Auch bei Erwachsenen beliebt. Bei einem Wii Fit plus Spiel bringt diese Frau eine Spielfigur zum Fliegen.Foto: David McNew/Getty Images

Nintendo Wii: Das sieht nach Sport aus, ist aber keiner drin

Epoch Times29. Februar 2012 Aktualisiert: 29. Februar 2012 23:34

 

Es war zu schön um wahr zu sein: Mit der Ankunft der Nintendo Wii glaubten viele Eltern, ihren Kindern lediglich die richtigen Computerspiele vorsetzen zu müssen, um ein gesundes Maß an sportlicher Aktivität zu gewährleisten. Eine Studie des Baylor College of Mediocine http://bcm.edu lässt diesen Traum jetzt platzen, wie cnet.com berichtet. Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass Kinder, die sogenannte aktive Videospiele spielen, nicht mehr körperliche Bewegung abbekommen, als eine Kontrollgruppe mit passiv zu bedienenden Wii-Titeln.

Bei der Wii handelt es sich um eine fernsehgebundene Videospiel-Konsole, die über einen neuartigen Controller,  ähnlich einer herkömmlichen Fernbedienung  mit eingebauten Bewegungssensoren verfügt. Der Spieler bewegt den Controller so, dass die entsprechenden Bewegungen von Spielfiguren oder  -elementen auf dem Bildschirm umgesetzt werden.

„Ich bin kein Gegner von Videospielen, aber eine Verbindung zu Sport herzustellen, halte ich für komplett falsch. Das schaut zwar nach Sport aus, es ist aber keiner drin. Die Werbeaussagen der Elektronik- und Lebensmittelindustrie verwässern den Wert von körperlicher Bewegung. Auch die Sportmedizin trägt oft dazu bei, dass die Eltern glauben, eine Wii sei besser als nix“, sagt Sportwissenschaftler Michael Mayrhofer. Die Wertigkeit richtiger Bewegung solle stärker betont werden, so der Experte.

Schlechte Bilanz

Die US-Wissenschaftler haben 78 überdurchschnittlich schweren Kindern zwischen neun und zwölf Jahren eine Nintendo Wii Spielekonsole gegeben. Die Hälfte der Kinder erhielt aktive Spiele, wie Wii Sports oder Dance Dance Revolution dazu, die andere Hälfte bekam klassische passive Titel wie Super Mario Galaxy. Die Forscher beobachteten die Kinder daraufhin 13 Wochen lang und führten exakt Buch über ihre Spielzeiten und Aktivitätslevel. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Kinder, die aktive Videospiele spielen, insgesamt aktiver sind als die Konsumenten passiver Wii-Unterhaltung“, heißt es in der Studie.

Die Anzahl der täglichen Minuten, in denen moderate bis anstrengende körperliche Aktivität verzeichnet wurde, ist in beiden Gruppen praktisch identisch. Die Kinder mit aktiven Spielen schafften zwischen 25 und 28 Minuten, ihre Altersgenossen mit herkömmlichen Nintendo-Produkten brachten es auf 26 bis 29 Minuten Aktivität pro Tag. „Wir haben eigentlich erwartet, dass die bewegungsfördernden Wii-Spiele zu einer signifikanten Erhöhung der körperlichen Aktivität führen. Wir waren ehrlich gesagt geschockt, dass es überhaupt keinen Unterschied zu machen scheint“, sagt Studienleiter Tom Boranowski.

Unklare Gründe

Ältere Studien, die nur die Zeit während des Wii-Spielens berücksichtigen, ließen vermuten, dass aktive Videospiele zu moderater bis anstrengender körperlicher Bewegung führen. „Ich bin bei solchen Studien immer skeptisch, auch wenn ich den Ergebnissen zustimme. Es kommt immer wieder zu widersprüchlichen Ergebnissen. Kinder bewegen sich sicher vor einer Wii und das ist nie verkehrt. Aus gesundheitlicher Sicht ist das aber vernachlässigbar“, so Mayrhofer.

Warum die Spiele keinen Einfluss auf die Gesamtbewegungsbilanz der Kinder haben, ist noch nicht geklärt. Baranowski hält mehrere Erklärungen für möglich. Es kann sein, dass die Kinder in der aktiven Gruppe die Wii-Spiele nur mit minimalem körperlichen Aufwand gespielt haben. Möglich wäre auch, dass die Kinder mit aktiven Wii-Spielen die Aktivitäten abseits der Spiele-Konsolen zurückgefahren haben. „Die Kinder werden immer unsportlicher. In unseren Sommerlagern können wir viele Übungen, die früher problemlos möglich waren, gar nicht mehr machen, weil die Kinder es einfach nicht mehr schaffen“, warnt Mayrhofer vor einem grundsätzlichen Abfall der Fitness. (pressetext / mcd)

 



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