Tabletten für die Nachwelt

Von 20. Oktober 2011 Aktualisiert: 20. Oktober 2011 23:09
Wissenschaftlich betrachtet, ist in vielen Fällen der Schaden, den die Medikamente durch ihre Nebenwirkungen auf den Körper und die Umwelt ausüben, höher als ihre therapeutische Wirkung.

„Und der Arzt hat mir noch nicht einmal ein Rezept mitgegeben.“ Ein bei Patienten häufig auftretendes missmutiges Gefühl, wenn sie vom Arztbesuch mit leeren Händen oder „nur“ mit guten Ratschlägen bepackt nach Hause zurückkehren.

Bis zu 90 Prozent der eingenommenen Medikamente werden vom Körper nur geringfügig verstoffwechselt wieder ausgeschieden – und gelangen so ins Trinkwasser zukünftiger Generationen. Außerdem sind heutige Wasseraufbereitungsanlagen nicht in der Lage, die medizinischen Wirkstoffe aus dem Wasser herauszufiltern. In Berlin wurden bei Trinkwasseruntersuchungen bereits deutliche Mengen an Antibiotika im Trinkwasser gefunden.

Zurückhaltung und Sorgfalt bei den Tabletten

Während früher Medikamente großzügig verschrieben wurden, geht die Ärztewelt im Zeitalter der auf Beweisen gegründeten (evidenzbasierten) Medizin mehr und mehr dazu über, die Vor- und Nachteile von Tabletten gründlich abzuwägen und bei der Verschreibung von Medikamenten sorgfältig und zurückhaltend zu sein – nicht zuletzt auch veranlasst durch die Budgeteinschränkung bei Hausärzten. Gleichzeitig werden die Neben- und Umweltauswirkungen der großen Mengen an hergestellten Tabletten immer deutlicher.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass viele Medikamente wie Erkältungs- und Hustenmittel oder selbst Antibiotika keine nachweisbaren Vorteile in Bezug auf den Krankheitsverlauf zeigen. So schlagen neuere Ärzteleitlinien einen vollständigen Verzicht auf Antibiotika bei normal verlaufenden Mittelohrentzündungen bei Kindern vor. Andere Mittel werden heute hingegen nicht mehr verschrieben. Bei ihnen hat sich bei näherer Untersuchung gezeigt, dass ihr Heileffekt dem von wirkstofffreien Zuckertabletten (Placebo-Effekt) gleicht!

In der Größenordnung von Pestiziden

Wenn man täglich Medikamente einnimmt oder Lotionen aus der Apotheke auf der Haut aufträgt, ist man sich selten darüber bewusst, dass diese Medikamente in Zukunft in die Nahrung von Pflanzen, Fischen und schließlich anderen Mitmenschen gelangen – diese Medikamente therapieren dann andere Menschen „rezeptfrei“.

„Die Menge der Medikamente und Körperpflegeprodukte, die jährlich in die Umwelt gelangen, entspricht in etwa der Menge der jährlich verwendeten Pestizide“, erklärt der Fachexperte und führende Forscher Dr. Christian Daughton von der Universität in Las Vegas, USA. Jüngste Fortschritte in der Wissenschaft ermöglichen, dass das Vorkommen von Arzneimittelrückständen genauer verfolgt und nachgewiesen werden kann. Obwohl die Situation seit Jahrzehnten bekannt ist, sind gesundheitsschädigende Auswirkungen der Arzneimittelrückstände im Trinkwasser bisher wenig untersucht worden. Folglich gibt es auch keine Grenzwerte oder industrielle Standards für einen maximal erlaubten Gehalt an bestimmten Arzneimittelrückständen im Trinkwasser.

Gesundheitsschädliche Wirkungen nachgewiesen

Verschiedene Wasseruntersuchungen in Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien beweisen die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Arzneimittelrückständen. Im Berliner Trinkwasser hat eine Studie erhebliche Mengen an Antibiotika und zahlreichen weiteren Medikamenten wie Schmerzmitteln, Hormonen, Cholesterinsenkern und sogar hochgiftigen Krebsmedikamenten nachgewiesen.

Citalopram ist eines der Medikamente, die bei Depressionen am häufigsten verschrieben werden. Deutliche Mengen von Citalopram wurden im Trinkwasser Großbritanniens sowie in Fischen in Texas, USA gefunden. Blutuntersuchungen ergaben, dass dieses Citalopram im Blut von Menschen zu finden war, obwohl sie nie Citalopram in Form von Tabletten eingenommen hatten, jedoch citalopramhaltigen Fisch aus Texas gegessen hatten. Fluoxetin, der Wirkstoff von Citalopram, ist dafür bekannt, die Funktion der Schilddrüse zu hemmen. So wurden bei Fröschen und Fischen in den entsprechenden Gebieten bereits Entwicklungsverzögerungen beobachtet.

Eine weitere alarmierende Wirkung zeigt sich im Hinblick auf die männliche Fruchtbarkeit. In Großbritannien haben Untersuchungen gezeigt, dass die durchschnittliche Spermienanzahl bei Männern in den letzten 50 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Während die durchschnittliche Spermienanzahl vor 50 Jahren um das Zehnfache über der kritischen Schwelle lag, befindet sich die aktuell gemessene durchschnittliche Spermienanzahl nur noch knapp über dem kritischen Schwellenwert: Sie überschreitet die Schwelle lediglich um das Dreifache. Diesem Untersuchungsergebnis entsprechd sind die Fälle von männlicher Unfruchtbarkeit deutlich gestiegen.

Zudem steigt die Häufigkeit von Brust-und Gebärmutterkrebs weiter an. Auch die Pubertät beginnt immer früher. Nach aktuellem Stand ist schwer zu sagen, zu welchem Anteil die im Trinkwasser gefundenen Östrogene für diese Entwicklungen verantwortlich sind. Doch gehen Experten davon aus, dass vor allem bei Jugendlichen, deren Körper noch keine eigenen Östrogene produzieren, die Östrogenrückstände im Trinkwasser eine große Wirkung ausüben können.

Des Weiteren können sich im Trinkwasser vorkommende Industriechemikalien wie Bisphenole aus Kunststoffen an Östrogenrezeptoren im Körper binden oder die Rezeptoren sogar dauerhaft blockieren und können somit eine ähnliche oder stärkere Wirkung als das Östrogen selbst im Körper auslösen. Im Tierreich haben die im Wasser häufig nachweisbaren Bisphenole bereits zu einer Verweiblichung bei Fischen, Ottern und Fröschen geführt.

In Nebraska konnten die Auswirkungen einer Viehzuchtanlage auf die Fische im Wasser genau beobachtet werden. Im Flussverlauf hatte man die Fische oberhalb und unterhalb einer Viehzuchtanlage untersucht. Die Fische unterhalb der Viehzuchtanlage wiesen im Gegensatz zu den Fischen oberhalb der Zuchtanlage deutliche Zeichen der Unterentwicklung bei beiden Geschlechtern auf. Den Kühen dieser Zuchtanlage wurden sowohl männliche als auch weibliche Hormone zur Wachstumssteigerung verabreicht.

Naturheilmittel oder Aktivkohle helfen

Der Arzneimittelgehalt im Trinkwasser kann durch technische Mittel gereinigt werden. Verschiedene Aktivkohle-Wasserfilter können beispielsweise das Trinkwasser reinigen. Deutlich schwieriger gestaltet sich der Schutz vor Arzneimittelrückständen in Nahrungsmitteln. Da die verwendeten Medikamente zu einem Teil unausweichlich in Nahrungsmittel gelangen, die in Lebensmittelmärkten angeboten werden, ist ein sorgfältiges Abwägen im Hinblick auf die Verwendung von Tabletten unausweichlich. Ein weitreichender Einsatz von Naturheil- oder homöopathischen Mitteln bietet eine nachhaltige Lösung – was die Ausscheidung anbetrifft – in Bezug auf Arzneimittelrückstände in der Nahrungskette an.

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