Gewinner strafen nicht, der Klügere vergibt

Von 14. September 2011 Aktualisiert: 14. September 2011 0:18
Wissenschaftler entdecken, warum es eine gute Idee ist, anderen zu vergeben. Menschen, die Rache üben, tun nicht etwa etwas Gutes für sich selbst, sondern schaden sich selbst genauso wie den eigenen Gruppenmitgliedern.

Forschungsergebnisse zeigen eindeutig: Bestrafungen bringen nichts. Sie gehen stattdessen zu Lasten der Teamatmosphäre, des Gruppenergebnisses und sogar zu Lasten des eigenen Leistungsvermögens. So folgerten Forschungsprojekte der Universität Harvard, dass Vergebung eine gute Sache ist und Rache sowohl der betreffenden Person wie der Gruppe in sozialer Hinsicht schadet. Der Weise vergibt eben.

Forschungsergebnisse zeigen eindeutig: Bestrafungen bringen nichts. Sie gehen stattdessen zu Lasten der Teamatmosphäre, des Gruppenergebnisses und sogar zu Lasten des eigenen Leistungsvermögens. So folgerten Forschungsprojekte der Universität Harvard, dass Vergebung eine gute Sache ist und Rache sowohl der betreffenden Person wie der Gruppe in sozialer Hinsicht schadet. Der Weise vergibt eben.

Laut einer Studie, die von Forschern der Harvard University und der Stockholmer Wirtschaftsschule unter der Leitung des Mathematikers und Neurobiologen der Harvard University in Cambridge/USA, Martin Nowak, durchgeführt und in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde, profitieren Menschen, die viel Energie in die Benachteiligung oder Bestrafung anderer investieren, nicht von ihren Bemühungen.

Um die individuelle Zusammenarbeit zu untersuchen, führten die Forscher eine abgeänderte Version des bekannten Gefangenendilemmas durch. Dieses Konzept ist das klassische Paradigma für Zusammenarbeit und erlaubt es, die grundlegenden Spannungen zwischen den Interessen der Einzelnen und der Gruppe darzustellen. Die Studie ergab, dass die Bereitschaft zum Einsatz von Strafmaßnahmen stark mit einer verminderten individuellen Ausdrucksfähigkeit korreliert und keinerlei Bereicherung für die Gruppe als Ganzes bringt.

Schlicht gesagt: Gewinner bestrafen nicht

David Rand, einer der Co-Autoren, erklärte, dass, wenn man Rache an einer anderen Person übt, eine Kettenreaktion negativer Ereignisse in Bewegung gesetzt wird. In der Folge müssen alle Gruppenmitglieder leiden. „Schlicht gesagt, Gewinner bestrafen nicht“, sagte Rand vom Harvard-Programm für Entwicklungsdynamik und der Abteilung für Systembiologie. „Bestrafung kann zu einer Abwärtsspirale von Vergeltungshandlungen führen. Dadurch kann es zu verheerenden Folgen für alle Beteiligten kommen. Gruppenmitglieder mit einer guten Ausdrucksfähigkeit verwenden diese Art von Bestrafung nicht.“

„Kostspielige Strafe“ nennen Nowak und seine Kollegen diese Art von strafendem Verhalten in ihren Untersuchungen und beziehen sich auf Situationen, in denen der Bestrafende bereit ist, einen Teil seiner Ressourcen zu opfern, um andere zu benachteiligen.

Andere Forscher schlugen vor, diese „kostspielige Strafe“ in einem anderen Zusammenhang zu untersuchen, in welchem sich die Einzelnen bei der Zusammenarbeit keine Sorgen um das Ansehen oder die Vergeltung anderer machen müssen. Dieses Szenario fanden Nowak und seine Kollegen unrealistisch. Sie schrieben: „Bei den meisten unserer Interaktionen steht in Wirklichkeit unser Ruf ständig auf dem Spiel.“

„Es gibt viele frühere Arbeiten über den Einsatz von bestrafenden Maßnahmen im Hinblick auf die Zusammenarbeit, doch war der Fokus bisher nicht auf Situationen gerichtet, in denen Einzelpersonen die Strafe im Rahmen der laufenden Aktivitäten nutzen konnten“, sagte Co-Autorin Anna Dreber der Stockholmer Schule für Wirtschaft. „Wir machen die Einstellung realistischer. In unserer Studie werden Themen bearbeitet, die die Einführung kostspieliger bestrafender Maßnahmen als eine der möglichen Optionen für die Teilnehmer offen lässt.“

Das Ergebnis: Es gibt eine starke negative Korrelation zwischen dem individuellen Ausdrucksvermögen und der Verwendung kostspieliger bestrafender Maßnahmen. Die fünf Teilnehmer mit den besten Ergebnissen im Rahmen des Zusammenarbeitsprojektes benutzten keinerlei bestrafende Maßnahmen, während die Teilnehmer mit den schlechtesten Leistungen diese Maßnahmen häufig benutzten. Die Gewinner benutzten eine friedlichere Strategie, während die Verlierer teure Bestrafungen verwendeten. Darüber hinaus verringerte die Verwendung dieser Bestrafungen die Gesamtleistung der Gruppe.

In der Studie zeigte sich ebenfalls, dass die in der Gruppendynamik erfolgreicheren Mitglieder deutlich seltener Mittel wie Bestrafung oder Rache an anderen Teammitgliedern anwendeten. Diese Entdeckung zeigt uns, dass erfolgreiche Menschen bei Konflikten ihr Temperament unter Kontrolle haben. Im Gegenteil: Menschen, die Rache üben, tun nicht etwa etwas Gutes für sich selbst, sondern schaden sich selbst genauso wie den anderen Gruppenmitgliedern.

„Unser Befund hat eine sehr positive Nachricht: In einem Umfeld, in dem konkurrierende Einstellungen überwiegen, werden diejenigen gewinnen, die der Versuchung widerstehen können, Konflikte eskalieren zu lassen – während diejenigen die Verlierer sein werden, die zu bestrafenden Handlungen gegriffen haben“, schließt Nowak.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

In den Auswirkungen unterscheiden sich östliche und westliche Welt nicht, doch in der traditionellen chinesischen Kultur gilt die Fähigkeit zu vergeben als eine wertvolle Tugend. Der Kaiser Wu der Liang-Dynastie war für seine Ehrlichkeit ebenso bekannt wie der US-amerikanische Präsident Abraham Lincoln in der westlichen Welt für seine Weisheit berühmt war. Beide waren ehrlich und stellten ihre eigenen Gefühle wie Dankbarkeit oder Groll in den Hintergrund. Aus diesem Grund befanden sich viele ausgezeichnete Männer in ihrem Umfeld – auch konnten sie deren gute Ratschläge leicht annehmen.

Aus einem anderen Blickwinkel heraus gesehen bekommt jeder Mensch in diesem Leben eine schicksalsmäßige Chance, um zu zeigen, wie er sein Leben führen wird. Wenn man andere schlecht behandelt, wird das eigene Verhalten zu negativen Auswirkungen in Bezug auf einen selbst wie auf die Gesellschaft führen. Insbesondere, wenn die Mehrheit der Gesellschaft so handeln würde, hätte dies verheerende Folgen für die ganze Gesellschaft. Wenn man stattdessen einen Konflikt leicht nehmen und sogar noch darüber lächeln kann, dann wird das gemäß dem Ergebnis der Studie deutliche Vorteile für einen selbst und die Gruppe bringen. Vermutlich wird es darüber hinaus noch viele andere Menschen geben, die diese Person für ihren breiten Horizont, ihre Geduld und ihren klaren Geist bewundern werden.

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