Internist packt aus: Bei Demenz stößt die Schulmedizin an ihre Grenzen

Von 2. August 2019 Aktualisiert: 3. August 2019 0:21
Nehmen wir an, Ihr Dach hat 36 Löcher und Sie reparieren eines davon, wird es beim nächsten Schauer im Haus nass werden? Dr. Mark Menolascino bespricht im folgenden Interview die Sicht der Schulmedizin auf die Demenz.

Das Wort Demenz stammt aus dem lateinischen „de mente = ohne Geist, weg vom Geist“. Der fortlaufende Gedächtnisverlust dieser Gehirnerkrankung kann derzeit nicht gestoppt, sondern nur verzögert werden. Demenz ist ein Syndrom, bedeutet, das Krankheitsbild besteht aus einem Komplex mehrerer Symptome, circa 50 Krankheiten werden bei der Diagnose mit eingeschlossen. Zelluläre Veränderungen im Gehirn verursachen die Reduktion der geistigen Leistungsfähigkeit.

Formen von Demenz

  • Die häufigste Form der Demenz ist Alzheimer
  • Bei jeden fünften Demenzerkrankten liegt die Ursache bei einer Durchblutungsstörung – diese Form wird vaskuläre Demenz genannt
  • Die Lewy-Körperchen-Demenz ist eine seltene Form, ähnelt von der Symptomatik jedoch der Alzheimerdemenz.
  • Die seltenste Form der Demenz ist die frontotemporale Demenz, auch unter Pick- Krankheit oder Morbus Pick bekannt. Sie wird häufig mit einer psychischen Störung verwechselt.

„Ich denke, also bin ich“ stammt von René Descartes, welcher der Begründer des Rationalismus ist. Welcher heute noch den Blickwinkel der Schulmedizin prägt.

Der Experte im Gespräch mit Epoch Times

Dr. Mark Menolascino wurde in einer Familie von Medizinern geboren. Trotzdem hinterfragt er viele festgefahrenen Erkenntnisse der Medizin und berichtet darüber in seinem neuen Buch „Heart Solution for Women: Ein bewährtes Programm zur Vorbeugung und Umkehrung von Herzerkrankungen“. Der Internist zeigt den Zusammenhang zwischen medizinischem Ansatz und Auswirkungen auf die Gesundheit und Gesellschaft.

Dr. Mark Menolascino erzählt über die bisherigen Forschungsstudien, welche üblicherweise nicht an Frauen stattfinden. Da unter anderem eine Schädigung am Nachwuchs bei einer ungeplanten Schwangerschaft ausgeschlossen werden soll. Doch seit Bekanntmachung der Gendermedizin ist die Tatsache bekannt, dass Frauen sich nicht nur durch anatomische Gegebenheiten von den Männern unterscheiden.

Der Herzspezialist empfiehlt die präventive Maßnahme der Beratung für Frauen durch ihre Hausärzte zu intensivieren.  Denn „herzgesunde“ Lebensgewohnheiten würden Herzerkrankungen reduzieren und zusätzliche die Entwicklung von Alzheimer und Depressionen verringern.

Epoch Times sprach mit Dr. Mark Menolascino über die Rolle des Herzens bei der Alzheimer-Krankheit. Außerdem wurde besprochen, wie das medizinische System zukünftig Gesundheit und Wohlbefinden beider Geschlechter unterstützen könnte.

Epoch Times: Wir betrachten Alzheimer typischerweise als eine Erkrankung des Gehirns. Welche Rolle spielt das Herz dabei?

Dr. Mark Menolascino: Das, was Gehirn und Herz pathologisch verbindet, ist eine Entzündung. Die gleiche Art von Entzündung, verursacht einerseits Schädigungen beim Herzen und andererseits Veränderungen im Gehirn. Die Folgen sind Herzinfarkte und Demenz.

Bezogen auf die Herzerkrankung der Frau haben wir Fehler gemacht und ich denke, bei der Alzheimer-Krankheit  sind die Fehler geschlechtsneutral. Mit anderen Worten, wir machen es für alle falsch. Beim Cholesterin war dies ebenfalls so.

Jahrelang prognostizierten Mediziner, dass Cholesterin eine Herzerkrankung verursacht. Mittlerweile wissen wir, die Hälfte der Menschen mit normalem Cholesterinwerten erleiden ebenfalls einen Herzinfarkt, wohingegen die andere Hälfte der Menschen mit hohem Cholesterinspiegel keinen Herzinfarkt bekommen.

Ebenso denken wird, bei Alzheimer ginge es nur um diese amyloide Plaque. Zwischenzeitlich stellen wir fest, die Hälfte der Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, haben gar keine amyloide Plaque. Daher ist die bisherige Idee, mit einer Einzelmodelltherapie für Alzheimer eine Lösung zu finden, mangelhaft. Milliarden von Dollar und bis zu 40 klinische Studien mit Medikamenten haben sich somit als falsch erwiesen.

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Die derzeitige Idee ist, dass eine Therapie zu funktionieren hat. Aber wir behandeln nicht nur einen Partikel, sondern eine ganze Person. Überlege mal, wenn du ein Dach mit 36 Löcher hast, könntest du dann wirklich Erfolg haben wenn du nur einen Teil behandelst? Oder wäre das restliche Dach nicht immer noch undicht. Daher ergibt sich die Logik, es muss an allen „Löchern“ gearbeitet werden.

Epoch Times: Diese Ganzkörperperspektive, von der Sie sprechen, wurde doch früher von den Ärzten auf der ganzen Welt praktiziert. Doch die Schulmedizin hat in den letzten hundert Jahren für den Reduktionismus entschieden. Warum bevorzugt die Schulmedizin dieses Paradigma, und warum kehren Ärzte wie Sie zu einem holistischen Ansatz zurück?

Dr. Menolascino: Ich bin Internist und wenn ich eine Lungenentzündung sehe, möchte ich mit dem beste Antibiotikum, das ich bekommen kann, behandeln. Für eine solche Akutmedizin funktioniert unser medizinisches Modell unglaublich gut. Aber bei chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Demenz funktioniert dieses Modell nicht sehr gut. Im Gegenteil es scheitert kläglich.

An den medizinischen Universitäten lernen zukünftige Mediziner das reduktionistische Modell von Rene Descartes. Somit wird alles in kleinste Stücke zerlegt, um eine Pille einnehmen zu können, wenn wir krank sind.

Heute kehren wir zum Konzept der Systemtheorie zurück. Der Körper und der Geist sind ein wunderbares System, welches tatsächlich miteinander verbunden ist. Während meinem Studium sagte man mir, das Gehirn sei eine mysteriöse Blackbox. Es wäre unabhängig und habe keine Interaktion oder Beziehung zum Rest des Körpers.

Gegenwärtig haben wir erkannt, die Chemikalien im Darm sprechen mit den Chemikalien im Gehirn. Das zeigt sich bei dem Botenstoff: Serotonin. Dieser chemische Stoff kontrolliert die Stimmung, und der größte Teil des Serotonins entstammt dem Darm. Es gibt 90 Prozent mehr Serotonin in Ihrem Darm als in Ihrem Gehirn. Die Permeabilität des Darms korreliert jederzeit mit der Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke,  so kommunizieren die beiden miteinander.

Das Herz und das Gehirn sowie alle unsere Organe sind durch den Vagusnerv, den zehnten Hirnnerv, verbunden. Dieser umherschweifende Hirnnerv leitet Informationen vom Gehirn zum restlichen Körper und umgekehrt weiter. Dieses Kommunikationssystem mit dem Gehirn, um genau dieses geht es auch bei der Demenz.

Unser Wissen von heute bestätigt, dass das Gehirn und der Körper eng miteinander verbunden sind und dass es eine Beziehung zwischen den Herzbiorhythmen und den Hirnbiorhythmen gibt. Ebenso wir wissen, dass das, was im Gehirn passiert, auch im Herzen passieren kann.

Die einzelnen Systeme unseres Körpers kommunizieren miteinander, beispielhaft dafür sind die Neurochemie und Neuroimmunologie, aber auch das Immunsystems mit dem Nervensystem. Wir nahmen an, das Gehirn sei immungeschützt und privilegiert. Neueste Errungenschaften zeigen jedoch, das Gehirn und das Immunsystem stehen durch einen intimen Tanz zueinander. Das zeigt sich darin, dass Entzündungen im Körper Entzündungen im Gehirn beeinflussen.

Wussten Sie, dass Depressionen tatsächlich von einer entzündlichen Erkrankung sein können, im Gegensatz unserer bisherigen Annahme, es sei ein Serotonin-Ungleichgewicht?

Tatsache ist, wir beginnen gerade erst zu verstehen, dass der Hormonhaushalt viel mit unserer Gehirngesundheit zu tun hat. Das bedeutet nicht, dass jeder Hormone einnehmen sollte, aber es zeigt, wie wir den Hormonen in unserer Nahrung, Umwelt und Medikamenten ausgesetzt sind und wie Ihr Körper sie verarbeiten und entgiften muss.

Epoch Times: Eines der alarmierenden Dinge an Alzheimer ist, wie schnell es voranschreitet. Was glauben Sie, warum hat diese Krankheit einen so rasanten Anstieg?

Dr. Menolascino: Ein offensichtlicher Teil ist die steigende Lebenserwartung, daher können sich die Krankheiten weiter entwickeln. Aber es kann auch mit dem Mangel an hochwertiger Nahrung, der reduzierten Nährstoffdichte in unseren Böden, der erhöhten Toxizität und den exogenen Hormonen in unserer Nahrung und Umwelt sowie all den Chemikalien, denen wir ausgesetzt sind, zu tun haben. Von daher nehme ich nicht an, die Erscheinung resultiert aus einer einzelnen Sache. Viel mehr gehe ich davon aus, es entsteht durch verschiedene Kombinationen. Viele dieser Expositionen nahmen ihren Einfluss in der Zeit, als wir noch sehr jung waren.

Zusätzlich haben wir Mediziner kaum gute Behandlungsmöglichkeiten und die Medikamente helfen nicht wirklich.

Epoch Times: Welche Symptome sind Anzeichen dafür, eine chronische entzündliche Krankheit zu haben beziehungsweise diese zu entwickeln?

Dr. Menolascino: Wir Mediziner können die Anzeichen sehen, sobald Sie vor uns stehen. Das klinische Bild des Körpers zeigt es uns. Es sind nämlich die Menschen, die um die Leibesmitte herum zusätzliches Gewicht tragen – besonders wenn der Taillienumfang mehr ist als die Hüfte.

Eben dieses zentrale Körperfett, dieses innere, viszerale, heiße, entzündliche Fett, führt dazu, das die Leber erkrankt. Genauso sind die gerötete Haut, der Büffelbuckel oder die Fettpolster der Insulinresistenz am Hals Hinweise für entzündliche Erkrankungen. Der Nährstoffmangel in den Fingernägeln, die Fettsäuredefizite in der Haut und die Nahrungsempfindlichkeiten durch unterschiedliche Flecken auf der Zunge, spiegeln ebenfalls Krankheiten wider. Und wir erkennen, an den geringen Fettansammlungen auf dem Augenlid ein körperliches Ungleichgewicht.

Es ist bekannt, dass der durchschnittliche Amerikaner Diabetiker und fettleibig ist. Zukunftsprognosen sagen, zwei von drei in diesem Jahr geborene Kinder werden diabetische Erwachsene. Das ist einfach nicht akzeptabel. Wir müssen die Flut von entzündlicher Adipositas und Diabetes umkehren.

Als Alzheimer Typ 3 Diabetes bezeichnen wir Krankheitsbilder, deren frühe Insulindysregulation zu einem abnormalen Blutzucker im Gehirn führen. Zucker ist wie Feuer im Gehirn. Es ist wie wenn man einen schönen Bio-Apfel nimmt, ihn in Süßigkeiten taucht und karamellisiert. Es geht immer darum, was wir mit uns selbst machen. Egal wie gut das Innere ist, wenn man eine Zuckerschicht darauf anbringt, wird die Funktionsfähigkeit zerstört.

Epoch Times: Wir sollten also auf jeden Fall unseren Zucker reduzieren, aber welche weiteren Schritte können wir unternehmen, um unser Risiko für Alzheimer zu verringern?

Dr. Menolascino: Was wir wirklich tun sollen, ist, uns auf saubere Lebensmittel, sauberes Wasser und saubere Luft zu konzentrieren. Wir wünschen uns Liebe und Gemeinsamkeit in unserem Leben und Bewegung in Maßen. Du hast wirklich die Fähigkeit, gute Gene einzuschalten und schlechte Gene auszuschalten, denn am Ende entscheidet jeder selbst über sein Leben.

Es geht nicht nur darum, was man isst, sondern wie man isst. Essen Sie allein in Ihrem Auto oder am Schreibtisch bei der Arbeit, Fast Food? Oder essen Sie mit einer Gruppe von Menschen, die Ihnen wichtig ist? Auch Ihr Zugang zu den Mitmenschen ist ein Teilaspekt. Beginnen Sie damit ihre Lebensfreude zu teilen, und unterstützen Sie sich gegenseitig, um gute Entscheidungen zu treffen. Die eigene Gesundheit steht im Zusammenhang mit der Gesundheit seiner Freunde. Meine Empfehlung ist daher: suchen Sie sich gute Freunde aus.

Was das körperliche Training betrifft, so sind es die kleinen Dinge die fokussiert werden sollten. Nehmen Sie die Treppe anstelle des Aufzugs, machen Sie ein paar Runden um den Lebensmittelladen herum, bevor Sie Ihren Wagen holen und einkaufen gehen. Wenn es sicher ist, parken Sie am Ende des Parkplatzes und gehen Sie von dort aus zum Geschäft. Holen Sie sich einfach ein wenig mehr Bewegung und zusätzliche Unterstützung in ihrem Leben. Finden Sie Leute, die sich um Sie kümmern und denen Sie wichtig sind. Und versuchen Sie, saubere, weniger verarbeitete Lebensmittel zu essen.

Epoch Times: Dies sind die grundlegendsten Gesundheitsmerkmale, die Ärzte seit jeher predigen. Warum hat diese einfache Botschaft immer noch Schwierigkeiten, durchzukommen?

Dr. Menolascino: Mir wurde in der Universität gesagt, dass ich alle sieben Minuten einen Patienten sehen müsste. Eine aktuelle Studie zeigt, dass ein Arzt innerhalb von 11 Sekunden das Patientengespräch unterbricht. Unser aktuelles medizinisches Modell ist nicht darauf ausgerichtet, Menschen zuzuhören und sie kennenzulernen. Um über Lifestyle-Dinge zu reden, muss jedoch eine Beziehung und ein Vertrauen aufgebaut werden. Doch scheinbar geht es mittlerweile nur noch darum, ein Rezept auszustellen. Das körperliche Wohlbefinden wird nicht mehr thematisiert.

Ich sprach mit einem CEO, der sehr gestresst und ungesund war und einfach nicht wusste, wo er anfangen sollte mit der Veränderung. Ich empfahl: „Jeden Tag zur Mittagszeit, nehmen Sie einen ihrer Mitarbeiter und bieten Sie ihm einen 15-minütigen bezahlten Spaziergang an. Stellen Sie ihm dabei Fragen über seine Interessen, zeigen Sie Interesse an seine Familie und lassen Sie sich Feedback gegen über ihr Unternehmen. Dadurch werden Sie mehr über sich selbst und die Menschen, die für Sie arbeiten, erfahren. Sie werden dadurch sich selbst und anderen helfen.“

Ein Jahr später hatte er 80 Pfund verloren. Er wurde als einer der besten Chefs der Branche angesehen, und er hatte eine sehr dynamische, gesunde und produktive Belegschaft. Alles, was es brauchte, war eine Entscheidung. Wir können uns gegenseitig wirklich helfen. Es ist gar nicht so schwer, gesund zu werden und gesund zu bleiben.

Aber versuchen Sie nicht, alles auf einmal zu erreichen. Probieren Sie einfach kleine Schritte aus. Machen Sie nach dem Abendessen in der ersten Woche einen kleinen Spaziergang um den Block herum. Gehen Sie zwei Blöcke in der zweiten Woche, dann drei Blöcke. Beginnen Sie langsam, so werden Sie erfolgreich sein. Wichtig ist auch sich selbst zu seinen Erfolgen zu gratulieren. Nehmen Sie einen Freund mit, auch wenn dieser ihr Hund ist.

Epoch Times: Ich bin beeindruckt von der Idee, dass Gemeinsamkeit und ein gutes Miteinander unsere Gesundheit stärkt. Aber warum sind Beziehungen so wichtig?

Dr. Menolascino: Wir wissen, dass Frauen länger leben als Männer, weil sie bessere Beziehungen haben. Nehmen wir den mediterrane Ernährungsplan, dieser scheint vorteilhaft für ein langes Leben zu sein. Das mag vielleicht am Essen selbst liegen, aber die Esskultur in Italien, Frankreich und Griechenland ist eine andere. Was in diesen Kulturen üblich ist, ist, dass sie als Familie und als Gruppe essen. Sie lachen, lieben, teilen und unterstützen einander.

Der Mensch ist ein soziales Wesen welches durch Interaktionen geprägt wird. Ebenso wie uns zeitweise der Stress hilft um aus dem Bett zu kommen, kann er uns auch krank machen. Wenn wir uns mit Menschen umgeben, deren Glas stets halb leer ist, werden wir feststellen, dass deren Unterstützungssystem nicht so gesund ist. Bevorzugen Sie daher die Freundschaft zu positiv denkenden Menschen. Seien Sie stets bemüht ein gutes Miteinader zu fördern, indem Sie sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sind. Ich glaube daran, dass sich die Lebensfreude und Gesundheit gegenseitig fördert.

Epoch Times: Aber die Pharmaunternehmen sagen, dass eine Heilung von Krankheiten wie Alzheimer greifbar ist. Warum sollten wir uns mit all dem gesunden Essen und Lebensstil beschäftigen, wenn es bald ein Medikament geben wird, das sich darum kümmert?

Dr. Menolascino: Es ist interessant, dass Sie das ansprechen. Dr. David Perlmutter ist ein guter Freund von mir, der das Buch Grain Brain geschrieben hat. Er ist Neurologe und einer der führenden Experten für Alzheimer. Letzte Woche veröffentlichte er, dass es in unserem Leben nie ein Medikament gegen Alzheimer geben wird. Sie würden alle kläglich versagen, und ich glaube, es ist weil wir uns dem falschen Ziel nähern. Erst wenn wir anerkennen dass Alzheimer ein multifaktorielles Geschehen ist, wird es Antworten geben.

Ich wäre der Erste, der ein Wundermittel feiern würde. Aber ich beobachte die Alzheimer-Forschung seit Jahren und es sieht nicht so aus, als sei eine Lösung um die Ecke. Die allererste klinische Studie vor 35 Jahren habe ich gemacht, und sie ist nicht besser als das, was wir jetzt haben. Ich denke, das liegt daran, dass der gesamte Ansatz falsch ist. Wir werden nie einen Erfolg mit einzelnen Medikamenten haben, weil es sich um eine multifaktorielle systemische Wirkung handelt. Medikamente für chronische Erkrankungen wirken einfach nicht gut und haben eine ganze Reihe von Nebenwirkungen.

In der ganzheitlichen Medizin kann jede Krankheit, die eine Person hat, verschiedene Ursprünge haben. Um die Gesundheit wiederherzustellen, müssen die Auslöser gefunden und aufgelöst werden. Statt eines Einheitsangebots sollte es einzigartige, personalisierte und präzise Ansätze geben. Die Fragen: „Was ist deine Geschichte? Wie bist du dorthin gekommen?“ sollten immer gefragt werden.

Wenn sich jeder selbst fragen würde: „Was können wir in unserem eigenen Leben tun?“, wäre dies ein guter Beginn die Flut der Demenz einzudämmen. Denn Alzheimer beginnt 10, 15, 20 Jahre bevor das erste Symptom in Erscheinung tritt. Alles spricht dafür, dass es eine Entzündung ist die sich über Jahre zusammenbraut. Lifestyle-Einstellungen verschleißen den Körper langsam. Doch irgendwann entwickeln sich daraus Gedächtnisprobleme, die am Ende in ein Pflegeheim führen.

Ernährung, Entgiftung, Hormonhaushalt und genetische Variabilität, daraus ergibt sich das System der ganzheitlichen Medizin. Ich behaupte, darin liegt die Zukunft der Alzheimer-Therapie, sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung. Der kognitive Verfall ist reversibel und ich halte ihn für vermeidbar.

Das Unternehmen Enso Health stellt hierfür Protokolle zusammenstellen. In Zusammenarbeit mit einem coachbasierten Modell werden fünf der führenden Ärzte der ganzheitlichen Medizin gegen die Demenz vorgehen. Dieser Ansatz hilft beim Reparieren aller 36 Löcher im Dach. Die Ergebnisse werden sich in den nächsten Jahren zeigen lassen.

Epoch Times: Als ich die Herzgesundheitsstatistik in Ihrem Buch las und wie unser Gesundheitssystem Frauen in dieser Hinsicht ignoriert hat, ließ mich das fragen, ob es auch bei Alzheimer frauenspezifische Merkmale gibt. Betrifft diese Krankheit Frauen anders als Männer?

Dr. Menolascino: Frauen sind stärker von Alzheimer betroffen als Männer. Teilweise könnten die abrupten Hormonveränderungen bei Frauen schuld dafür sein. Ein weiterer Aspekt ist, dass die meisten Betreuer von Alzheimer-Patienten Frauen sind. Studien haben gezeigt, dass die Pflege von Alzheimer-Patienten tatsächlich bei den Pflegern selbst kognitive Verluste verursacht. Frauen tragen also wirklich die Last der Demenz in unserem Land und weltweit auf ihren Schultern.

Aufzeichnungen zeigen, der holistische Ansatz kann die Demenz sowie leichte kognitive Beeinträchtigungen umkehren und verlangsamen lassen. Ich denke, Sie werden zukünftig Angeboten entdecken, die von Ärzten wie mir herausgebracht werden, nämlich Medizinern die Werkzeuge haben, Veränderungen zu bewirken.

Bei vielen Ärzten liegt der Mangel darin, dass sie Hormone, Entgiftung und Genetik nicht verstehen. Zugegebenermaßen, es ist sehr kompliziert alles zusammenzusetzen. Deshalb hört man nicht viel darüber. Es ist viel einfacher, eine Pille zu verschreiben.

Patienten über Lifestyle-Faktoren und Entgiftung zu informieren und mit einen Plan dagegen zu wirken, ist um ein vielfaches schwieriger als ein Rezept zu auszufüllen. Aber es macht wirklich Spaß auf diese weise zu Arbeiten. Es ist meine persönliche Leidenschaft. Zehntausend Ärzte wurden bereits von mir ausgebildet dieses Verfahren anzuwenden. Und ich werde noch weitere Zehntausende unterrichten.

Epoch Times: Es ist interessant, obwohl Sie aus einer Familie von Hausärzten stammen, haben Sie sich für die ganzheitliche Medizin entschieden. Warum haben Sie diesen Weg gewählt?

Dr. Menolascino: Als ich in der High School war, arbeitete ich an klinischen Studien, die bewies, wie Tabakteer Krebs verursachte, aber mein Kinderarzt rauchte. Da beschloss ich, nicht Teil dieses kaputten medizinischen Systems sein zu wollen. Daraufhin begann ich mit Dr. Dean Ornish zu arbeiten, der 100 Männer untersuchte, die Herzinfarkte und Herzgefäßblockaden hatten. Ihnen stellte er die Option entweder eine Bypass-Operationen zu bekommen oder an seinem Programm teilzunehmen.

Dr. Dean Ornish’s Programm stellte sich aus Trainingseinheiten und richtig zu essen zusammen, zusätzlich wurde auch gelernt, mit Stress umzugehen. Zuwendung und Unterstützung war ebenfalls Teil des Konzeptes. Die Leute sagten, er sei verrückt, aber wissen Sie was? 35 Jahre später hat sich seine Gruppe verbessert.

Eine weitere Erkenntnis aus meiner Jugend prägte mich. Damals erkannte ich, dass die Lifestyle-Medizin oftmals die Akutmedizin übertrumpfte. Also wollte ich in beiden Fachgebieten der Beste werden. Als Internist lernte ich die Komplexität von Medizin und Akutversorgung zu verstehen und im Gegenzug verbrachte ich viel Zeit damit, mich über Ernährung, ayurvedische und chinesische Medizin sowie über Lebensstil und Bewegung zu informieren.

Heute können meine Patienten von meinem umfangreichen Wissen profitieren. Denn bei Behandlungen wende ich all diese Werkzeuge an, um eine optimale und individuelle Therapie auszuwählen.

Dieses Interview wurde aus Gründen der Klarheit und Kürze überarbeitet.

Das Original erschien in The Epoch Times (USA), deutsche Bearbeitung von rp)
Originalartikel: How Heart Health Factors Into Alzheimer’s Disease