Schuppenflechte (Psoriasis) zählt zu den häufigsten entzündlichen Hautkrankheiten im Westen.Foto: iStock

Schuppenflechte: Wenn der eigene Körper Krieg führt, steigt das Krebsrisiko

Von 19. Oktober 2019
Wenn der Körper Krieg führt stehen sowohl Organe wie Gewebe unter Dauerbeschuss. So ist es auch bei der Schuppenflechte (Psoriasis). Mit dem Ausbrechen der Erkrankung tobt ein permanenter Abwehrkrieg. Der Einfluss von Psoriasis auf den Körper reicht vom Juckreiz über psychische Instabilität bis zum erhöhten Krebsrisiko.

Schuppenflechten sind weit mehr als nur Läsionen der Haut. Oberflächlich scheinen die Betroffenen an einer trockenen, empfindlichen und schuppigen Haut zu leiden. Tatsache ist jedoch, dass die natürliche Funktion der Haut – als Barriere zu dienen – durch die offenen Stellen nicht mehr im vollen Umfang gewährleistet wird.

Dadurch können physikalische sowie chemische Umweltreize leichter in den Körper eindringen und Enzündungsreaktionen auslösen. Langfristig gesehen führt dies zu Herzkreislauf-, Verdauungs- und psychischen Problemen. Chronische Entzündungsreaktionen bei Schuppenflechte und Psoriasis-Arthritis beeinflussen Stoffwechselvorgänge, dazu zählen die Funktionen Herz-, Darm- und Gehirntätigkeiten.

Schuppenflechte, die häufigste Hauterkrankung im Westen

Psoriasis zählt zu den häufigsten entzündlichen Hautkrankheiten im Westen. Geforscht wird in diesem Bereich ständig, da die Schuppenflechte für weitere chronische Erkrankungen die Tore öffnet.

Erhöhte Entzündungsmarker im Blut sind wie ein Dauerfeuer von Entzündungsstoffen auf Organe und Gewebe. Die Folge dessen ist, dass betroffene Gewebe bleibende Schäden nehmen können, während die Entzündung – trotz Behandlung – bestehen bleibt.

Alex Trafford von der Universität Manchester veröffentliche 2019 eine Studie, in der er untersuchte, ob chronische Entzündungen die Krebsrisikofaktoren erhöhen. Die erhobenen Daten zeigen, dass dadurch – je nach Schwere der Schuppenflechte – das Krebsrisiko um 18 bis 22 Prozent erhöht ist. Die Datenauswertung aus 58 Beobachtungsstudien ergeben: Psoriasis erhöht das Krebsrisiko in Mundhöhle, Speiseröhre, Leber, Kehlkopf sowie der Haut und in weiteren Organen.

Den Forschern gelang es jedoch nicht zu beweisen, dass Schuppenflechten prinzipiell Krebsrisikofaktoren erhöhen. Daher wird die Abhandlung als Evidenz gezählt. Folgend empfehlen diese: Für an Schuppenflechte erkrankte Personen sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie bei Colitis ulcerosa oder dem Barrett-Ösophagus sinnvoll. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin „JAMA Dermatology” veröffentlicht.

Das Magazin „heilpraxis“ beschreibt das Fazit der britischen Forscher folgendermaßen:

Zukünftige Forschungsarbeiten, die sich mit spezifischen Lebensstilfaktoren, Behandlungen und den entzündlichen Prozessen befassen, die zur Psoriasis führen, könnten dazu beitragen, zusätzliche Informationen über die zugrunde liegenden Mechanismen für das scheinbar erhöhte Krebsrisiko zu liefern“.

Defekte im Kommunikationssystem der Haut erhöhen das Krebsrisiko

Altbekannt ist die Wahrscheinlichkeit, an Brust- und Darmkrebs wie auch für Glioblastomen (Hirntumore) zu erkranken, wenn chronische Entzündungen vorhanden sind.

Die Forscher um Professor Michael Boutros am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg entdeckten 2013, dass Enzündungsreaktionen besonders Fehler in sogenannten Wnt-Signalweg verursachen. Dies wiederum erhöht das Krebsrisiko.

In der Pressemitteilung des DKFZ wurde dies folgendermaßen erklärt:

Damit die Hautzellen miteinander kommunizieren können, müssen die Moleküle nach außen gelangen. Dafür werden die Wnt-Moleküle mit Hilfe des Proteins Evi an die Zellwand transportiert und aus der Zelle geschleust. Außen binden sie an benachbarte Zellen und lösen dort Signale aus, die beispielsweise zur Produktion von Botenstoffen führen oder das Zellwachstum antreiben.“

Ein Defekt am Evi-Protein zeigte ein ähnliches Krankheitsbild wie bei Schuppenflechte. Auf zellulärer Ebene führt diese Fehlfunktion zu Störungen in der Informationsweitergabe innerhalb der Moleküle. Damit kann eine spezifische Immunzellenbildung (DETC) nicht aktiviert werden. Dieser Systemfehler wird auch bei Psoriasis-Patienten vermutet.

Dr. Iris Augustin sagt, dass normalerweise Eindringlinge aus dem Blut abgewehrt werden können, wodurch Entzündungen vorgebeugt wären. Doch bereits 2012 konnte festgestellt werden, dass bei Krebsarten wie Glioblastomen, sowie Brust- und Darmkrebs eine erhöhte Evi-Konzentration vorhanden ist. Iris Augustin beschreibt:

 Dadurch werden die Wnt-Signale vermutlich verstärkt, das könnte unsere Beobachtung erklären, warum diese Krebszellen schneller wachsen.“

Derzeit wurde noch nicht bewiesen, ob die Hemmung von Evi und damit die Blockade des Wnt-Signalwegs das Tumorwachstum stoppen könnte.



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