanzenkunde und die Faszination der Pflanzengeister erreichte sogar den chinesischen Kaiser, Shen Nung, der erstmals vor 5.000 Jahren über das reichhaltige Pflanzenspektrum Dokumente anlegen ließ. Schon im vierten Jahrhundert v. Chr. aßen die Chinesen Nelken, deren damaliger Ursprung tausende Meilen von China entfernt lag.

Die Gewürzinseln

Vor ungefähr 4.000 Jahren wurde die Nelke auf die Molukken umgesiedelt und vor Ort kultiviert. Die Molukken sind ein indonesischer Archipel von mehreren kleineren Inseln. Welche, während der Kolonialzeit von Unruhen und Morden heimgesucht wurde.

Als die „von jedermann begehrten Inseln“ gingen sie in die Geschichte ein und prägten die Schiffshandelsrouten der damaligen Zeit.

Die Gewürznelke stellt sich vor

In Europa gewann die Gewürznelke erst im frühen Mittelalter ihren Bekanntheitsgrad, doch einige Quellen weisen bereits auf Vorkommen im antiken Indien hin. Der lateinische Name der Gewürznelken an sich lautet Caryophylli salisque oder Caryophylli flos. Die Pflanze gehört zu den Myrtengewächsen.

Bei Gewürznelken handelt es sich um Blütenknospen, die von einem über 10 Meter hohen Nelkenbaum stammen und sind aus keiner Küche wegzudenken. Sie verleihen Gerichten einen feinen Geschmack und fördern zudem die Gesundheit. Die Heilwirkung der Nelke entsteht durch das intensive ätherische Öl, welches schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkungen hat. Zusätzlich besitzt sie auch eine antibakterielle Eigenschaft und kann die Verdauung und den Appetit anregen.

Echte Handarbeit

Wenn die Knospen der Gewürznelke vor dem Blühen gepflückt und danach getrocknet werden, besitzen sie den höchsten Nährstoffgehalt. Dieser Vorgang erfolgt von Hand. Ein Gewürznelkenbaum liefert zwischen zwei bis vier Kilogramm Nelken pro Jahr.

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Die Knospen werden nach der Ernte kurz in heißes Wasser getaucht und anschließend auf Matten durch Luft und Sonne getrocknet. Dabei verändert sich die Farbe der Gewürznelken von Gelblich oder Rosa zu der bekannten dunkelbraunen Farbe, die wir kennen. So können die Gewürznelken dann als Gewürz oder Heilpflanze genutzt werden.

Marco Polo entdeckt den Nelkenbaum

Marco Polo war der erste Westeuropäer, der Ostasien bereiste. Zwischen 1271 und 1395 waren die Zeiten für Reisen in den Osten kein Erholungsurlaub. Es war die Zeit der Kreuzzüge im Westen und der Eroberungen durch die Mongolen aus dem Osten. Marco Polo entdeckte den Nelkenbaum und lüftete das Geheimnis der damaligen Zeit – nämlich wo die Nelkenbäume wachsen

Ungewiss bleibt, ob die Molukken tatsächlich das Ursprungsland der Gewürznelken darstellt. Sicher ist jedoch, dass Händler aus Malaysia die Gewürznelken nach Indien brachten. Arabische Händler wiederum brachten sie ans Mittelmeer und so weiter ins Römerreich.

Es gab Zeiten, in denen Gewürznelken teurer als Gold waren. So wurde überliefert, dass Kaiser Konstantin seine Ehrerbietung gegenüber dem Papst Silvester im 4. Jahrhundert mit 75 Kilogramm Gewürznelken erwies.

Im 15. Jahrhundert fanden die Portugiesen mithilfe von Prinz Heinrich den Weg nach Indien. Die Portugiesen übernahmen die Molukken gewaltsam. Hundert Jahre später übernahmen die Holländer die Gewürzinseln. Das Mittelalter war das Zeitalter der Seefahrt und so ergab es sich, dass Venedig das Zentrum des Gewürzhandels wurde.

Der Eroberer bestimmt das Zentrum des Gewürzhandels

Das Handelszentrum war gekoppelt mit den Eroberern der Gewürzinseln. Als die Portugiesen die Gewürzinseln besetzten wurde Lissabon das Handelszentrum der Gewürze. Die Holländer wiederum verlagerten das Handelszentrum nach Amsterdam. In jener Zeit hatten sie das Monopol zum Anbau der Gewürzbäume. Sämtliche Seewege unterlagen der holländischen Kontrolle. Das strenge Überwachen der Schiffe war notwendig geworden, um einen Schmuggel der Gewürznelken zu verhindern. Knapp 200 Jahre konnten die Holländer ihr Monopol halten.

Ungefähr um 1770 brachte der Franzose Pierre Poivre sowohl Setzlinge von Gewürznelkenbäumen als auch von Muskatbäumen nach Mauritius und in die französischen Gebiete Südamerikas. Ein Araber soll es gewesen sein, der Setzlinge nach Sansibar importierte.

Außerdem kommen Veränderungen auch von oben, das Gleichgewicht wird von der Natur geregelt. Vögel lassen sich nicht daran hindern, die Samen der Gewürznelkenbäume zu verteilen. So verbreitete sich der Anbau von Gewürznelkenbäumen nach und nach rund um die Welt.

Der Artikel erschien zuerst bei visiontimes.net