Das Braunschweiger Oberlandesgericht verhandelte die Berufung im Schadenersatzprozess um den Göttinger Transplantationsskandal.Foto: Swen Pförtner/dpa/dpa

Organspendeskandal: Arzt darf auf Millionen-Entschädigung hoffen

Epoch Times5. Oktober 2020 Aktualisiert: 5. Oktober 2020 17:31
Im Organspendeskandal an der Göttinger Uniklinik 2012 wurde nun ein betroffener Arzt nach rechtlicher Bewertung freigesprochen. Bis heute wird gestritten, wie hoch seine Entschädigung sein soll.

Der im Göttinger Organspendeskandal freigesprochene Arzt darf weiter auf eine Millionen-Entschädigung hoffen.

Das Oberlandesgericht halte die Berufung Niedersachsens im Wesentlichen für unbegründet, sagte die Richterin am Montag in einer vorläufigen rechtlichen Bewertung. Mit dem Berufungsprozess in Braunschweig wehrt sich das Bundesland gegen eine Millionen-Zahlung an den im Transplantationsskandal freigesprochenen Mediziner. (Az.: 11 U 149/19)

Nach dem etwa einstündigen Vortrag der Richterin rechnen wohl alle Beteiligten damit, dass das Geld an den heute 53-Jährigen fließt. „Ich bin guter Dinge, dass dem Anspruch fast vollständig stattgegeben wird“, sagte sein Anwalt Jürgen Hoppe nach der Verhandlung. 2019 hatte das Landgericht Braunschweig dem Arzt rund 1,2 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen.

Vom Vorwurf des versuchten Totschlags und Körperverletzung freigesprochen

Der frühere Chirurg an der Göttinger Uniklinik wurde 2015 in einem bundesweit aufsehenerregenden Prozess vom Landgericht der Stadt vom Vorwurf des elffachen versuchten Totschlags und der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen. Zuvor hatte er fast das komplette Jahr 2013 in Untersuchungshaft verbracht und wurde erst nach Zahlung einer Kaution von 500 000 Euro entlassen.

Die Tatsache, dass der Mediziner eine Entschädigung bekommt, ist rechtlich unstrittig.

Bei der Höhe der Summe gehen die Vorstellungen aber weit auseinander. Nach seinem Freispruch hat der Arzt bisher 8500 Euro erhalten. Seine Forderung nach der Millionen-Entschädigung begründet er nicht nur mit der U-Haft und Zinsschäden durch die Kaution von 500 000 Euro. Es geht ihm vor allem um ein verpasstes Gehalt von 50 000 US-Dollar pro Monat in Jordanien, wo er eigentlich eine neue Stelle antreten wollte.

Die Braunschweiger Zivilkammer sah es im Urteil vom September 2019 als erwiesen an, dass der Arzt den Verdienstausfall wegen der U-Haft erlitten hat. Der ärztliche Leiter der jordanischen Klinik hatte als Zeuge bestätigt, dass es eine mündlich per Handschlag getroffene Vereinbarung mit dem Fixgehalt gab. Das Landgericht glaubte ihm und zumindest vorläufig rüttelt auch die nächsthöhere Instanz nicht an dieser Entscheidung. Ein Urteil soll am 28. Oktober verkündet werden. (dpa)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion