Würden Sie diese kleine Schildkröte anfassen? Kinder sind unbefangener und gehen offen auf Neues zu. Fott: PEDRO PARDO/AFP/Getty Images

Warum verlieren Kinder beim Heranwachsen nach und nach ihre Fähigkeiten?

Von 12. April 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 4:26
Wie auch das Wissen beim Heranwachsen allmählich angeeignet wird, so sollten sich nach bisheriger Lehrmeinung auch die Fähigkeiten wie die Sinneswahrnehmung und -erkennung erst mit der Zeit beim Kind entwickeln. In mehreren Studien haben Forscher nun entdeckt, dass viele Fähigkeiten jedoch bei den Kleinkindern am besten ausgereift sind, während sie im Laufe des Lebens immer mehr verloren gehen.

Am 30. Juni veröffentlichten Forscher der Universität Barcelona, dass im Laufe der Entwicklung „die Empfindlichkeit für Sprachen, Gesichter, Stimmen und Musik, die im frühen Leben vorhanden ist, abnimmt, da die Kinder [mehr und mehr] Erfahrungen ansammeln“. Ferran Pons, Leiter der Untersuchungen, sagte in der Fachzeitschrift „PNAS“, dass diese „Abnahme der Empfindlichkeit“ sich in einer „Einengung des Wahrnehmungsvermögens“ widerspiegelt. Es sind demnach die angeeigneten Erfahrungen und Anschauungen, die dazu führen, dass die Fähigkeiten der Wahrnehmung sich im Laufe des Lebens mehr und mehr zurückbilden.

Dass der Mensch seine Fähigkeiten der Wahrnehmung mit zunehmendem Alter verliert, haben auch zahlreiche weitere Studien gezeigt. D.J. Kelly und O. Pascalis von der Universität Sheffield (GB), prüften Kinder im Alter von sechs und neun Monate sowie Erwachsene auf ihre Fähigkeit, die Gesichter von verschiedenen Menschen und Tieren zu unterscheiden. Die Untersuchungen ergaben, dass mit zunehmendem Alter die Fähigkeit Gesichter zu unterscheiden signifikant abnimmt.

Dass Neugeborene sich nach einer kurzen Anpassungszeit schnell die Fähigkeit aneignen, Gesichter zu unterscheiden, konnten Forscher der McMaster Universität in Kanada belegen. Die Ergebnisse zeigten auch, dass sechs Monate alte Kinder fast elf Sprachen unterscheiden konnten während neun bis zwölf Monate alte Kinder nur innerhalb ihrer ersten Sprache unterscheiden konnten.

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass während des Heranwachsens das Wissen scheinbar zunimmt, aber gleichzeitig grundlegende Fähigkeiten abnehmen. Es gibt viele Fälle von Wunderkindern, die als Erwachsene insgesamt mittelmäßige Leistungen erbrachten. Einer der Gründe liegt darin, dass der Lernprozess auch gleichzeitig ein Prozess der Aneignung von Vorstellungen ist.

In der Tat kann der Mensch mit gezielten Gedankengängen – geformt durch das gebildete System von Vorstellungen – viele alltägliche, routinierte Aufgaben deutlich schneller erledigen. Es ist jedoch eine Tatsache, dass die Erfahrungen, die man macht, zusammen mit allen Arten von Anschauungen, Vorurteilen und fehlerhaften Vorstellungen Tag für Tag unbewusst zunehmen und sich in den Menschen einprägen.

Vorurteile und Ansichten werden im Laufe des Lebens gebildet

Durch die vielen Erfahrungen bilden sich im Laufe des Lebens auch allgemeine Vorstellungen und Erfahrungswerte gegenüber anderen Menschen aus, die Misstrauen, Selbstbezogenheit und starre Reaktionsmuster entstehen lassen. Während des Heranwachsens können sich solche Anteile tief im Menschen verwurzeln. Die ursprüngliche, unvoreingenommene und kreative Natur des Menschen wird fast vollständig überdeckt. Wenn ein solcher Teppich aus Vorurteilen und Ängsten entstanden ist, ist es wie mit einem weißen Kleidungsstück. Wenn es einmal in einen Farbtopf getaucht wurde, ist es schwer, seine ursprüngliche Farbe wiederherzustellen.

Seit Tausenden von Jahren haben sich die Menschen die Frage gestellt, wie man diese  Anschauungen Schicht für Schicht wieder abtragen kann. In der Tat ist vieles von diesem Wissen durch Kultivierungsschulen bis in die heutige Zeit überliefert worden. Kultivierungsschulen sind seit dem Beginn der Geschichte der Menschheit ein Weg, um Anschauungen zu durchbrechen und wieder zu einer direkten Wahrnehmungsfähigkeit zu gelangen. Sie geben Hinweise, Gebote und Weisheiten, die dem Menschen helfen, ein selbstloses Bild von sich und der Welt zu gewinnen und umzusetzen. Dabei werden auch einige Veränderungen im Gehirn nachweisbar, durch die die Leistungsfähigkeit des Gehirns sowie das Erleben von Gefühlen wie Liebe und Mitgefühl deutlich gesteigert werden können.



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