Wirksamkeit der Schmerztherapie durch Schröpfen belegt

Von 4. Oktober 2009 Aktualisiert: 4. Oktober 2009 11:07

Manch einer unter uns hat sich bestimmt schon die Frage gestellt, was denn nun konkret die häufigste Erkrankung in Deutschland und der Welt ist – ist es denn die Depression? Oder gar der Herzinfarkt? Nein, so furchterregend oder niederschmetternd ist die Antwort laut Aussage des Robert Koch-Instituts nicht. Obwohl viele Foren-Teilnehmer im Internet es zu wissen scheinen, wird manchen die Antwort erstaunen: Es ist der Schmerz im Rücken, dicht gefolgt vom Kopfschmerz. Für diese nervenzehrende Volkskrankheit gibt es eine neue Therapierichtung, das blutige Schröpfen.

Der Forschergruppe um Professor Andreas Michalsen (Chefarzt im Immanuel Krankenhaus in Berlin), gelang es nun erstmals, durch eine klinische Studie die Wirksamkeit des blutigen Schröpfens zu belegen. Hierbei konzentrierte sich Professor Michalsen auf das Armschmerz-Syndrom (Brachialgie), das rund zwei Millionen Menschen in der Bundesrepublik durch nächtlichen Ruheschmerz, Kribbeln und Taubheit in den Fingern plagt.

Schröpfen führt zur Besserung von Schulterschmerzen

Häufig wird bei Patienten mit Armschmerzen beim Arzt ein Karpaltunnel-Syndrom diagnostiziert. Bei diesem Syndrom wird ein Nerv am Handgelenk eingeengt, sodass dieser die Nervenimpulse nicht mehr ausreichend weiterleiten kann und dadurch Missempfindungen entstehen. Es ist bekannt, dass die Armschmerzen durch Muskelverspannungen oft zu Schulter- und Nackenschmerzen führen. Hier sah Professor Michalsen die Gelegenheit, eine Behandlungsalternative gegen den Schulterschmerz zu etablieren. In der Tat zeigte sich bei etwa zwei Dritteln der Patienten eine Linderung der Schmerzen durch die Schröpf-Therapie, während bei einer Behandlung durch die Auflage eines wärmenden Ingwersäckchens sich nur bei einem Fünftel der Patienten die Schmerzen besserten.

Während der sieben Tage, in denen die Patienten beobachtet wurden, konnte darüber hinaus auch eine Linderung der Armschmerzen festgestellt werden; die Patienten gaben sogar eine Besserung bei der Beweglichkeit des schmerzenden Armes und der Lebensqualität an.

Professor Michalsen erklärt anhand der „aus der Anatomie bekannten Reflexzonen“ den Wirkmechanismus: „Das Schröpfen fördert die Durchblutung und die muskuläre Spannungslösung in einem bestimmten Areal (in dieser Studie im Schulterdreieck). Dies wiederum hat günstige reflektorische Effekte auf den betroffenen Nerv.“

Behandlungserfolg und die persönliche Schmerzwahrnehmung

Ungeklärt bleibt noch, ob die positiven Effekte über einen längeren Zeitraum anhalten. Rainer Lüdtke, Carstens-Stiftung, zuständig für die Biometrie der Forschungsarbeit, erklärte gegenüber der Epoch Times, dass es ein anspruchsvoller Prozess war, die entsprechenden Parameter zu finden, die den Verlauf und die Änderung der Beschwerden messbar und protokollierbar werden ließen. Es war eine Vorstudie nötig, um die Erfahrung zu gewinnen, wie der Verlauf der Beschwerden zielgemäß aufgezeichnet werden konnte. Nur aufgrund dieser Erfahrungen war es möglich, eine Studie zu pla- nen und durchzuführen, deren Ergebnisse nun so deutliche Besserung aufzeigen.

Obwohl die Schmerzbehandlung durch das blutige Schröpfen von allen Probanden als nicht schmerzhaft beschrieben wurde, bleiben weiterhin viele Fragen – insbesondere im Vergleich zu anderen Behandlungsalternativen – offen.

Diese Studie belegt anhand von Aussagen einer Probandengruppe einen deutlichen Vorteil der Schröpf-Therapie von 40 Prozent gegenüber einer alternativen Standard-Behandlung, doch trifft die Studie Aussagen in Form eines Prozentanteils einer Probandengruppe und ermittelt Wahrscheinlichkeiten für die Allgemeinheit. Die Entscheidung, welche Schmerztherapie gewählt wird, bleibt jedem Patienten selbst überlassen und ist abhängig davon, wie er den Schmerz wahrnimmt und ertragen kann. Sie ist auch davon abhängig, inwieweit er sich selbst ändern kann im Kampf gegen den chronischen Schmerz, um dadurch seine persönliche Schmerzwahrnehmung zu verringern und die Lebensqualität zurückzugewinnen.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 31/09

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