Ein Mann mit einem QAnon-Symbol.Foto: Rick Loomis/Getty Images

Mehr als 16 Prozent der Österreicher empfänglich für QAnon-Narrative

Epoch Times3. April 2022 Aktualisiert: 3. April 2022 23:53
Einer repräsentativen Studie des Analysezentrums CeMAS zufolge stimmen mehr als 12 Prozent der Deutschen und ein noch höherer Anteil an Österreichern Thesen des QAnon-Kults zu. Vor allem auf Telegram sind einschlägige Gruppen nach wie vor aktiv.

Obwohl zahlreiche Vorhersagen, die unter dem Banner der QAnon-Erzählung in Online-Foren und sozialen Medien verbreitet worden waren, nicht eingetreten sind, stimmt auch im deutschsprachigen Raum ein zweistelliger Anteil an Bürgern zumindest einigen zentralen Aussagen des 2016 in den USA entstandenen Kults zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine jüngst veröffentlichte Studie des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS).

Studie in deutschsprachigen Ländern und den USA

Das Analysezentrum hatte nach eigener Darstellung 1970 Personen in Deutschland sowie 1012 Menschen in Österreich für seine Studie befragt. Zudem habe man Daten über die Aktivitäten QAnon-affiner Gruppen in sozialen Medien, hauptsächlich auf Telegram, ausgewertet. Gleichzeitig haben das Public Religion Research Institute und die Einrichtung „Interfaith Youth Core“ insgesamt 5625 in identischer Weise in den USA befragt. Dort hatten QAnon-Erzählungen bereits Konsequenzen im Real Life – beispielsweise bei der Erstürmung des Kapitols in Washington durch Pro-Trump-Demonstranten am 6. Januar 2021.

Im deutschsprachigen Raum hat sich nach weitreichenden Löschungskampagnen auf Facebook und Twitter der Messengerdienst Telegram zum Schwerpunkt für Anhänger der sogenannten Meta-Verschwörungserzählung entwickelt. Demnach weisen sechs einschlägige deutschsprachige Kanäle mehr als 100.000 Abonnenten auf, dazu kommen 115 weitere mit mindestens 1000 Unterstützern.

Nach einer Zusammenfassung im Laufe des Vorjahres gäbe es noch insgesamt 123.100 Accounts in 84 identifizierten Gruppen. Im Jahr 2021 wurden in deutschsprachigen QAnon-Gruppen mehr als 8,3 Millionen Nachrichten ausgetauscht – gegenüber 4,6 Millionen im Jahr zuvor. Diese Ergebnisse stützten die These der Studienautoren, wonach „der deutschsprachige Raum außerhalb der USA die wohl größte digitale QAnon-Szene bildet“.

Nicht einmal jeder Zehnte glaubt an Verschwörung pädophiler Satanisten

Obwohl nur neun Prozent der deutschen und sechs Prozent der österreichischen Befragten angaben, eher viel oder sehr viel über QAnon gehört oder gelesen zu haben, finden die zentralen Thesen des Kults zum Teil weit darüber hinaus Anklang. In Deutschland stimmten 12,4 Prozent und in Österreich 16,2 Prozent ganz oder zumindest teilweise einem von fünf Kernelementen des Narrativs zu. In den USA trifft dies auf jeden Fünften zu.

In Deutschland glauben sieben Prozent und in Österreich gar 11,5 Prozent der Befragten, dass ihr Land von einer fremden Macht beherrscht würde, die im Hintergrund die Fäden ziehe. Weitere 9,4 bzw. 11,8 Prozent halten diese Darstellung zumindest teilweise für zutreffend.

Dass Regierung, Medien und Finanzwelt von einer Gruppe pädophiler Satanisten kontrolliert würde, die einen Kindersexhandel betrieben, halten 3,1 Prozent der Deutschen und 4,3 Prozent der Österreicher für möglich. Weitere 5,6 bzw. 5,4 Prozent denken, es könnte zumindest ein Funken Wahrheit hinter dieser Aussage stehen.

43,6 Prozent der AfD-Wähler halten QAnon-Thesen für plausibel

Von den befragten Deutschen sind es 5,2 Prozent und von den Österreichern 7,7 Prozent, die meinen, dass „wahre Patrioten“ zur Rettung ihres Landes vor sinisteren Einflussgruppen notfalls zur Waffe greifen müssten. Weitere acht bzw. 9,1 Prozent stimmen dieser These zumindest teilweise zu.

Fünf Prozent in Deutschland und 7,1 Prozent in Österreich glauben, dass in absehbarer Zeit „ein Sturm die herrschenden Eliten hinwegfegen und die rechtmäßigen Führer wiederherstellen wird“, weitere 7,7 Prozent der Deutschen und 10,4 Prozent der Österreicher halten diese Aussage zumindest teilweise für richtig.

Auch halten es 5,6 Prozent der Deutschen für sehr und 9,4 Prozent für teilweise wahrscheinlich, dass es bei den letzten nationalen Wahlen zu einem systematischen Wahlbetrug gekommen sei. In Österreich seien dies 10,9 plus 12,5 Prozent.

In Deutschland finden sich mit 16,5 Prozent die meisten Befürworter von QAnon-Thesen in Berlin. In den neuen Bundesländern sind es 13,4 und in Westdeutschland 12 Prozent. Während die Zustimmung bei Anhängern von Linkspartei, Grünen, SPD, FDP und Union jeweils unter zehn Prozent liegt, halten 14,7 Prozent der Anhänger sonstiger Parteien und sogar 43,6 Prozent der AfD-Anhänger zumindest einen Teil der Thesen für zutreffend.

Deutlicher Unterschied auch entlang des Impfstatus

In Österreich sind es 10,5 Prozent der Sozialdemokraten, 11,4 Prozent der Anhänger sonstiger Parteien, 32 Prozent der Impfgegner-Partei MFG und 43,6 Prozent der FPÖ-Anhänger, die QAnon-Vorstellungen zumindest teilweise zustimmen.

Während nur 5,4 Prozent der QAnon-Gegner bislang eigenen Angaben zufolge an Protesten gegen die Corona-Maßnahmen teilgenommen hätten, seien es 28,7 Prozent der zumindest teilweisen Befürworter zentraler Aussagen des Kults. Auch was den Impfstatus anbelangt, zeigt sich ein breiter Graben. Während in Deutschland nur 8,7 und in Österreich 11,4 Prozent der Teilnehmer an der Corona-Impfung QAnon-Thesen zustimmen, sind es unter den Ungeimpften 46 bzw. 41,1 Prozent.



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