Gesundes Gedächtnis bei schrumpfender Gehirnmasse

Von 18. November 2011 Aktualisiert: 18. November 2011 0:19
Studien zeigen, dass sich das durch den Alterungsprozess bedingte Schrumpfen der Gehirnmasse nicht auf das Erinnerungsvermögen auswirkt

Das Schrumpfen der Gehirnmasse ist ein im Alter häufig auftretendes Symptom. Es kann mit ungefähr 60 Jahren einsetzen. Laut Studienergebnissen wirkt sich dieser Rückgang jedoch nicht auf die individuelle Denk- oder Lernfähigkeit aus. Gleichzeitig kann eine höhere Schulbildung oder regelmäßige geistige Beschäftigung altersbedingten Erkrankungen wie Demenz oder Alzheimer vorbeugen. Die Ergebnisse schlagen ein Überdenken der langjährigen Lehrmeinung über die Auswirkungen der altersbedingten Gehirnschrumpfung vor.

Diese aktuellen Forschungsergebnisse sind Teil eines Forschungsgroßprojektestes namens „PATH Through Life“, das von der Australischen Nationaluniversität durchgeführt wird. Dieses Großprojekt sammelt und ermittelt seit mehr als 20 Jahren Daten über Demenz, Depression und Angst in verschiedenen Lebensaltersgruppen.

Professor Helen Christensen von der Australischen Nationaluniversität, Direktorin des Zentrums für Geistes- und Gesundheitsforschung (CMHR), unterstreicht: „Die allgemeine Lehrmeinung besagt, dass das Gehirn mit zunehmendem Alter schrumpft und dass diese Schrumpfung mit einem schlechteren Gedächtnis und Denken verbunden ist.“

Aber: „Die Lehrmeinung sieht auch vor, dass höhere Bildung oder eine weiterführende, nachhaltige intellektuelle Beschäftigung eine bessere Anpassung in Bezug auf die Auswirkungen der Altersentwicklung des Gehirns ermöglichen“, sagt Professor Christensen. „Unsere Ergebnisse unterstützen keine dieser Überzeugungen. Es ist bekannt, dass das Gehirn im Laufe des Lebens schrumpft, obwohl wir den genauen Mechanismus, der dem Prozess zugrunde liegt, noch nicht genau kennen. Gleichzeitig gibt es überragende individuelle Unterschiede.“

„In dieser Studie fanden wir heraus, dass im Durchschnitt Männer im Alter von 64 Jahren kleinere Gehirne haben als Männer im Alter von 60 Jahren. Trotz dieser Schrumpfung sind kognitive Funktionen – wie etwa Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit – nicht betroffen“, erklärt Professor Christiansen. „In der vorliegenden Studie fanden wir somit keinen Zusammenhang zwischen der Schrumpfung des Gehirns und dem Bildungsniveau.“

Gleichzeitig gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Bildungsstand und der Entwicklung von schwerwiegenden Gedächtnisproblemen wie die Ausbildung von Demenz oder Alzheimer. Im Gegensatz zur Bildung, die in Bezug auf Demenz eine vorbeugende Wirkung hat, war bislang wenig über das Schrumpfen der Gehirnmasse und dessen mögliche Auswirkungen bekannt.

Ungenutzte Gehirnareale oder -kapazitäten

Eine mögliche Erklärung liegt in der modellhaften Vorstellung, dass der Mensch lediglich etwa ein Zehntel seines Gehirns im Alltag einsetzt. Mit der Entdeckung der bildgebenden Untersuchungsmethoden (fMRT) ist es möglich geworden, die Gehirnaktivität in einzelnen Gehirnregionen im Zeitverlauf darzustellen. Diese Aufnahmen konnten zeigen, dass es zumindest kaum Gehirnareale gibt, die stets ungenutzt bleiben und einfach brachliegen.

Gleichzeitig haben weitere Forschungen gezeigt, dass ein gut geschultes Gehirn deutlich mehr Reserven hat und es so wesentlich langsamer zu einer Demenzerkrankung kommt als bei Menschen mit einer weniger guten Schulbildung oder anhaltender geistiger Beschäftigung. So hat die Studie unter der Leitung von Eileen Crimmins von der Davis School für Alterungsmedizin an der Universität von Südkalifornien nachweisen können, dass bereits eine reguläre Schulbildung von mindestens zwölf Jahren zu einer wesentlich späteren Ausprägung von Alzheimer führt.

Insofern kann Einsteins Zitat vielmehr auf die intellektuelle Kapazität und Leistung des Gehirns als auf die Anzahl der „genutzten“ Gehirnzellen bezogen werden – und dieser Anteil an ausgeschöpfter Kapazität ist es, die in den Studien eine deutlich vorbeugende Wirkung – etwa gegen Alzheimer – gezeigt hat. Einstein soll einmal das Geheimnis seiner Entdeckungen witzelnd kundgetan haben: „Die meisten Menschen nutzen nur fünf bis sechs Prozent ihrer Gehirnkapazität. Ich nutze sieben Prozent!“ (Quelle: Science Daily)

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