Profi-Fußballer: Fit auf allen Ebenen

Epoch Times20. April 2012 Aktualisiert: 20. April 2012 23:30
Profi-Fußballer brauchen nicht nur Kraft und körperliche Fitness, sondern auch eine gute Ausprägung der Exekutivfunktionen, wie beispielsweise Aufmerksamkeitssteuerung und Selbstkorrektur. Erst dann hat man das Zeug zum Spitzenfußballer, laut einer neuen Studie.

 

Fußballern unterstellt man oft, ihre Stärke sei allein in den Fußmuskeln konzentriert, nicht jedoch im Gehirn. Weit gefehlt, sagen nun Forscher vom Karolinska Institute in der Zeitschrift „Proceedings of the Public Library of Science“: Fußballer besitzen weit überdurchschnittlich ausgeprägte Gehirnfunktionen für Planung und abstraktes Denken. „Es ist geradezu Kennzeichen von Profifußballern höherer Spielligen, eine ganz besonders gute Ausprägung von Exekutivfunktionen zu besitzen“, sagt Studienleiter Predrag Petrovic.

Blitzschnell in der Verarbeitung

Die Forscher führten bei 57 Fußballern der ersten drei Ligen Schwedens einen Standardtest durch, der für die Erhebung der kognitiven Fähigkeiten verwendet wird. Die Sportler schnitten dabei bei den Exekutivfunktionen deutlich besser ab als eine Kontrollgruppe von Nicht-Sportlern. Zudem zeigte sich ein Zusammenhang zwischen einem guten Abschneiden beim Test und einer erfolgreichen Fußballerkarriere zwei Jahre danach – womit die Exekutivleistung auch zur Vorhersage dient. Neben Fitness und Körperbeherrschung entscheiden also kognitive Fähigkeiten, ob ein Sportler das Zeug zum Spitzenfußballer hat.

Exekutivfunktionen umschreiben hochkomplexe Aufgaben des Gehirns, die sich in der Evolution erst spät gebildet haben, betont Petrovic. „Es geht bei diesen Fähigkeiten vor allem um die schnelle Verarbeitung von sich ändernden Informationen und um die Umsetzung im eigenen Verhalten. Exekutivfunktionen erlauben es, alte Regeln auszutauschen, sobald sie keinen Erfolg bringen, und neue aufzustellen“, erklärt der Forscher. Viele psychiatrische Probleme wie etwa die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden mit einem Mangel an Exekutivfunktionen in Verbindung gebracht.

Jede Sportart braucht Hirn

Obwohl es theoretisch auch möglich sei, dass man durch das Fußballtraining sein Gehirn schult, geht Petrovic eher davon aus, dass Exekutivfunktionen zu einem großen Teil genetisch grundgelegt sind. „Besitzt man diese Fähigkeiten gar nicht, wird man nur schwer ein Fußballstar.“ Vieles spreche dafür, dass jede Sportart ihr eigenes optimales kognitives Profil besitzt, wobei exekutive Fähigkeiten bei Sprintern weniger im Vordergrund stehen als bei Teamsport wie Hockey oder Squash, das laut dem schwedischen Forscher besonders ausgeprägtes räumliches Denken erfordert.

Die Exekutivfunktionen entsprechen allerdings nicht dem Intelligenzquotienten, der etwa das Gedächtnis beinhaltet. „Fußballer können Informationen wunderbar verarbeiten, wobei es aber nicht darum geht, die Hauptstädte der Welt auswendig zu können. Wer Fußballer, die etwa bei TV-Interviews mit Wissenslücken auffallen, vorschnell als dumm verurteilt, irrt jedoch“, kritisiert der Psychologe. Berücksichtigen müsse man auch, dass Fußballstars ihr Wissen oft gar nicht entsprechend auffüllen konnten – flogen doch viele aufgrund des übermäßigen Trainings von der Schule. (pressetext/mcd)

Info: Im deutschen Bildungssystem ist das Wissen um die Bedeutung  von Exekutivfunktionen für eine optimale Förderung der Kinder und Jugendlichen weitgehend unbekannt. Bislang wissen nur wenige Schulakteure von diesen zentralen Ge­hirnfunktionen und davon, wie man diese kognitiv aber auch körperlich trainie­ren und damit Einfluss auf die schulische Lernleistung sowie die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern und Jugend­lichen nehmen kann.(Kubesch/Walk,2009)

 

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