Symbolbild.Foto: Istockphoto/rinvalds

Kliniken füllen sich mit Kindern wegen Atemwegserkrankungen

Von 16. Oktober 2021 Aktualisiert: 16. Oktober 2021 13:58
Ist die Virenwelt durch die Corona-Maßnahmen aus dem Gleichgewicht geraten? Viel zu früh treten in diesem Jahr die Atemwegsviren auf. Der Kinderärzteverband ist besorgt.

Im Kampf gegen Corona wurden offenbar die sonst üblichen Atemwegsinfektionen fast vergessen, deren Intensität nimmt aber offensichtlich zu, wie Ärzte warnen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beobachtet seit gut einem Monat mit Sorge eine Häufung der Atemwegserkrankungen bei Kindern – mehr als in anderen Jahren zur gleichen Zeit. Besonders gefährlich werden könne es bei Vorerkrankungen. Verbandspräsident Dr. med. Thomas Fischbach erklärte, dass in den Arztpraxen derzeit viel los sei und auch die Kliniken mit etlichen Fällen zu tun hätten. Im Gespräch mit der „Welt“ meinte Fischbach: „Wir schauen deswegen mit einer gewissen Sorge auf den Winter.“

Die Kliniken füllen sich

Kinder hätten im vergangenen Winterhalbjahr aufgrund der Corona-Maßnahmen keine Kontakte und Übertragungsmöglichkeiten von Infektionen gehabt, meinte Dr. Fischbach. Dadurch hatten sie aber auch keine Möglichkeit, das Immunsystem zu trainieren, weiß Fischbach, der insbesondere auf das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) verweist. Es gebe Anlass zur Sorge. Vor allen bei Frühchen, Säuglingen und Kleinkindern sei das „höchst gefährlich“.

Normalerweise trete RSV erst ab November auf. Nun käme es aber vor allem in Berlin, dem Rheinland und NRW zu Häufungen von Fällen und die Kliniken füllten sich. Dabei habe die Wintersaison gerade erst gestartet, wundert sich der Mediziner. Gespannt ist Fischbach auch auf die Grippesaison in diesem Jahr. Hinzu kämen noch die Corona-Infektionen. Fischbach erwartet weiter steigende Fallzahlen in den kommenden Wochen.

Phänomen: Winter-Viren in Israels Sommer

Auch beim Impfvorzeigeland Israel zeigten sich zeitliche Verschiebungen hinsichtlich des Auftretens der „Winter-Viren“. Dort wurde bereits im Juni gemeldet, dass zunehmend mehr Menschen an Atemwegserkrankungen litten – und zwar unüblicherweise im Sommer. Dabei ging es jedoch nicht um Coronaviren, sondern Viren, die gewöhnlich in jedem Winter gehäuft auftreten.

Dr. Tal Brosh, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten im Samson Assuta Ashdod Hospital, wunderte sich: Man habe so etwas noch nie gesehen – und was man im Krankenhaus beobachte, sei nur die Spitze des Eisbergs von dem, was in der Gemeinde vor sich gehe. „Seit dem Frühjahr sehen wir eine zunehmende Zahl von Atemwegserkrankungen und seit Mai gibt es einen Anstieg der RSV-Fälle“, so Brosh. Unklar bleibt jedoch, wie sich dieses Phänomen im kommenden Winter auswirken wird.



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