Aufpassen auf das Qi

Von 17. Januar 2012 Aktualisiert: 17. Januar 2012 19:02
Das Qi ist so wichtig wie das Wasser zum Leben laut der chinesischen Medizin, und es will richtig geschützt und geleitet werden

Qi ist dank Leuten wie Dr. David Eisenberg für viele Europäer kein Fremdwort mehr. Sein Buch mit dem Titel „Begegnung mit dem Qi“ beschreibt seine Erfahrungen. Trotzdem stellen weiterhin viele Leute mir gegenüber die Frage: „Was bedeutet Qi eigentlich?“ Zunächst einmal hat in der chinesischen Sprache das Qi mehrere Bedeutungen.

Die Definitionen von Qi
Als erste Bedeutung bezeichnet Qi die Energie, die uns umgibt. Für die verschiedenen Jahreszeiten gibt es verschiedene Arten von Qi. Zum Beispiel gibt es Wind für den Frühling, Hitze für den Sommer, Feuchtigkeit für den Spätsommer und Trockenheit für den Herbst. Im Winter spürt man das kalte Qi in der Luft.
Zum Zweiten bezieht es sich auf die Energie, die sich in unserem Körper manifestiert. Man kann sie fühlen. Blut und Flüssigkeiten zirkulieren im Körper, als würden sie vom Wind getragen. Manche Menschen spüren Kälte in ihren Extremitäten. Das geht bei manchen so weit, dass sie beim Schlafen Socken tragen.
Manche spüren Hitze, als wenn sie Fieber hätten, menstruationsbedingte heiße Schübe oder die Hitze, die nach einer Chemotherapie bei Brust- oder Prostatakrebs folgt. Wenn sich zu viel Feuchtigkeit im menschlichen Kreislauf befindet, manifestiert sich das in geschwollenen Gelenken, einem dicken schmierigen Belag auf der Zunge, Durchfall oder einem Gefühl der Schwere im Körper.
Die dritte Bedeutung des Qi steht für die Gefühle. Wenn jemand sehr wütend ist, sagt man, dass diesem Mensch das Wut-Qi in die Höhe schießt. Und wenn eine Person sehr glücklich ist, sagt man, dass er im Glücks-Qi gebadet hat. Tatsächlich sind Gefühle eine Form der Energie und daher Formen des Qi.
Die vierte Bedeutung des Qi ist Luft. Wenn die Menschen atmen, sagt man, dass sie Qi ein- und ausatmen.
Und fünftens steht es für die Energie, die zum Funktionieren der Organe benötigt wird. Es gibt also das Qi des Herzens, das Qi der Leber, das Qi des Blutes und das Verdauungssystem hat ebenfalls sein Qi. Wenn es sich in die richtige Richtung, in ausreichender Menge und gleichmäßig bewegt, dann hat man einen gesunden Körper und einen friedlichen Geist.
Probleme mit dem Qi
Wenn das Qi in Schwierigkeiten ist, wird der Körper krank und funktioniert nicht mehr richtig. Wenn das Qi zum Beispiel in die falsche Richtung fließt oder aufsässig wird, kann dem Menschen übel werden oder er wird kurzatmig, muss sich übergeben oder keuchen und husten.
Wenn das Qi kollabiert, können die Menschen Probleme damit bekommen, ihre Eingeweide oder ihre Blase unter Kontrolle zu halten oder die Organe erleiden einen Vorfall. Wenn das Qi aus der Balance gerät, erfahren die Menschen alle Arten von Symptomen, einschließlich Kälte, Fieber, Zittern, geschwollene Gelenke, Schwitzen beim Schlafen, hohen Blutdruck, Depressionen, Manien oder Aufregung und Angstzustände.
Qi zirkuliert auf jeder Ebene unseres Körpers von der Oberfläche bis ins Innere. Es erreicht jeden Punkt im Körper und lässt nichts unberührt. Es bewegt sich innerhalb von Kanälen, die Meridiane genannt werden. Die Struktur der Meridiane ist jedoch mikroskopisch zu klein, um sie mit moderner Technologie sichtbar zu machen.
Die Urväter der chinesischen Medizin hingegen hatten die Technologie oder die natürliche Fähigkeit, sie zu erkennen und diese energetische Ebene der menschlichen Existenz zu kartografieren. Sie entdeckten, dass bei Kummer unsere innere Energie beeinflusst wird und dass Blockaden und fehlgeleitetes Qi entstehen.
Wenn dieser Zustand nicht korrigiert wird, kann das zu weiteren Schäden führen und sich in heftigen Schmerzen, einem Tumor, verstopften Arterien, Krebs oder degenerativen Veränderungen und Ähnlichem äußern. Wie man sich vorstellen kann, gibt es im menschlichen Körper viele Stellen, an denen die Energie blockiert sein kann.
Wenn das Qi mangelhaft ist, kann das zu Schwächeanfällen führen oder der Stoffwechsel verlangsamt sich. Es kann vorzeitiges Altern oder Organversagen verursachen. Und wenn es schließlich ganz verschwindet, stirbt der Mensch.
Wenn man also eine gute Gesundheit erlangen, Krankheiten vermeiden und den Alterungsprozess verlangsamen will, muss man gut auf sein Qi achtgeben.
Das Qi ist noch einmal in zwei Arten unterteilt. Das eine erbt der Mensch von seinen Eltern bei der Geburt. Es wird das pränatale Qi genannt und der Großteil davon ist in den Meridianen der Nieren zu finden. Das pränatale Qi wird bei der Fortpflanzung gebraucht und dann an die Nachkommen weitergegeben. Das zweite ist das postnatale Qi, das man dank der Lungen- und Milz-Meridiane zumeist aus dem Essen und der Luft ansammelt.
Um die pränatale Energie aufrechtzuerhalten, sollte man sich schützen und das Qi so oft wie möglich auffrischen. Um die postnatale Energie aufrechtzuerhalten, sollte man eine gesunde und ausgewogene Diät einhalten, exzessives Essen und Trinken vermeiden, gut schlafen und einen moderaten Level an körperlicher Fitness einhalten. Praktizieren von Meditation und einem geeigneten Qigong sind dabei wichtige Punkte. Die emotionale Stabilität zu erhalten, ist der Schlüssel zu geöffneten Energiekanälen und sanft fließender Energie.
Akupunktur kann ein effektives Werkzeug zur Auflösung von blockierten Energiekanälen, zur Umleitung und Förderung des Energieflusses und eines ausgeglichenen Energiezustandes sein, sofern es geschickt und nach einer gründlichen Untersuchung eingesetzt wird. Als Königsweg zur Einflussnahme auf das Qi wirkt Akupunktur auf Körper und Geist. Pflanzliche Heilmittel, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden, können ebenfalls helfen, insbesondere mangelhaftes Qi zu ergänzen.
Dr. Yang ist ein führender Mediziner, Facharzt für Psychiatrie und internationaler Experte auf dem Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Er ist Lehrer und Praktizierender der TCM in vierter Generation und auf Akupunktur spezialisiert.
Den Originalartikel auf englisch finden Sie hier: http://www.theepochtimes.com/n2/health/take-good-care-of-your-qi-63719.html

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