Prof. Kekulé zu Drosten-Studie: „Bin ganz sicher, er wird die Studie zurücknehmen“

Epoch Times1. Juni 2020 Aktualisiert: 1. Juni 2020 16:57
Die Debatte über eine Studie des Charité-Virologen Christian Drosten geht weiter. Virologe Alexander Kekulé betont: das umstrittene Papier, nachdem Kinder SARS-CoV-2 ähnlich verbreiten können wie Erwachsene, sei fehlerhaft und in der Form "nicht zu retten".

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, hat sich unlängst mit scharfen Worten gegen Kritik des Direktors des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle, Alexander Kekulé, an einer Studie zur Corona-Ansteckung von Kindern gewehrt. „Kekulé macht Stimmung, seine Darstellung ist tendenziös“, schrieb Drosten auf Twitter. Der Wissenschaftler kenne die Daten nicht und zitiere falsch.

Drosten verband die Kritik mit einem direkten persönlichen Angriff auf Kekulé, der wie Drosten regelmäßig zum Umgang mit SARS-CoV-2 Stellungnahmen veröffentlicht. „Kekulé selbst könnte man nicht kritisieren, dazu müsste er erstmal etwas publizieren.“ In der Gemeinschaft der Virologen spiele er „keine Rolle“.

Kekulé schrieb in einem Gastbeitrag für den Berliner „Tagesspiegel“, Drosten und sein Team hätten ihre Publikation zurückziehen müssen. Die Unsicherheit der Daten sei zu groß und das Verfahren für die statistische Auswertung ungeeignet.

Der Streit dreht sich um ein von Drosten und seinem Team Mitte April veröffentlichtes Papier, nach der Kinder das Virus ähnlich verbreiten können wie Erwachsene. Dies ist für die Frage relevant, in welchem Umfang Schulen und Kindergärten wieder öffnen können.

Drosten schilderte im „Norddeutschen Rundfunk“, für die Vorstudie bewusst mit „groben statistischen Werkzeugen“ gearbeitet zu haben. Am Ergebnis der Studie, dass Kinder SARS-CoV-2 ähnlich verbreiten, ändere dies aber nichts.

Kekulé: „Auf der Auswertungsseite sind ein paar Fragezeichen dran“

Nach der Kritik von Drosten meldete sich Kekulé erneut zu Wort. Im Interview mit dem „Deutschlandfunk“ sagte er am Freitag (29.5.): Drosten habe die Studie vorschnell und mit falschen Schlussfolgerungen veröffentlicht.

Im Prinzip könne das umstrittene Papier des Charité-Virologen nicht einmal als „Vorstudie“ bezeichnet werden. „Das ist ein Preprint, ein Vorabdruck, und keine Vorstudie. Das wird manchmal in den Medien so dargestellt, als wäre das eine Studie, die noch nicht fertig ist und quasi in einem Vorzustand zur Diskussion gestellt wird. Ich glaube auch, dass Christian Drosten das ein bisschen so gemacht hat“, erklärte der Wissenschaftler.

Schon bei der Veröffentlichung des Papiers sei es relativ deutlich gewesen, „dass da auf der epidemiologischen Seite, auf der Auswertungsseite ein paar Fragezeichen dran sind, dass man das Ergebnis, was da behauptet wird, nicht eins zu eins übernehmen kann“, sagte Kekulé.

Er habe aber „nicht noch einen Virologen-Streit anzetteln“ wollen – und verweist damit auf Drostens Attacken gegen Professor Hendrik Streeck. „Sie wissen, wie Herr Drosten vorher mit Herrn Streeck umgegangen ist. Ich war auch nicht der Meinung, dass man das jetzt öffentlich diskutieren muss, weil ich dachte, das wird sich dann schon irgendwann im Kreis der Kollegen ausreifen.“

Drosten habe aber „trotz der Kritik, die da im Raum stand, immer und überall gesagt: Die Ergebnisse sind trotzdem richtig. Er hat der ‚New York Times‘ gegenüber sogar gesagt – das hat international eine Welle geschlagen – selbst wenn man das statistisch noch besser auswertet, kommt man zu genau dem gleichen Ergebnis.“ Deshalb sei es wichtig, die Veröffentlichung von Drosten und seinem Team zu diskutieren, betonte der Mikrobiologe gegenüber dem „Deutschlandfunk“.

Kekulé sagte auch, dass Drostens Papier in der Form „nicht zu retten“ sei. Dies sei aber „kein Angriff“ auf seinen Kollegen. Denn, es komme ja öfter vor, dass man etwas schreibe und feststelle, „ups, da habe ich mich geirrt, da zeigen mir auch meine Kollegen, dass das so nicht funktioniert, dann ziehe ich das zurück und schreibe es noch mal neu“, so der Wissenschaftler.

Drostens Schlussfolgerung widerlegt

Die Schlussfolgerung von Drosten, dass Kinder ebenso infektiös wie Erwachsene seien, sei inzwischen schon „von fünf Statistikprofessoren“ widerlegt worden, erklärt Kekulé.

Wenn man dann sagt, die haben gar keine Ahnung von Epidemiologie, obwohl einer der Direktor eines Epidemiologischen Instituts in Zürich ist, dann ist das natürlich meines Erachtens auch nicht die richtige Antwort darauf.“

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Man könne dies schon sagen, aber es müsse inhaltlich diskutiert werden. Da helfe auch der Verweis nicht, dass die Statistiker keine medizinischen oder virologischen Fachleute seien, betonte der Wissenschaftler. Es gehe schließlich um Teamwork.

Mit Blick auf den kritischen Bericht in der „Bild“-Zeitung sagte Kekulé, dass „Drosten dadurch, dass er so festgehalten hat an diesen Ergebnissen und das auch immer wieder wiederholt hat und dann auch noch Geschichten erzählt hat, warum das dann doch alles richtig ist, meines Erachtens der BILD-Zeitung erst die Angriffsfläche gegeben, die dann zu dieser Auseinandersetzung geführt hat.“

Der Virologe ist aber davon überzeugt, dass Drosten den Preprint zurückziehen wird. Er sei sich „ganz sicher“, dass sein Kollege aus der Charité das Papier zurückzieht. Denn:

Er ist ja ein extrem seriöser Wissenschaftler, der seine Arbeit sehr ernst nimmt und der weiß, dass wir alle in dieser Krise uns extrem Mühe geben, irgendwas dazu beizutragen. Das betrifft auch die Leute, die Herr Drosten kritisiert.“

Kekulé würde es insgesamt auch lieber sehen, wenn „alle an einem Strang ziehen“. Bezüglich dessen, sei er sich auch „ganz sicher“, dass Drosten die Studie „natürlich zurücknehmen und eine neue schreiben wird“.

Nach dem „Deutschlandfunk“-Interview mit Kekulé vom Donnerstag, überraschte Charité-Virologe Drosten am Freitag mit der Aussage, dass er für die Öffnung von Schulen und Kitas sei. (so/afp)

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