Logo Epoch Times
Tragödie in Istanbul

Verdacht auf Pestizidanwendung: Vier Personen nach Tod deutscher Urlauberfamilie in Haft

Nach dem Tod einer vierköpfigen deutschen Familie in Istanbul richtet sich der Verdacht der Behörden nicht mehr auf eine Lebensmittelvergiftung. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein giftiges Schädlingsmittel im Hotel ausgetreten sein könnte. Mehrere Personen wurden festgenommen, weitere Gäste liegen im Krankenhaus.

top-article-image

Das Taksim-Krankenhaus in Istanbul.

Foto: Mirjam Schmitt/dpa

author-image
Artikel teilen

Lesedauer: 4 Min.


In Kürze:

  • Vier Personen festgenommen, sieben weitere im Polizeiverhör
  • Hinweise auf hochgiftiges Aluminiumphosphid statt Lebensmittelvergiftung
  • Hotel geschlossen – Ermittler vermuten Gasvergiftung über Lüftungsschacht
  • Weitere Touristen im Krankenhaus behandelt

 
In der Türkei befinden sich nach dem Tod einer gesamten deutschen Urlauberfamilie in Istanbul vier Personen in Haft. Sieben weitere werden derzeit noch befragt. Zwei weitere Touristen aus Italien und Marokko werden unterdessen noch mit Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus behandelt.
Nachdem die Polizeibehörden zu Beginn in die Richtung einer möglichen Lebensmittelvergiftung ermittelt hatten, deuten jüngere Erkenntnisse auf eine andere Ursache hin. Wie ntv berichtet, könnte ausgetretenes Aluminiumphosphid eine Rolle gespielt haben. Dieses Pestizid kommt unter anderem bei der Bekämpfung von Schädlingen zur Anwendung – wie Bettwanzen in Hotelbetrieben.

Erste Ermittlungen gingen von Lebensmittelvergiftung aus

Am 9. November war das aus Hamburg stammende Elternpaar Servet und Çiğdem Böcek mit seinen Kindern Kadir Muhammet (6) und Masal (3) in Istanbul eingetroffen. Dort wollte man gemeinsam einen Urlaub verbringen und Verwandte besuchen. Abgestiegen waren sie im mittlerweile behördlich geschlossenen „Harbour Suite Old City“ Hotel im Stadtteil Fatih.
Zwei Tage später wurde die gesamte Familie in das Ausbildungs- und Forschungskrankenhaus Taksim eingeliefert, der Vater auf die Intensivstation des Cemil Taskcioğlu Krankenhauses. Sie hatten zuvor über Übelkeit, Erbrechen und Schwindel geklagt. Anfänglich glaubte man aufseiten der behandelnden Ärzte und der unmittelbar daraufhin eingeschalteten Gesundheitsbehörden, dass die Böceks sich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen hätten.
Immerhin hatten sie den Tag mit Sightseeing verbracht und dabei Essen von Straßenhändlern und in einem Restaurant in Ortaköy konsumiert. Trotz umfassender Bemühungen der behandelnden Ärzte starben beide Kinder am 12. November und zwei Tage später ihre Mutter. Am Montag meldete der Chef der Istanbuler Gesundheitsdirektion, Abdullah Emre Güner, dass auch Vater Servet Böcek die Vergiftung nicht überlebt habe.

Tödliches Gift könnte die Familie im Schlaf überrascht haben

Wie „Turkiye Today“ berichtet, wurden zwei weitere Hotelgäste ins Krankenhaus gebracht, dazu noch ein Begleiter, der über Herzrhythmusstörungen klagte. Während Familie Böcek im ersten Stock des Hotels untergebracht war, befanden sich die Räumlichkeiten der übrigen Betroffenen im vierten Stock. Dies führte die Ermittler auf die Spur möglicher gemeinsamer Umwelt- und Kontaminationsfaktoren, die sich auf das Hotel bezogen.
Die Polizei fand heraus, dass in einem Zimmer im Erdgeschoss das giftige Pestizid Aluminiumphosphid bei der Bettwanzenbehandlung zum Einsatz gekommen war. Nun nehmen die Ermittler an, dass dieses Gas durch den Lüftungsschacht über das Badezimmer in das Zimmer der Familie gelangt sei. Die Vergiftungen sollten sich diesen im Schlaf zugezogen haben.
Unter den elf Personen, die im Zuge der Ermittlungen festgenommen wurden, befinden sich türkischen Medienberichten zufolge Mitarbeiter des Hotels, aber auch eines Schädlingsbekämpfungsunternehmens. Mindestens ein Mitarbeiter dieses Dienstes soll das Pestizid ohne die erforderliche Zertifizierung verwendet haben.

Vor zwei Jahren bereits tödliche Pestizidvergiftung in Ankara

Die Behörden ließen das Hotel in weiterer Folge evakuieren und abriegeln. Beamte sammelten Proben von Bettlaken, Kissen, Decken, Wasserflaschen und ähnlichen Utensilien zum Zwecke der forensischen Auswertung ein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan kündigte eine umfassende Untersuchung an. Der Großvater der verstorbenen Kinder, Mustafa Celik, den die Familie besuchen wollte, kündigte an, sich an einem möglichen Strafverfahren als Nebenkläger zu beteiligen.
Vor zwei Jahren verstarben zwei Menschen in einem Wohnhaus in Ankara, nachdem dort eine ähnliche Substanz zur Schädlingsbekämpfung versprüht worden war. Der Pestizid, der hauptsächlich in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt, wirkt sehr stark und kann bei übermäßigem Einatmen zum Tode führen. Deshalb darf es üblicherweise nur von geschultem Personal unter Quarantänebedingungen eingesetzt werden. Außerdem müssen Maßnahmen gegen Gasansammlung getroffen werden. Dies soll im Hotel in Istanbul unterblieben sein.
Reinhard Werner schreibt für Epoch Times zu Wirtschaft, gesellschaftlichen Dynamiken und geopolitischen Fragen. Schwerpunkte liegen dabei auf internationalen Beziehungen, Migration und den ökonomischen Folgen politischer Entscheidungen.

Aktuelle Artikel des Autors

Kommentare

Noch keine Kommentare – schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel.