Das Übergewicht von Kindern an der Wurzel packen

Von 8. Januar 2012 Aktualisiert: 7. Juli 2016 19:19
Was braucht es, um die ständig steigende Zahl von Kindern mit Übergewicht zu reduzieren? Es gibt dafür keine einfache Antwort und in jedem Jahr legen Kinder immer mehr an Gewicht zu. Wieso also nicht etwas Neues ausprobieren, die Sache bei der Wurzel packen?

Der Kanadier Dr. Stanford Dobbin, ein verschmitzter Ire und Hausarzt aus Niagara, machte den Versuch. Es ist ein beispielhaftes Vorgehen für ganz Kanada. Dobbin, der an der Universität Queens in Belfast studierte, hat ein Vorbild: Professor Frank Pantridge, einen Herzspezialisten aus Belfast. Dieser revolutionierte die ambulante Herz-Kreislauf-Behandlung. Pantridge erkannte als erster, dass unzählige Leben Herzkranker in Irland und überall gerettet werden können, wenn Rettungswagen Defibrillatoren mit sich führen.

Von dieser Arbeit angeregt, entwickelte Dr. Dobbin 1977 „Heart Niagara” (Niagaraherz) und 1987 das Niagara-Schulprogramm. Sein Ziel war die Prävention von Übergewicht und den Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen, die bereits bei Kindern auftreten. Ein Mammutprojekt für diese kleine Region mit wenig Budget.

Die Kinder zeigten anfangs wenig Interesse, aber dass ein kleiner Pieks in den Finger ausreichte, um den Cholesterinspiegel zu bestimmen, weckte dann doch ihre Neugier.

Es zeigte sich, dass viele nicht an ihr Übergewicht glaubten. Dicke Kinder waren sich weder bewusst, dass sie es tatsächlich sind, noch meinten ihre übergewichtigen Eltern, dass es Gewichtsprobleme gebe.

Was hat Heart Niagara inzwischen erreicht? Zwischen 2002 und 2011 schulten Don Gibson und Karen Stearne mit ihrem kleinen Team 50.000 Kinder. Momentan registrieren sie aus der Region mit Hilfe des Kinderhospitals von Toronto jährlich die Daten von 4.000 Neuntklässlern.

Es werden Körpergewicht, Taillenumfang, BMI, Blutdruck und Cholesterinwerte erfasst. Und jedes Jahr werden mehrere hundert Kinder an ihre Hausärzte überwiesen, da sie das Risiko zukünftiger Koronar- und anderer Erkrankungen aufweisen.

Das Ergebnis der Untersuchung ist erschreckend: Bereits fünf Prozent der Kinder weisen signifikant erhöhte Cholesterinwerte auf. Die Gruppe der 14- bis 15-Jährigen zeigt durchgehend mindestens einen Risikofaktor für Herzerkrankungen. Ein alter Spruch aus Irland scheint sich auch hier zu bewahrheiten: „Kinder graben sich mit den Zähnen das eigene Grab.”

Viele Ergebnisse waren nicht neu. Studien zeigen, dass 75 Prozent der Kinder übergewichtig werden, wenn beide Eltern Übergewicht haben. Es ist auch allgemein bekannt, dass die Risiken einer Herzerkrankung durch schlechte Essgewohnheiten, fehlende Bewegung, zu viel Fernsehen und Armut entstehen.

Neu ist hier allerdings die Feststellung, dass Übergewicht im Kindesalter später ebenfalls zu Folgeerkrankungen führt. Das früh zu erkennen, half die Region gesünder zu machen und die Kosten für spätere Folgeerkrankungen niedriger zu halten.

Ich fragte Dr. Dobbin, weshalb diesem Projekt so geringe Aufmerksamkeit seitens der Behörden und Organisationen des Gesundheitswesens zu Teil wurde, wieso seinen Bitten um Finanzhilfen nicht Gehör geschenkt wurde. Die Antwort überraschte mich nicht: „Wenn wir das Projekt in Toronto oder in einer anderen größeren Stadt angestoßen hätten, wäre es etwas anderes gewesen.” Die Umgebung der Niagarafälle kann zwar mit weltbekannten Naturwundern aufwarten, aber nicht mit medizinischen Errungenschaften.

Jahrelang hat sich Niagara Heart also mit kleinstem Budget durchgeschlagen. Sie haben gezeigt, dass nicht die Größe des Hundes den Kampf entscheidet, sondern die Größe des Kampfgeistes.

Der Erfolg dieses Projektes sollte ermutigen, es im ganzen Land zu wiederholen. Es ist ein grundlegender Ansatz, Übergewicht früh zu erkennen und bereits in der Grundschule vorzubeugen. Wenn wir das Problem nicht bei Kindern in dem Alter anpacken, sollten wir uns nicht selbst etwas vormachen und glauben, dass es später immer noch in den Griff zu bekommen ist. Wie können die Regierung, Mediziner und Gesundheitsbehörden nur so wenig Reaktion hinsichtlich des Projektes zeigen?

Dr. Gifford-Jones ist Medizinjournalist mit Privatpraxis in Toronto. Homepage: DocGiff.com. Er ist unter folgender Adresse erreichbar: [email protected]



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