Ärger, der aufs Herz schlägt

Von 13. Dezember 2009 Aktualisiert: 13. Dezember 2009 21:58
Sich zielsicher aus der eigenen Stresswolke herauszubringen schont das Herz

Es ist eine bewundernswerte Fähigkeit, seinen Ärger bewältigen und auflösen zu können. Männer haben nämlich ein doppelt so hohes Herzkreislaufrisiko, wenn sie Ärger immer nur unbewältigt verdrängen. Auch spielt es keine Rolle, ob der unverdaute Ärger sich etwa durch Kopf-, Magenschmerzen oder Verdauungsbeschwerden zeigt – die psychische Anspannung bleibt und schlägt aufs Herz, wie Forscher des Stressforschungsinstitutes der Universität Stockholm herausfanden.

Müde lässt man sich gerne nach dem anstrengenden Arbeitsalltag ins Sofa fallen. Über den Frust, Ärger und Ungerechtigkeiten des Tages zu reden – ein Tabu; die netten, motivierenden Worte der Ehefrau, heute Abend noch etwas zusammen zu unternehmen, rufen nur weitere Unzufriedenheit hervor, bis schließlich auch ihre Worte immer unfreundlicher ausfallen. Dass Männer, denen das Ventil zum Ablassen von der Spannung und dem Stress des Tages fehlt, zudem auch noch ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt haben, zeigte sich in der aktuellen Studie durch die Befragung an etwa 2800 Angestellten. Glaubt man diesen Studienergebnissen, so heißt es: Zeit für einen Wechsel für all diejenigen, die nicht zielsicher aus der eigenen, trüben Stresswolke herausfliegen können.

Um Erkenntnisse über das Herzinfarktrisiko zu erhalten, haben schwedische Wissenschaftler die Daten von 2.755 männlichen Angestellten analysiert. Allen Männern dieser Studie war gemeinsam, dass sie zu Beginn der Studie noch keinen Herzanfall erlitten hatten. Das Augenmerk wurde bei der Befragung auf den Umgang mit Konflikten im Berufsleben gelegt. Constanze Leineweber und ihre Gruppe berichten über einen starken Zusammenhang zwischen dem aufgestauten Ärger und den aufgetretenen Herzerkrankungen in ihrer Veröffentlichung im Journal of Epidemiology and Community Health.

Die körperlichen Auswirkungen unterdrückten Ärgers

Ärger hat eine direkte Wirkung auf unseren Körper. Der Körper fühlt sich bedroht und schüttet Adrenalin/Noradrenalin aus. Der Körper bereitet sich auf Kampf und Flucht vor. Dieses Reaktionsmuster garantierte in den vergangenen Jahrtausenden das Überleben des Menschen. Allerdings erweist es sich in Bezug auf die heutigen psychischen Anforderungen als nachteilig: Als ob man vor jemandem fliehen müsste, schnellt bei Ärger immer noch der Blutdruck in die Höhe. Es entsteht Nervosität, die Aufmerksamkeit und die Sicht engen sich ein, die Verdauung und die Ausscheidung wird auf ein Minimum reduziert, während die Muskeln verstärkt versorgt werden.

Während es durch diese Reaktionen immer schwieriger wird, einen kühlen Kopf zu bewahren und trotzdem noch eine Lösung zu finden, steigt der Ärger weiter zusammen mit dem Blutdruck an und wird zu einer schwerwiegenden Belastung für das Herz – die Folge sind häufigere Herzinfarkte oder andere schwere Herzerkrankungen bei den Menschen, denen es nicht gelingt, diesen Kreis des sich selbst verstärkenden Ärgers zu unterbrechen und die Konflikte zu bereinigen.

Überlebensvorteil durch die Auflösung und Annahme von Konflikten

Wissenschaftler führen das unterschiedliche Herzkreislaufrisiko auf verschiedene Strategien zurück, bei denen die Konflikte für sich behalten und nicht bewältigt oder aufgelöst wurden. Entsprechend wurden die Teilnehmer der Studie befragt, wie sie mit Konflikten im Beruf umgehen: Ob sie Ereignisse vorübergehen lassen, Kommentare oder Meinungen unterdrücken, aus einem Konflikt aussteigen, sozusagen dem Konflikt ausweichen und davonlaufen. Gefragt wurden die Teilnehmer weiter, ob sie unter Kopf- oder Magenschmerzen leiden oder schlechte Laune zu Hause auslebten.

Gleichzeitig wurden in der Studie auch bekannte Faktoren, die zu einem erhöhten Herzkreislaufrisiko führen, wie z. B. Rauchen, Alkoholkonsum, Blutfettwerte, Körpergewicht, Anforderungen im Beruf und Entscheidungsfreiheit mit untersucht und so ein durchschnittlich zu erwartendes Herzkreislaufrisiko errechnet. Die 2800 Studienteilnehmer wurden über einen Zeitraum von bis zu 11 Jahren beobachtet; sie waren zu Beginn der Studie durchschnittlich 41 Jahre alt. Während dieser Zeit ereignete sich bei 47 der etwa 2800 Männer ein Herzanfall oder eine weitere Herzerkrankung, die zu ihrem Tod führte.

In der Auswertung der Studienergebnisse zeichnete sich ab, welche Auswirkungen die verschiedenen Konfliktlösungsstrategien auf das Herzkreislaufrisiko haben und welchen Überlebensvorteil man hat, wenn man in der Lage ist, Konflikte leicht nehmen, angehen und auflösen zu können. Unter den Studienteilnehmern verfügten diejenigen, die häufig einem Konflikt auswichen oder nichts sagten, über ein doppelt so hohes Herzinfarktrisiko wie die Männer, die in unangenehmen Situationen einen kühlen Kopf bewahren konnten und fähig waren, sich der Situation zu stellen und sie tugendhaft zu lösen.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 48/09

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