Studie: Katzen können sich mit SARS-CoV-2 infizieren und übertragen – zeigen aber keine Symptome

In einer Mitte Mai veröffentlichten Studie berichten Wissenschaftler in den USA und Japan, dass sich Katzen im Labor leicht mit SARS-CoV-2 infizieren und das Virus möglicherweise auf andere Katzen übertragen können.
Titelbild
Ein Kätzchen im Grünen. Gemäß der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC gibt es "keine Rechtfertigung dafür [...], Maßnahmen gegen Haustiere zu ergreifen."Foto: iStock
Von 15. Mai 2020

Katzen können sich mit SARS-CoV-2 infizieren und vermutlich auf andere Katzen übertragen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher unter Leitung von Yoshihiro Kawaoka, Professor für pathobiologische Wissenschaften an der University of Wisconsin (UW) School of Veterinary Medicine.

Die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie besagt auch, dass Katzen, trotz Infektion, keine Krankheitssymptome aufweisen und das Virus binnen weniger Tage selbstständig wieder verschwindet.

Symptomfrei bis zur „Genesung“

Zu Beginn der Untersuchung verabreichten die Forscher drei Katzen SARS-CoV-2. Bereits am nächsten Tag konnten sie das Virus in Abstrichen der Nasengänge zweier Katzen nachweisen, innerhalb von drei Tagen bei allen Katzen. Ab dem zweiten Tag bekamen die Katzen Gesellschaft von jeweils einer weiteren, nicht infizierten Katze. Binnen sechs Tagen wiesen die Forscher SARS-CoV-2 in nasalen Abstrichen aller sechs Katzen nach. In parallel untersuchten Rektalabstrichen fand man den Erreger nicht.

Die Infektion der Katzen dauerte jeweils bis zu sechs Tage bevor das Virus aus den Abstrichen vollständig verschwand. „Keine der Katzen zeigte Anzeichen einer Krankheit“, berichtete Kawaoka.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Katzen in der Lage sein könnten, sich mit dem Virus zu infizieren, wenn sie infizierten Menschen oder anderen Katzen ausgesetzt sind. Zuvor hatte eine andere Studie gezeigt, dass Katzen und Frettchen sich infizieren können.

„Das ist etwas, das die Menschen im Auge behalten sollten“, sagt Peter Halfmann, ein Forschungsprofessor an der UW. „Wenn sie in ihrem Haus unter Quarantäne stehen und sich Sorgen machen, COVID-19 an Kinder und Ehepartner weiterzugeben, sollten sie sich auch Sorgen machen, es an ihre Tiere weiterzugeben“.

Keine Rechtfertigung für Haustier-Quarantäne

Beide Forscher raten Menschen mit Symptomen von COVID-19, den Kontakt mit Katzen zu vermeiden. Sie raten Katzenbesitzern auch, ihre Haustiere im Haus zu halten, um den Kontakt ihrer Katzen mit anderen Menschen und Tieren einzuschränken.

Die Weltorganisation für Tiergesundheit sowie die amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sehen jedoch „keine Rechtfertigung dafür […], Maßnahmen gegen Haustiere zu ergreifen, die ihr Wohlergehen beeinträchtigen könnten“.

Ein infizierter Mensch bleibt das größte Risiko für andere Menschen. Es gibt weder Hinweise darauf, dass Katzen das Virus leicht auf Menschen übertragen, noch gibt es dokumentierte Fälle, in denen Menschen aufgrund des Kontakts mit Katzen an COVID-19 erkrankt sind.

Zwei infizierte Tiger und die Unterstützung der Haustiere

In einer Pressemitteilung bestätigte das US-Landwirtschaftsministerium am 22. April zwei infizierte Katzen im Staat New York. Beide zeigten leichte Anzeichen einer Atemwegserkrankung. Es wurde erwartet, dass sie sich vollständig erholen würden.

Darüber hinaus gibt es bestätigte Fälle, in denen sich Hauskatzen aufgrund engen Kontakts mit Menschen infiziert haben. Bei wem sich mehrere positiv getestete Großkatzen im Zoo der Bronx infiziert haben, ist indes ungewiss.

„Tierschutzorganisationen arbeiten in dieser Krise sehr hart daran, die Mensch-Tier-Beziehung aufrechtzuerhalten und Haustiere bei ihren Menschen zu halten“, sagt Sandra Newbury, Direktorin des Veterinärmedizinischen Programms an der Universität von Wisconsin. „Es ist eine stressige Zeit für alle. Jetzt brauchen die Menschen mehr denn je den Komfort und die Unterstützung, die Haustiere bieten.“

Newbury hat mit der CDC und der American Veterinary Medical Association zusammengearbeitet, um Empfehlungen für Tierheime zu entwickeln, in denen potenziell exponierte Haustiere untergebracht werden können. Ihre Untersuchungen bestätigen, dass Katzen infiziert werden können. Das Risiko einer natürlichen Infektion scheint jedoch recht gering. Von insgesamt 22 untersuchten Tieren, habe keines eine positive Polymerase-Kettenreaktion auf das Virus gezeigt, so Newbury.

„Es ist immer noch viel wahrscheinlicher, dass Katzen COVID-19 von Ihnen bekommen, als dass Sie es von einer Katze bekommen“, ergänzt Keith Poulsen, Direktor des Veterinär-diagnostischen Labors Wisconsin.

Was sollten Haustierbesitzer tun?

Ruthanne Chun, stellvertretende Dekanin für klinische Angelegenheiten der veterinärmedizinischen Betreuung an der UW empfiehlt:

  • Wenn Ihr Haustier bei Ihnen im Haus lebt und keinen Kontakt zu einer COVID-19-positiven Person hat, besteht keine Gefahr. Sie können Ihr Haustier streicheln, kuscheln und normal mit ihm interagieren.
  • Wenn Sie positiv auf COVID-19 getestet wurden, sollten Sie die Interaktionen mit Ihren Haustieren einschränken, um sie vor der Exposition gegenüber SARS-CoV-2 zu schützen.
  • Tierbesitzer sollten Haustiere und andere Tiere immer in Notfallplanung einbeziehen. Dazu gehört auch eine zweiwöchige unabhängige Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten. Darüber hinaus sollten „auch Vorbereitungen für die Versorgung von Tieren getroffen werden, falls Sie aufgrund einer Krankheit in Quarantäne oder in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssen“, so Chun.

(Mit Material der Universität von Wisconsin)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion