Überdiagnostiziert? Wenn Patienten an den Behandlungsmethoden sterben

Epoch Times26. September 2017 Aktualisiert: 26. September 2017 10:46
Einflussreiche australische Gesundheitsorganisationen trafen sich aktuell um das verheerende Problem der Überdiagnose anzugehen, denn das Übertherapieren kostet nicht nur Menschenleben, sondern auch viel Geld.

Einige medizinische und zu oft geführte Untersuchungen führen leider in nicht wenigen Fällen zu einer falschen Diagnose. Hier werden dann Patienten überbehandelt, übertherapiert, bis sie eigentlich erst recht krank werden. Die Zahl derer, die letztendlich an den Behandlungsmethoden statt an der Krankheit ans sich sterben wächst von Jahr zu Jahr!!

Fünf einflussreiche australische Gesundheitsorganisationen trafen sich jetzt, um eine gemeinsame Erklärung zu unterzeichnen und Maßnahmen zu ergreifen, um dieses verheerende Problem so schnell wie möglich anzugehen. Denn das Übertherapieren kostet nicht nur Menschenleben, sondern auch viel Geld.

Eine Überdiagnose bedeutet aus medizinischer Sicht, dass ein Patient mit einer Krankheit diagnostiziert wird, die aber eigentlich auch ohne großen Eingriff und vielen Medikamenten von selbst hätte heilen können. Nicht jede Krebszelle schlägt in eine tödliche Krankheit um, nicht jeder Krankheitskeim, Erreger oder Virus bricht tatsächlich aus. Stattdessen werden gesunde Menschen behandelt, obwohl es keinen wirklichen Verdacht gibt. Das geschieht nicht selten, da mittlerweile selbst gesunde Menschen zu oft getestet und untersucht werden. Aufgrund der immer feineren Diagnostikmöglichkeiten entdecken die Ärzte sehr früh Krankheiten und Anomalien im Gewebe und schon wird therapiert was der Körper dann eben aushält. Nicht jede Form von einer Anomalie bricht aber tatsächlich auch gleich in eine schwere Krankheit aus.

Das Problem ist, dass eine frühzeitige Erkennung von Krankheiten ein zweischneidiges Schwert ist. Während es lebensrettend sein kann, würden für einige Patienten die Anomalien, die diagnostiziert und behandelt werden, niemals wirklich einen Schaden verursacht haben, wenn sie einfach in Ruhe gelassen worden wären.

Die Forscher untersuchen derzeit die Größe der tatsächlichen Krankheiten und die Anzahl der betroffenen Personen. Aber vorhandene Beweise aus Australien und anderswo deuten darauf hin, dass es ein viel größeres Problem ist, als bisher angenommen.

Hier einige Beispiele von Krankheiten, die insbesondere in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen haben – aber waren sie wirklich da? Schätzungsweise über 500.000 Menschen wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten in über 12 Länder übertherapiert.

1. Schilddrüsenkrebs

Die Zahl der Personen, die mit Schilddrüsenkrebs diagnostiziert wurden, hat sich in den letzten Jahrzehnten verdreifacht. Viele von ihnen wiesen aber nur sehr kleine Tumore auf, die nicht hätten behandelt werden müssen.
Das Problem, sagen Forscher, ist, dass viele dieser kleinen Tumoren in der Tat eigentlich gutartig sind. Und viele der Menschen, die mit „Schilddrüsenkrebs“ diagnostiziert und dann mit potenziell riskanten Operationen und Drogen behandelt wurden, einfach völlig übertherapiert wurden.

2. ADHS

Es gibt laufende Debatten darüber, ob zu viele Kinder mit ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung, diagnostiziert und behandelt werden. Eine Studie mit fast 1 Million kanadischen Kindern fand heraus, dass diejenigen Kinder, die im Dezember geboren wurden, viel häufiger als diejenigen, die im Januar geboren wurden, mit ADHS-Diagnose diagnostiziert wurden, und Medikamente erhielten. Das mutet seltsam an. Eine Begründung gab es nicht. Im Dezember waren nur die Möglichkeiten, sich noch steuerlich zu sanieren, größer als im Januar.
„Diese Erkenntnisse löst erhebliche Bedenken hinsichtlich der möglichen Schädigungen der Überdiagnose und der Übertherapierung aus“, so die Forscher.

3. Prostatakrebs

Schon seit fast 30 Jahren stellen Forscher fest, wie bei einer Prostatakrebsdiagnose zu schnell schwere Operationen und bedenkliche Medikamente eingesetzt werden. Viele Männer sterben aufgrund der Behandlungen von Prostatakrebs, anstatt durch die Krankheit selbst. Trotz des Nachweises von unnötigen Diagnosen und Überbehandlungen. Der Wahn, gesunde Männer zu testen, und dann ohne wirkliche Symptome auf Prostatakrebs zu therapieren, ist eklatant gestiegen.
Kürzlich berichtete Schätzungen aus den Vereinigten Staaten deuten darauf hin, dass zwischen 20 bis 50 Prozent der Prostata-Krebs diagnostizierten Patienten aufgrund von Screenings falsch therapiert wurden, da die Krebszellen in ihrer Größe falsch eingeschätzt wurden. Mit anderen Worten, sie hätten keinen Schaden verursacht, wenn sie unentdeckt geblieben wären.

4. Eierstockkrebs

In einer Studie, das in diesem Monat im British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht wurde, zeigen Forscher von der University of Sydney, wie der Anteil der Frauen, die potenziell auf Eierstockkrebs behandelt wurden, drastisch gestiegen ist. 1990 waren es noch 5 Prozent, die behandelt wurden, mittlerweile sind es 21 Prozent.
Wie die Autoren weiter schreiben, gibt es große Bedenken darüber, wie viele gesunde Frauen unnötig behandelt werden. Man spielt mit deren Angst um ihre Fruchtbarkeit oder gefährdet langfristig ihre Gesundheit.

5. Brustkrebs

Eine unabhängige Überprüfung bestätigte, dass 19 Prozent des diagnostizierten Brustkrebses aufgrund falscher Mammographie-Screening zustande kamen. Das heißt, diese Tumore hätten den Frauen keinen Schaden zugefügt, weil sie höchstwahrscheinlich gutartig waren. Vorherige Schätzungen in Australien deuten darauf hin, dass die Rate weltweit etwa 30 Prozent betragen könnte.

Wie kann man sich vor einer Überdiagnose schützen?

Vor kurzem wurde eine umfassende Analyse im British Medical Journal (BMJ) über mögliche Überdiagnosen und potenziellen Lösungen veröffentlicht. Ursachen reichen von kulturellen Überzeugungen, dass „mehr ist besser“ in der Medizin ist, oder aber auch finanzielle Anreize für die behandelnden Ärzte, die unnötige Tests und Behandlungen dann ausführen. Denn es ist ja bekannt, der Arzt verdient nur an den Krankheiten. Nicht an dem gesunden Menschen.

Die gute Nachricht ist, dass Ärzte-Gruppen auf der ganzen Welt sich jetzt bewusst sind, dass sie hier Menschenleben gefährden. Sie erkennen jetzt öffentlich an, dass es ein Problem bezüglich von Überdiagnosen gibt.

Wie die BMJ-Analyse hervorhebt, gibt es viele mögliche Lösungen. Es besteht ein dringender Bedarf an öffentlichen Informations- und Sensibilisierungskampagnen. Neue Bildungsaufklärungen für Angehörige der Gesundheitsberufe sind eine Priorität. Screening-Programme müssen reformiert werden, um sicherzustellen, dass wir nur diejenigen mit hohem Risiko behandeln.

(Übersetzt und bearbeitet von Jacqueline Roussety)

Quellen:

1. Worldwide Thyroid-Cancer Epidemic? The Increasing Impact of Overdiagnosis

2. Influence of relative age on diagnosis and treatment of attention-deficit/hyperactivity disorder in children

3. Draft Evidence Review for Prostate Cancer: Screening

4. Latest research shows surgery for early stage prostate cancer doesn’t save lives

5. Are expanding disease definitions unnecessarily labelling women with polycystic ovary syndrome?

6. The benefits and harms of breast cancer screening: an independent review

7. Mapping the drivers of overdiagnosis to potential solutions

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