Aachen: Verdreißigfachung von Krätzefällen – Besteht Zusammenhang mit Flüchtlingskrise?

Epoch Times2. December 2016 Aktualisiert: 2. Dezember 2016 20:49
Die Aachener Zeitung vermeldet Ende November einen kontinuierlichen Anstieg von Krätzefällen in der Region und stellt die Frage, ob es einen Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr gibt. Krätzemilben verbreiten sich da, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind.

Die Aachener Zeitung vermeldete Ende November einen kontinuierlichen Anstieg von Krätzefällen in der Region. Waren es 2013 noch 11 gemeldete Fälle, so sind im November 2016 in der Aachener Städteregion 316 Fälle gemeldet, was eine Verdreißigfachung bedeutet.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein konstatiert nahezu eine Verdreifachung bei den Verordnungen der verschreibungspflichtigen Creme „Infectoscab“ gegen die Hautkrankheit: Von 14.950 Verordnungen im ersten Halbjahr 2013 auf 41.191 im ersten Halbjahr 2016, schreibt die Aachener Zeitung.

Krätzemilben verbreiten sich, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind

Die Krätze ist eine durch sehr kleine Parasiten hervorgerufene Hautkrankheit, erklärt das Online Portal derma.plus. Bei den Parasiten handelt es sich um die sogenannten Krätzmilben. Die Krätzmilben bohren sich unter die Haut und legen dort ihre Kotballen und Eier ab, wodurch sich Entzündungen, Bläschen, Eiterpickel und weitere Symptome auf der Haut der Betroffenen zeigen.

Die Erkrankung kommt weltweit vor, wobei sich die höchsten Erkrankungsraten bei den australischen Ureinwohnern, den Aborigines finden. Hier sind 49% an Krätze erkrankt, während die Erkrankungsrate in Europa und dem Mittleren Osten weniger als 10% beträgt.

Die Krätze taucht laut derma.plus meist dort auf, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind: In Altenheimen, Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern. Die Krätze wird primär durch Hautkontakt übertragen, indem die Milben von einem Wirtskörper auf den anderen überwandern.

Besteht ein Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise?

Die Ursachen für das gehäufte Wiederauftreten der Hautkrankheit im Aachener Raum, sind nicht ohne weiteres auszumachen, schreibt die Aachener Zeitung und stellt die Frage in den Raum, ob es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg von Krätzefällen und der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr gibt. Es sei kein Geheimnis, dass Immigranten während ihrer Flucht und danach teilweise monatelang unter beengten Bedingungen gelebt haben. Bedingungen, unter denen sich Krätze gerne ausbreitet.

Dass Krätze in Flüchtlingslagern ein Thema ist, zeigte auch die Meldung von „Spiegel Online“ Ende Februar diesen Jahres. Das Lager in Grande-Synte im Norden Frankreich erlebte aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen dort einen massiven Krätzeausbruch. Im Juni 2015 vermeldete „Daily Mail“ die Schließung eines Flüchtlingslagers in Paris aufgrund eines massiven Krätzeausbruchs.

Offizielle Stellen sehen keinen Zusammenhang

Laut Angaben der Aachener Zeitung wollen sich die offiziellen Stellen wie Gesundheitsämter, der Verband Deutscher Dermatologen bis hin zum NRW-Gesundheitsministerium, nicht dazu äußern. Anders als bei den gehäuften Tuberkulose-Befunden, die Ärzte im vergangenen Jahr bei den Erstuntersuchungen von Flüchtlingen feststellten und die öffentlich gemacht wurden, möchte bei der Krätze offensichtlich niemand einen entsprechenden Zusammenhang herstellen.

Auch Detlef Funken, Sprecher der Städteregion, möchte diesbezüglich weder eine Aussage machen noch Ursachenforschung betreiben: „Es gibt keine Erklärung für diesen Anstieg“, heißt es da. Verena Bochat, Leiterin des dortigen Gesundheitsamts, sagt: „Die Flüchtlingskrise ist jedenfalls nicht Ursache dafür, das diese bundesweite Entwicklung schon seit Jahren zu beobachten ist.“ Für ein Gespräch über andere mögliche Ursachen oder auch die Einschätzung der Lage in der Städteregion stand Frau Bochat trotz mehrfacher Nachfragen nicht zur Verfügung, schreibt die Aachener Zeitung.

Therapie und Behandlung

In den meisten Fällen lässt sich laut derma.med die Skabies gut behandeln. Es stehen mehrere Therapieoptionen zur Verfügung, die darauf abzielen alle am Körper befindlichen Krätzmilben abzutöten. Unter den zur Verfügung stehenden Medikamenten besitzen einige Präparate starke Nebenwirkungen. Der Arzt muss daher sorgfältig überlegen, welche Therapiemethode angemessen ist. Dies gilt insbesondere für die Risikogruppen der Schwangeren, Kinder und Stillenden. Umgekehrt ist auch der Patient aufgefordert, den Anweisungen zur Anwendung der Medikamente sorgfältig zu folgen.

Das meist in Form einer 5%igen Creme aufgetragene synthetische Pyrethroid Permethrin (InfectoScab® Creme) ist der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff bei der Behandlung der Skabies. Die Creme wird großflächig auf die betroffenen Hautstellen appliziert und sollte dort acht bis 12 Stunden wirken, bevor sie unter fließendem Wasser abgewaschen wird. Da die Milben auch eine begrenzte Zeit in Textilien überleben können, sollte sowohl die Kleidung als auch die Bettwäsche nach der Behandlung gewechselt werden. Finden sich zwei Wochen nach Erstbehandlung noch immer Anzeichen von aktivem Milbenbefall am Körper, wird der Vorgang wiederholt.

(mh)

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