Berliner Arzt beklagt „Medizin ohne Moral“ – Ärzte werden zu „Erfüllungsgehilfen von Pharma-Unternehmen“

Von 16. September 2020 Aktualisiert: 18. September 2020 11:38
Der Berliner Arzt und Buchautor Dr. Erich Freisleben beklagt in seinem jüngst erschienen Buch eine „Medizin ohne Moral“. Bürokratische Leitlinien, Sachzwänge und falsche Weichenstellungen im Gesundheitssystem würden die Beziehung zwischen Ärzten und Patienten belasten.

Im Interview mit „Cicero“ hat der Berliner Arzt und Buchautor Dr. Erich Freisleben ein bürokratisiertes Gesundheitssystem beklagt, das die menschliche Komponente ebenso wie den Patienten hinter sich lasse, um Vorgaben zu erfüllen. Die Corona-Krise habe, so der Autor des Buches „Medizin ohne Moral. Diagnose und Therapie einer Krise“, die Schwachstellen im Gesundheitssystem noch einmal schonungslos offengelegt.

Freisleben beklagt eine einseitige Verschiebung von Gewichtungen im Gesundheitssystem, die im Laufe der vergangenen 25 Jahre Platz gegriffen habe. Diese habe auf Technik, Evidenz und Leistungsverdichtung gesetzt, was zwar dazu beigetragen haben möge, dass Deutschland technologisch den Anschluss an die Weltspitze halten konnte. Allerdings hätten diese Reformen auch zu Anonymisierung, Gleichmacherei und einer Entwertung der persönlichen Ebene im Verhältnis zwischen Arzt und Patienten geführt.

„Der Arbeitsdruck hat enorm zugenommen“, schildert der Internist, der im Berliner Wedding praktiziert. „Früher konnten Hausärzte viel mehr Zeit für ihre Patienten aufbringen. Doch um eine Praxis wirtschaftlich zu halten, muss man heutzutage die zwei- bis dreifache Menge an Patienten in gleicher Zeit behandeln.“

Was zur persönlichen Zuwendung des Patienten gehöre, etwa das Patientengespräch oder Hausbesuche, würde finanziell kaum noch nennenswerte Erträge mit sich bringen. Hausärzte müssten zusätzliche Nischen finden, um ihren regulären Betrieb wirtschaftlich gesund erhalten zu können. Die meisten Mediziner wollten ihren Patienten die bestmögliche Betreuung bieten, aber die Sachzwänge setzten ihnen dabei immer engere Grenzen: „Der Spielraum wird immer kleiner, als moralisch gefestigter Arzt seine eigenen Entscheidungen zum Wohle des Patienten treffen zu können.“

Arzt wird zum „Erfüllungsgehilfen von Pharma-Unternehmen“

Freisleben sieht gewichtige finanzielle Interessen hinter der Ausrichtung auf die Hightechmedizin. Der Gedanke der evidenzbasierten Medizin sei durch eine rein akademische Betrachtungsweise ohne Rücksicht auf die tägliche berufliche Praxis korrumpiert. Eine Hinterfragung finde nicht mehr statt: „Die Zauberformel der scheinbar richtigen Medizin lautet Evidenz. Die evidenzbasierte Medizin hatte vor 20 Jahren den Sinn, das Wissen aus der Erfahrung, aus der Theorie und den Wünschen des Patienten in Einklang zu bringen. Dieser Gedanke ist völlig verloren gegangen.“

Der Arzt werde zunehmend zum Erfüllungsgehilfen eines Interessens-Konglomerats aus Pharma- und Technologieunternehmen und der Politik. Die selbstbestimmte Entscheidung des Arztes und seines Patienten, die jeweils individuell angemessene Form der Behandlung zu definieren, werde durch Leitlinien erstickt. Dazu kämen die Sachzwänge, unzureichende Entlohnung durch Behandlungsmethoden zu korrigieren, die den höchsten Zusatzverdienst garantierten.

Freisleben: „Erfahrungswerte aus Jahrhunderten in Naturheilbehandlungen“

„Mein Verständnis vom Arztbild ist, dass wir losgelöst von der eigenen Weltanschauung oder den eigenen Präferenzen uns dazu verpflichten, dem Menschen zu helfen“, schildert Freisleben. Als Arzt sollte man angemessen entlohnt werden, um die eigene Tätigkeit adäquat ausüben zu können. „Der Patient hat die Möglichkeit der freien Arztwahl. Und wenn er sich für mich entscheidet, muss er sich darauf verlassen können, dass ich mich moralisch integer verhalte und nicht im Hinterkopf habe, eine Behandlungsmethode zu empfehlen, woran ich extra viel verdiene. Zu dieser patientennahen Arbeit gehört auch eine positive Empathie für die Menschen selbst.“

Freisleben kritisiert auch, dass außerhalb der Schulmedizin angesiedelte Behandlungsmethoden völlig an den Rand gedrängt würden. In den Naturheilbehandlungen, die auf weniger starke Präparate mit weniger Nebenwirkungen setzten, steckten teilweise über Jahrhunderte gewachsene Erfahrungswerte. Ärzte und Patienten müssten die Freiheit haben, auch solche in den Behandlungsplan einzubauen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stünde selbst für einen Teil des Problems. Statt Anreize für den Hausarztberuf zu schaffen, setze er lediglich auf Digitalisierung: „Patienten bekommen keine Termine mehr, es tritt ein Terminversorgungsgesetz in Kraft. Das ist Symbolpolitik. Damit weiten sie nicht die Sprechstunden aus. […] Sollen wir in Zukunft von ärztlichen Callcentern statt in der Sprechstunde behandelt werden?“

Patienten hatten sich nicht getraut, den Arzt aufzusuchen

Was die Corona-Krise anbelangt, zeigte der Mediziner sich erleichtert darüber, dass sich der Betrieb in den Hausarztpraxen wieder weitgehend normalisiert habe. In der Zeit des Lockdowns hätten sich vor allem ältere Patienten nicht mehr getraut, zum Arzt zu gehen.

Allerdings hätte das Kaputtsparen der Basisstrukturen des Gesundheitswesens die Lage in der Zeit der akuten Krise noch zusätzlich verschärft: „Als ich beispielsweise einen Corona-Fall dem Gesundheitsamt gemeldet hatte, brauchte der Sachbearbeiter ganze vier Tage, bis er mir Antwort gab. Nicht etwa, weil er faul war, sondern weil sie dort gearbeitet haben bis weit über die Belastungsgrenzen hinaus. Das liegt daran, dass die Gesundheitsämter seit Jahren kaputt gespart werden, genauso wie in der Pflege oder bei dem Personal in den Krankenhäusern.“

Ein harter Lockdown hätte vermieden werden können, wenn die Strukturen, die in den vergangenen Jahren wegfielen, noch vorhanden gewesen wären. Nun sei es an der Zeit, aus der Krise zu lernen und wieder zurück zur Balance zu finden. Die hohen Erwartungen bezüglich Technologie und Impfung verhießen allerdings nichts Gutes. Gefährlich sei auch die Polarisierung in der Debatte um den Umgang mit Corona: „Genauso wenig wie die einen vorschnell eine Entdemokratisierung beklagen sollten, dürfen die anderen die Bedenkentragenden nicht in eine Schublade von Verschwörungstheoretikern und Esoterikern stecken. Denn so können dringend notwendige Debatten nicht mehr geführt werden.“

Weiterhin Notwendigkeit für Maske und Abstand

Masken zu tragen sei ebenso sinnvoll wie das Abstandhalten in der Öffentlichkeit und das Händewaschen. Auch auf Massenveranstaltungen sei es sinnvoll, bis auf Weiteres zu verzichten. Allerdings sei es auch unangebracht, Panik zu schüren.

Viren veränderten sich, unterschwellige Aufnahmen würden das Immunsystem stärken und so die Verläufe im Fall einer Infektion abmildern können. Spätfolgen würden seltener auftreten als dies in der öffentlichen Debatte signalisiert werde. Allerdings sollten Personen mit Vorerkrankungen weiterhin erhöhte Vorsicht walten lassen.

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