Das große Herz des Michael Griesmeier

Von 19. November 2011 Aktualisiert: 19. November 2011 22:11
Michael Griesmeier nennt sich selbst Veganer und Grenzgänger. Er glaubt an die spirituelle Einheit zwischen Mensch und Natur. In seinen Marathonläufen schwitzt er nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen.

 

Kraft und Ausdauer hat er, der Michael Griesmeier. Und nicht nur das. Selten habe ich mit einem solch erwachten Menschen gesprochen, der erfüllt war von dem Bewusstsein, seinen Willen und seine Stärke für das Gute in der Welt einzusetzen.

Der Berliner Michael Griesmeier ist Extremsportler und Veganer. Wie, werden jetzt manche fragen, wie kann das denn gehen? Extremsportler ohne Eiweißnahrung, ist so etwas überhaupt möglich? Michael sagt ja. Es ist nicht nur möglich, sondern seiner Meinung nach schöpft er eine Menge Kraft und Energie aus dieser fleischlosen Ernährung. Seine Message: Schaut her, was ein Veganer alles zu leisten vermag!

Im September stellte er einen neuen Weltrekord auf – einen sechsstündigen Treppenmarathon mit einem 30 Kilogramm schweren Rucksack auf dem Rücken. In diesen sechs Stunden lief er immer wieder die Treppen des Buddhistischen Hauses in Berlin-Frohnau rauf und runter – über 20.000 Stufen. In mehreren deutschen Zeitungen wurde über dieses Ereignis berichtet. Aber was bewog ihn zu diesem Projekt gemeinsam mit der Albert-Schweitzer-Stiftung?

„Die Stiftung setzt sich stark gegen Massentierhaltung und für den Tierschutz im Allgemeinen ein. Wir wollten beide mit dieser Aktion auf das oft sinnlose Massenschlachten und die Quälerei der Nutztiere aufmerksam machen. Ich selbst habe aus diesen Gründen meinen Fleischkonsum vor über einem Jahr beendet und ich muss sagen, ich habe mich körperlich nie fitter gefühlt als heute.“

Vom Bodybuilder zum Marathonläufer

Dabei begann die Karriere des Berliner Extremsportlers einst in jungen Jahren als Bodybuilder: „Ich war als Kind ein extrem schlanker Typ, fast dürr kann man sagen. Mit 14 Jahren begann ich mit dem Bodybuilding, mit 21 nahm ich erstmals an deutschen Meisterschaften teil. Mir hat die Zeit gut gefallen, das neue Körpergefühl und die dazugehörige eiweißreiche Diät. Trotzdem fehlte mir mit der Zeit etwas. Ich fand das Bodybuilding zu sehr aufs Äußerliche bezogen, man schaut nur noch in den Spiegel und dabei nur noch auf sich selbst. Als Bodybuilder fühlt man sich immer an irgendeiner Stelle zu dünn und das kann richtig zur Manie führen.“

2006 kam es dann zum Wendepunkt im Leben des Familienmenschen Griesmeier. Nach der Trennung von Frau und Kindern suchte er neue Herausforderungen. Er machte sein Krafttraining weiter, aber er fand immer mehr Spaß daran, nach dem Krafttraining noch aufs Laufband zu gehen. „Das Laufen lag mir gut und es dauerte nicht lange, da habe ich mir ein paar ordentliche Laufschuhe gekauft und kurz darauf den ersten Marathon absolviert. Das war 2008. Körperlich ging das ziemlich stark an die Substanz, ich war völlig kaputt. Doch trotz einiger Schmerzen fühlte ich mich am nächsten Tag irgendwie gut und so machte ich immer weiter.“

Der Film „Home“ gab dem Polizisten 2010 Anlass zu einem weiteren und wahrscheinlich den für ihn tiefgreifendsten Wendepunkt in seinem Leben. Er verließ seinen bisherigen Weg, um „endlich wirklich bewusst und verantwortungsvoll zu leben.“ Er verkaufte sein Auto und beschäftigte sich mit der Philosophie des Buddhismus. „ Ich würde mich nicht als Buddhist bezeichnen, aber es gibt in dieser Weltanschauung einen Aspekt, der für mich sehr sinnvoll und wichtig wurde. Die Achtsamkeit. Die Achtsamkeit gegenüber allem, was uns so im täglichen Leben widerfährt, aber auch die Achtsamkeit gegenüber allen lebenden Wesen.“

Ich bin sowas von normal, dass es schon fast weh tut

Griesmeier ist felsenfest davon überzeugt, mit einem festen Willen alles zu schaffen und nach diesem Motto lebt er auch. „Wenn mir vor 2008 jemand gesagt hätte, ich würde mal 150 Kilometer am Stück laufen oder mir einen 30 Kilo schweren Rucksack auf den Rücken schnallen, dann hätte ich geantwortet: Warum sollte ich so was tun, das sind Verrückte, die so etwas machen. Ich weiß nicht, warum die das können, wahrscheinlich sind sie schon mit dieser Fähigkeit geboren. Die laufen wahrscheinlich schon seit ihrer Kindheit, das war immer meine Überlegung dazu. Das sind für mich immer Außerirdische gewesen und jetzt bin ich selbst einer von diesen vermeintlichen Außerirdischen und sage – ich bin nicht außerirdisch, ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich bin so was von normal, dass es schon fast weh tut. Es gibt so viele Sachen, für die wir unseren Willen einsetzen können, aber aus Bequemlichkeit und weil wir nicht an uns glauben, tun wir das oft einfach nicht. Das ist eigentlich schade. Wir sind ja alle einzigartig und sich anzupassen ist ja gut und schön, aber irgendwann geht die eigene Persönlichkeit verloren und dann landet man vielleicht beim Psychiater und sagt: Ich habe irgendwo mein Leben verloren, wie geht es denn jetzt weiter? Ich  möchte mal wieder ich selbst sein! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leben eigentlich einen viel tieferen Sinn hat als das, was man so im Fernsehen sieht oder was uns von den Älteren auch in gewissen Traditionen weitergegeben wurde. Hierbei denke ich zum Beispiel auch an die Weihnachtsgans …“

Michael Griesmeier absolvierte in kurzer Zeit mehrere Marathonläufe und Ultramarathonläufe, unter anderem auch einen Spendenmarathon für herz- und krebskranke Kinder von Berlin nach Senftenberg. Er redet nicht nur, nein, er geht einfach los. Er läuft gegen das Leiden in der Welt und wenn die Strapazen am größten werden, dann denkt er nicht an sich oder ans Aufhören oder an seine Schmerzen. Er denkt daran, dass andere noch viel mehr leiden als er selbst und das gibt ihm eine enorme Kraft durchzuhalten.

 

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