Vorsicht Corona-Virus.Foto: Jane Barlow - WPA Pool/Getty Images

Medizinethiker: Corona-Versuch in Großbritannien „moralisch nicht vertretbar“

Von 21. Februar 2021 Aktualisiert: 21. Februar 2021 13:15
In Großbritannien haben Behörden grünes Licht für eine Studie gegeben, die als sogenannte Challenge durchgeführt wird und bei der sich Probanden freiwillig mit Corona infizieren lassen. In Deutschland scheitern Projekte dieser Art meist an hohen Hürden und Widerständen.

In der vergangenen Woche haben die Behörden in Großbritannien grünes Licht für die erste groß angelegte Human-Challenge-Studie gegeben, für die sich Freiwillige gezielt mit dem Coronavirus infizieren lassen. Die „UK COVID Challenge“ sucht dafür bis zu 90 Probanden im Alter von 18 bis 30 Jahren, die bereit sind, sich dem SARS-CoV-2-Virus „in einer sicheren und kontrollierten Umgebung“ auszusetzen.

Wie „Euronews“ berichtet, sollen junge Menschen bevorzugt in das Programm aufgenommen werden, da das Risiko eines schweren Verlaufs der Krankheit bei ihnen als am geringsten erscheint. Die Freiwilligen sollen 24 Stunden am Tag unter ärztlicher und wissenschaftlicher Überwachung stehen.

Bevor die Studie beginnen kann, musste die britische Aufsichtsbehörde für klinische Studien ihre Genehmigung erteilen. Dies ist, wie aus einer Mitteilung der Behörde hervorgeht, am Mittwoch geschehen.

Bereits in den kommenden Wochen soll das Projekt starten. Die kontrollierte Infektion der Teilnehmer und ihre Beobachtung sollen Erkenntnisse darüber vermitteln, wie das Immunsystem auf die Viren reagiert und in welcher Weise Corona-Infizierte Partikel an ihre Umgebung abgeben.

Nötige Virenmenge für Infektion soll getestet werden

In einer Folgestudie sollen wiederum Freiwillige infiziert und beobachtet werden – diesmal allerdings erst, nachdem ihnen zuvor ein neuer Impfstoff verabreicht wurde. Das Gesundheitsministerium betonte, die Sicherheit der Beteiligten werde im Vordergrund stehen. Getestet wird demnach auch mit der ursprünglichen Variante des Coronavirus und nicht mit der britischen Mutation, die nach derzeitigen Erkenntnissen zwar keinen schwereren Verlauf hervorruft, aber ein deutlich aggressiveres Ansteckungsverhalten zeigt.

Schirmherr der Studie ist das Imperial College in London. Erst soll getestet werden, welche Virenmenge erforderlich sei, um tatsächlich eine Infektion hervorzurufen. Anschließend sollen geimpfte Teilnehmer dieser Virendosis ausgesetzt werden, um den Schutzgrad der Impfung präziser einschätzen zu können. Unterstützend soll an Erkrankte auch Remdesivir verabreicht werden.

Medizinethiker: Corona-Versuch in Großbritannien „moralisch nicht vertretbar“

In Deutschland hat das Projekt Kritik hervorgerufen. Medizinethiker Joerg Hasford erklärte gegenüber der „Welt“, er halte die gezielte Infizierung freiwilliger Probanden mit dem Coronavirus „in moralischer Hinsicht für nicht vertretbar“. Auch bei jüngeren und gesunden Probanden sei ein schwerer Krankheitsverlauf nicht vollständig auszuschließen.

Zudem wisse man noch zu wenig über die Spätfolgen einer COVID-19-Infektion. Darüber hinaus sei es Ärzten nicht zumutbar, Menschen gezielt zu infizieren, ohne die Folgen abschätzen zu können. Dies widerspreche auch dem Eid, den man beim Eintritt in den Beruf geleistet habe.

In Deutschland bereits ähnliche Tests mit Cholera und Malaria

Gegenüber dem MDR äußert sich Hans Lilie, Spezialist für Medizinrecht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, über die Frage der Zulässigkeit solcher Versuche nach deutschem Recht. Grundsätzlich gäbe es diese Optionen und in den 1970er Jahren wurden schon einmal gesunde Menschen, die sich freiwillig gemeldet hatten, gezielt mit Cholera und Malaria infiziert, um die Wirksamkeit der Impfstoffe zu testen.

Die Hürden, die das Arzneimittelgesetz aufstelle, seien jedoch sehr hoch. In den Paragrafen 40 und 42 gehe es um solche Studien. Der Weg dorthin sehe mehrere Etappen vor: „Es muss eine Risiko-Nutzen-Abwägung stattfinden. Wir brauchen eine besonders umfassende, sorgfältige Aufklärung für die Probanden, die sich freiwillig zur Teilnahme entscheiden müssen. All diese Dinge werden immer einer Ethikkommission vorgelegt. Das sind schon mal drei hohe Hürden. Und weil es um Impfstoff geht, muss das Paul-Ehrlich-Institut eingeschaltet werden.“

Schutzimpfung mindert Risiko, beseitigt aber nicht die Krankheit

Was die Corona-Tests von jenen für die Malaria- oder Cholera-Impfstoffe unterscheide, ist, dass es noch keinen Wirkstoff gegen den Erreger selbst gäbe. Die Corona-Schutzimpfung verringert nach derzeitigen Erkenntnissen lediglich das Risiko eines schweren Verlaufs, macht jedoch nicht das Virus als solches unschädlich.

Lilie verweist zwar auf positive Erfahrungen, die mit der Verabreichung von Remdesivir bei Ebola gemacht werden konnten, einen endgültigen Nachweis über die Wirksamkeit gäbe es jedoch auch hier nicht.

Freiwillige melden sich vor allem des schnellen Geldes wegen

Auch der Nutzen, den die Studie bringe, sei noch nicht abschätzbar – eben, weil vergleichsweise weniger gefährdete Personen teilnähmen. Lilie sagte dazu: „Wenn ich bei jungen und gesunden Menschen eine kontrollierte Infektion in einem abgeschlossenen System hervorrufe, ist das etwas anderes, als wenn sich Menschen irgendwo in ihrem normalen gesellschaftlichen Umfeld infizieren. Von daher ist natürlich die Frage zutreffend: Sind die Ergebnisse, die man da erzielt, wirklich objektiv wissenschaftlich verwertbar?“

Der Medizinrechts-Experte bezweifelt, dass sich viele Probanden fänden, wenn diese im Vorfeld vollständig über die Risiken der Teilnahme aufgeklärt würden. Es gäbe natürlich immer Menschen, die bereit seien, ihre eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen, um der Allgemeinheit einen Dienst zu erweisen.

Im Regelfall würden sich Probanden jedoch melden, weil sie sich über das Entgelt freuten, das für die Teilnahme an einer solchen Studie bezahlt würde. Deshalb würden überwiegend Studenten teilnehmen. Lilie gibt jedoch auch seiner Einschätzung Ausdruck, dass das Risiko noch deutlich zu hoch sein könnte für den Umfang der finanziellen Gegenleistung.



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