Gelsenkirchen: Innerhalb von zwei Monaten werden drei Kinder mit nur einer Hand geboren

Von 13. September 2019 Aktualisiert: 13. September 2019 8:59
Neugeborene ohne Hände zu sehen, gehört nicht zur Tagesordnung im Gelsenkirchner Klinikum - seit vielen Jahren sei dies nicht mehr vorgekommen. Doch nun sind es drei Babys mit gleichen Missbildungen. Sie erinnern an den Skandal 2018 in Frankreich und an den Contergan-Skandal. Was ist in Frankreich und Deutschland los? Warum nimmt die Zahl der missgebildeten Kinder zu?

Köln: Nach Frankreich erreichen die ersten Meldungen aus Deutschland die Medien, Neugeborene mit fehlenden Extremitäten kommen zur Welt. Innerhalb von zwei Monaten sind in Köln drei Babys geboren worden, die den gleichen Defekt haben – ihnen fehlt eine Hand. Die Klinik in Gelsenkirchen steht vor einem Rätsel. Bislang lassen sich jedoch keine Muster innerhalb der ethnischen, kulturellen oder sozialen Komponenten erkennen – meint der Sprecher der Klinik.

Aufgeflogen ist der Skandal durch eine Sprachnachricht in einem Hebammen-Forum. Seitdem dreht sich alles um die große Frage der Hebamme Sonja Ligget-Igelmund (45): „Sind auch im Kölner Raum fehlgebildete Kinder geboren worden – ohne eindeutige Ursache?“ Möglicherweise ist die Anzahl der Babys mit Missbildungen höher als gedacht. Da es kein verpflichtendes Melderegister für diese Fälle gibt, könnte die Zahl der Betroffenen weitaus höher sein.

Aufruf einer Hebamme: Bitte melden Sie sich!

Hebamme Sonja will den Fall mit Hilfe der Medien öffentlich machen. Sie geht der Mission nach, sowohl den Eltern zu helfen, wie auch das Rätsel dahinter aufzudecken. Fr. Ligget-Igelmund stellt die Frage, ob Einflüsse der Umwelt, Ernährung oder Medikamente verantwortlich sein könnten.

Momentan gibt es noch keine Antworten. Umso wichtiger ist in jenem Augenblick die Zusammenarbeit mit den Medien und den Eltern. Der Aufruf, dass betroffene Eltern sich melden sollen, verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Auch in Frankreich setzen die Behörden auf den persönlichen Austausch der Mütter, um Ursachen ausfindig zu machen.

Elterliche Sorgen – wie kann das passieren?

Eltern werden oft von Schuldgefühlen gequält, wenn ihr Kind eine Fehlbildung hat. Doch im Fall der Hände ist zu sagen, dass die Entwicklung dieses Körperteils bei einem Embryo ein ausgesprochen komplexer Prozess ist. Schon die geringste genetische Veränderung kann zu einer Fehlbildung führen. Defekte können beispielsweise durch Folgendes ausgelöst werden:

  • durch Spontanmutationen – also durch zufällige Störungen während des Entwicklungsprozesses  oder
  • durch erblich bedingte Entwicklungsstörungen – also Gendefekte.

Zu den Faktoren, die eine spontane Fehlbildung hervorrufen können, zählt unter anderem die Einwirkung von Medikamenten: wie der bekannte Schlafmittelskandal durch Contergan gezeigt hat. Die Aufnahme anderweitiger Chemikalien oder Strahlenbelastungen kann ebenfalls die embryonale Entwicklung der Hand stören.

Ursachenforschung: Einfluss von Pestiziden

Die Franzosen sind besorgt um ihren Nachwuchs. Die Bevölkerung verlangte eine Erklärung. Die anfängliche Zurückhaltung der Behörden verschwand, als die Medien davon berichteten. Mittlerweile gab es Gespräche mit den betroffenen Familien. Seitdem steht ein gemeinsamer Nenner fest: Alle Betroffenen wohnen ausnahmslos in ländlichen Gebieten.

Vermutungen, dass der Gebrauch von Pestiziden regionale Auswirkungen zeigt, wären naheliegend. Schließlich ist bekannt, dass schädlingsbekämpfende Chemikalien Fehlbildungen bei Embryos verursachen. Ein Gendefekt ist momentan ausgeschlossen.

Hoffnungsvoll wird derzeit auf die Untersuchungsergebnisse des Gesundheitsministeriums gewartet. Die Gesundheitsministerin Agnès Buzyn versprach: „Wir können es nicht einfach dabei belassen zu sagen, dass wir keine Ursachen gefunden haben“. Daher wird auch die Ernährung der Frauen während der Schwangerschaft beleuchtet. Bis Ende Januar sollen die ersten Erhebungen vorliegen.

Emmanuelle Amar relativiert das Vorkommen von Fehlbildungen, indem sie die Meinung vertritt, sie seien allgegenwärtig. Doch im Fall der 25 französischen Kinder mit Fehlbildungen würden die Zeichen dafür stehen, dass äußere Faktoren verantwortlich sind, da auch regional ein gehäuftes Vorkommen von Tieren mit fehlenden Extremitäten zu verzeichnen ist.

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