Die Vuvuzelas sind wie ungeschliffene Drillbohrer

Titelbild
Foto: Laurence Griffiths/Getty Images
Von 29. Juni 2010

Sie nerven, sie klingen nicht, sondern sie bohren sich wie ein ungeschliffener Drillbohrer ins Nervenkostüm der Fußballzuschauer. Gemein(t) sind die Vuvuzelas in der billigen Plastikversion aus China.

Was aus ihnen ertönt, ist kein reichhaltiger Ton, sondern ein geradliniges Getröte. Das muss unser Gehör ertragen, das sensibelste Sinnesorgan, das wir haben. Die Ohrstöpselindustrie bietet schon Modelle an, mit denen die Frequenzen der Vuvuzeleas speziell gedämpft werden können. Soll das unsere Zukunft sein beim Fußball?

Die Bundesligisten von Dortmund, Mönchengladbach, Freiburg, Nürnberg, Schalke, Köln, Bremen und Frankfurt reagieren bereits mit Verboten für Vuvuzelas. Auch einige Städte beim Public Viewing.

Krach macht uns fertig

Endlich – kann man nur sagen, die Vuvuzelas bringen es an den Tag, beziehungsweise ans Gehör: Krach macht uns fertig. Wir möchten aus der Haut fahren, der Pulsschlag steigt, der Wutpegel auch. Wer möchte eigentlich in dieser Situation Schiedsrichter sein, superwach und auch noch gerecht, wenn der Drillbohrer nervt?

Es stimmt, dass das Gehör nicht zugeklappt werden kann, wie etwa das Auge, aber die Sache ist sogar noch differenzierter. Wir können sehr wohl unsere Hör-Aufmerksamkeit bewusst abschalten, dann geht viel an uns vorbei, wir hören nicht hin. Dabei erschlaffen die kleinen Muskeln, die das Trommelfell spannen, die Töne treffen auf ein schlaffes Trommelfell und werden gedämpft. Wenn wir das sehr oft machen, einfach nicht hinhören, verlieren wir aber auch irgendwann die Fähigkeit, genau hinzuhören.

Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer befinden sich bei den Spielen in Südafrika in einer anderen Situation. Sie müssen und wollen alles sehen und hören. Auch das Trommelfell im Ohr ist dabei gespannt, um alles aufzunehmen. Da hinein knallen dann die undifferenzierten Dauertöne. Und nicht nur auf das Trommelfell, sondern im Innenohr auch auf die minikleinen feinen Sinneshärchen der etwa 16.000 Sinneszellen, die diese Impulse über den Hörnerv ins Gehirn weitergeben.

Wer weiß, wie viele Merkwürdigkeiten bei den WM-Spielen der totalen Lärm-Eintönigkeit zuzuschreiben sind und wie viele Hör-Geschädigte nach dem Ende der WM die HNO-Arztpraxen füllen werden, nicht immer mit Aussicht auf wirkliche Rekonvaleszenz?

Bürger schützt rechtzeitig eure Ohren!

Renate Lilge-Stodieck ist Leiterin von www.voicecoaching.de und Dozentin am Institut Auris Integralis für Systemische Hörtherapie. http://www.auris-integralis.de/de/home/

Foto: Laurence Griffiths/Getty Images

 



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