Ethik-Report: 68 Prozent der Ärzte fühlen sich durch bezahlte Pharmavorträge beeinflusst

Von 19. Juni 2020 Aktualisiert: 19. Juni 2020 13:42
„Ohne Pharmaunternehmen könnten keine Fortbildungen/Kongresse für Ärzte bezahlt werden. Ohne Fortbildungen für Ärzte hätte man schlechter ausgebildete Ärzte“, beschreibt eine Dermatologin in einer Umfrage das Dilemma, dass bezahlte Pharmavertreter Vorträge vor der Ärzteschaft halten. 

1008 in Deutschland lebende Ärzte wurden im Zeitraum von Januar bis März 2020 über die bestehenden ethnischen Herausforderungen befragt. Im vorgeschilderten Fall gaben 68 Prozent der Ärzte zu, dass das Ambiente einer solchen Vortragsveranstaltung eines Pharma-Vertreters Auswirkungen auf ihr Verhalten haben würde. 22 Prozent der Ärzteschaft zeigten sich als „unbestechlich“.

Über Fehler reden Menschen nicht so gern – und Ärzte schon gleich gar nicht, würde man erwarten, so heißt es in der Umfrage weiter. 68 Prozent gaben an, dass sie noch nie einen Fehler, der ihnen in der klinischen Praxis unterlaufen ist, vertuscht hätten. Jeder Dritte hingegen gesteht ein Vertuschungsmanöver ein. Jeder Zehnte konnte nicht den Mut aufbringen, sich im Falle eines Fehlers beim Patienten zu entschuldigen.

Eine Pädiaterin aus Berlin teilte bezüglich der Umfrage mit, dass ihr bislang glücklicherweise „kein fataler Fehler“ unterlaufen sei. Einige Fehler hätten hingegen zu Verzögerungen oder Wiederholungen von Untersuchungen geführt. „Dies habe ich nicht nur den Eltern, Patienten, sondern auch all meinen Vorgesetzten erzählt“, erklärte die Ärztin. Grund für die Fehler seien Übermüdung gewesen.

Ärzte in der Corona-Krise

Vor allem in der Corona-Krise standen die Ärzte an vorderster Front. Sie waren von mangelnder Schutzausrüstung und bestehendem Ansteckungsrisiken betroffen. Jeder zweite Arzt zeigte sich in der Krise besonders motiviert, weil er gebraucht wurde.

Den Schutz der Gesundheit als oberste Priorität, für die man wirtschaftliche Folgen eines Shutdowns in Kauf nehmen müsse, befürworteten über die Hälfte. 30 Prozent gingen davon aus, dass nur Risikogruppen, wie in Seniorenheimen, langfristig von Ausgangsbeschränkungen betroffen sein sollten. Zehn Prozent der Ärzte zählten sich selbst zur sogenannten Risikogruppe und hatten Angst, sich auf der Arbeit anzustecken. Sie blieben zu Hause. 43 Prozent gaben an, nicht zur Risikogruppe zu gehören und auch keine Angst vor einer SARS-CoV-2-Infektion zu haben.

Viele Ärzte zeigten sich davon betroffen mitanzusehen, wie Patienten allein im Krankenhaus sterben mussten, weil Angehörigen keinen Zutritt erhielten. Dass COVID-19-Patienten ohne Beistand ihrer Angehörigen oder eines Geistlichen im Krankenhaus sterben, müsse man in Kauf nehmen. Das sagten zehn Prozent. 23 Prozent fanden, dies solle nicht passieren. Als Arzt müsse man versuchen, einen Weg zu finden, damit sich die Angehörigen verabschieden können, meinten zwei Drittel der Ärzte.

Impfstoff gegen SARS-CoV-2

Für einen Ausweg aus der Krise gilt nach Angaben der Politiker ein Impfstoff als entscheidend. Die Frage, ob Impfstoffe und Medikamente gegen das SARS-CoV-2 mit „geringeren Sicherheitsstandards“ schneller am Patienten zum Einsatz kommen, beantworteten 77 Prozent der Befragten mit „Ja“. Ein Münchner Allgemeinmediziner sagte: „Ich würde versuchen, die Familie von den Vorteilen der Impfung zu überzeugen, aber ich würde auch ihre Meinung respektieren, wenn ich sie nicht überzeugen kann.“

Gegen die am 1. März 2020 eingeführte Masern-Impfpflicht sprachen sich 22 Prozent der befragten Hausärzte aus. Ein impfkritischer Arzt sagte: „Es gibt keinen Vorteil durch die Verpflichtung, Sanktionen sind sinnlos. Impfen sollte einfach in den Kindergärten und Schulen durchgeführt werden.“ Wer das nicht wolle, solle das aktiv der Schule mitteilen. So könnte man die festgelegte Impfquote und einen sicheren Bevölkerungsschutz erreichen.

„Wenn es um die eigene Haut geht, sind die Ärzte in der Diskussion um Pflichtimpfungen (scheinbar) durchaus ambivalenter“, heißt es in der Auswertung der Umfrage. Der Großteil der Befragten (47 Prozent) sind dagegen, dass sich Ärzte zu einer jährlichen Grippe-Impfung verpflichten lassen.

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