Eine Pflegerin geht mit einer Seniorin spazieren.Foto: iStock

Corona stürzt Betreute in seelische Krise: „Manchmal denke ich, es ist Krieg“

Von 24. Juli 2020 Aktualisiert: 24. Juli 2020 13:50
Keine Berührung, kein Kontakt, nicht einmal ein Lächeln ist hinter der Gesichtsmaske zu sehen. Für viele Betreute hat die Corona-Krise tiefe Spuren hinterlassen. Mit "social distancing" ist ihr Leben nur noch halb so lebenswert.

Die Angst geht um – die Angst vor Corona oder ist es die Angst vor dem Tod? Dass in Deutschland das Thema Tod tabuisiert wird, könnte gerade jetzt im Rahmen der Corona-Krise eine bedeutende Rolle spielen.

„Dem Tod begegnen wir nicht oft. Er wird verdrängt – selbst in Zeiten von Covid-19“, kritisiert der deutsch-indische Philosoph Krisha-Kops.  Allerdings würden beispielsweise im Fernsehen zahlreiche Leichen TV-Bildschirme in Krimis „zupflastern“. Und auch Kriminalromane würden millionenfach jährlich verkauft. „Wenn der Tod im Alltag keine Rolle spielt, sucht er Zuflucht in der Fiktion.“ Denn in Krimis verliere das Sterben die Dramatik, weil Leichen der Unterhaltung dienen.

In der Corona-Krise verschärft sich die Angst vor einer Begegnung mit dem Tod. Es wird auf einen Impfstoff als einzige Rettung gewartet. Diskussionen über das Immunsystem, dass in den meisten Fällen Infektionen abwehren kann, findet man selten. Es gilt nicht mehr, gesund zu leben, Sport zu treiben und sich viel an der frischen Luft zu bewegen. Distanz ist angesagt – mindestens eineinhalb Meter Abstand.

Viele ältere und behinderte Menschen wurden und werden mit einem scheinbar gut gemeinten Ansatz des Schutzes, weil sie in die Risikogruppe eingestuft wurden, abgeschottet in Alten- und Pflegeheimen oder Betreuungseinrichtungen. Manchen wurde sogar das Singen verboten, weil Aerosole SARS-CoV-2 verbreiten könnten. Kein Basteln, kein Theater, kein Tanztee, nicht einmal ein Kaffeekränzchen. Die soziale Distanz, die alles andere als sozialverträglich ist, macht ihren Alltag in der Corona-Krise zunichte.

Im „Deutschlandfunk“ klagte eine 82-Jährige ihr Leid. Eigentlich sei sie gar nicht pflegebedürftig. „Irgendwie habe ich mal einen Schock gekriegt – und ich weiß aber nicht, woher es kommt. Ich kann nicht mehr laufen. Ich brauche Hilfe zum Laufen. Und so ist das gekommen, dass ich dann im Rollstuhl gelandet bin“, schilderte sie. Nun ist sie im Alten- und Pflegeheim in der Nähe von Heidelberg, im Anna-Scherer-Haus, gelandet.

Angst vor dem Virus habe sie nicht. Wen es erwischt, den erwische es halt. Viel schlimmer seien die Vorschriften und die Vorsichtsmaßnahmen, die machen ihr Angst. Das erinnere sie an früher. „Manchmal denke ich, es ist Krieg. Manchmal denke ich, es hat mich wieder eingeholt. Damals durfte man ja auch gar nichts.“

Sehnsucht nach Nähe

Während der Corona-Krise telefonierte sie viel mit ihren Kindern. Über Besuche freute sie sich natürlich. Aber wenn ihre Kinder kamen, dann immer einzeln, mit Maske und zwei Metern Abstand. Dabei fehle der alten Dame die Umarmungen ihrer Kinder, das Drücken der Enkel. Doch davor wird strengstens gewarnt. Und all die Regeln und Verbote – die hätten auch manche Heimbewohner verändert.

Auch die Betreuer sind verunsichert; auch ihnen macht die Corona-Distanz zu schaffen. Eine von ihnen ist Claudia Schönfelder. Gegenüber „Deutschlandfunk“ sagte sie: „Man fragt sich heute: Darf ich den jetzt in den Arm nehmen, weil viele sind, wo man die mal tröstet oder die mal in den Arm nimmt, wenn sie weinen. Ich frag mich: Darf ich das jetzt, oder? Ich mach‘s nicht, im Moment – aus Rücksicht.“

Die Rücksicht aus Angst vor dem Virus, vor Ansteckung, vor dem Tod hat so manche Bewohner in ein tiefes Loch gestürzt. Bei einer Frau kam beispielsweise jeden Abend der Mann, um sie zu besuchen. In der Corona-Krise durfte er plötzlich nicht mehr kommen. Die Frau ist dement. „Und die weint natürlich nur“, schildert Schönfelder. Und auch der Mann weinte, weil er nicht zu seiner Frau durfte. Wie soll seine Frau das verstehen? Sie war immer für ihn da, als er krank war. Jetzt kommt er nicht mehr.

„Sie denkt einfach nur: ‚Ah, der kommt nicht mehr. Jetzt hat er mich auch abgeschoben‘“, vollzieht die Betreuerin die Gedanken der Bewohnerin, die nur weint und grübelt, warum der Mann nicht mehr kommt. Für dieses Ehepaar ist die Corona-Zeit eine Tragödie – ein Schicksal unter vielen.

Corona-Ausschuss untersucht Folgen der Corona-Krise

Auch Juristen beschäftigen sich inzwischen mit den Folgen der Corona-Krise und der verhängten Maßnahmen. Sie haben die Stiftung Corona-Ausschuss ins Leben gerufen. Der Ausschuss wird geleitet von den Rechtsanwältinnen Antonia Fischer und Viviane Fischer sowie den Rechtsanwälten Dr. Reiner Füllmich und Dr. Justus Hoffmann. Sie werden begleitet von Experten aus Wissenschaft und Praxis und führen regelmäßige Pressekonferenzen durch. In ihrer Sitzung am 15. Juli widmeten sie sich der Lage der Menschen in den Pflegeheimen.


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Unsere Buchempfehlung

Krankheiten wie COVID-19, Katastrophen und seltsame Naturereignisse machen den Menschen aufmerksam: etwas läuft schief. Es läuft tatsächlich etwas sehr schief. Die Gesellschaft folgt - verblendet vom "Gespenst des Kommunismus" - einem gefährlichen Weg.

Es ist der Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen, zwischen dem Göttlichen und dem Teuflischen, die in jedem Menschen wohnen.

Dieses Buch schafft Klarheit über die verworrenen Geheimnisse der Gezeiten der Geschichte – die Masken und Formen, die das Böse anwendet, um unsere Welt zu manipulieren. Und: Es zeigt einen Ausweg. „Chinas Griff nach der Weltherrschaft“ wird im Kapitel 18 des Buches „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ analysiert. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion