Weltkrebstag: Zahl der Neuerkrankungen wird sich weltweit bis 2040 verdoppeln

Von 4. Februar 2020 Aktualisiert: 4. Februar 2020 13:57
Im jüngsten Bericht geht die Internationale Agentur für Krebsforschung (IACR) davon aus, dass die Zahl der Krebserkrankungen bis 2040 deutlich steigen wird. Hoher Wohlstand stärkt das Risiko lebensstilbedingter Erkrankungen, erhöht aber auch die Therapieaussichten.

Anlässlich des heutigen Weltkrebstages (4.2.) hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IACR) ihren alle fünf Jahre präsentierten „Weltkrebsbericht“ veröffentlicht. In diesem prognostiziert die Vereinigung, dass sich die Zahl der Neuerkrankungen bis zum Jahr 2040 weltweit nahezu verdoppeln wird.

Dies würde in Zahlen ausgedrückt, wie der „Spiegel“ aus dem Bericht zitiert, etwa 29 bis 37 Millionen Neuerkrankungen bedeuten. Im Jahr 2018 hatte es weltweit 18,1 Millionen Neuerkrankungen gegeben, während sich die Zahl der krebsbedingten Todesfälle auf 9,6 Millionen summierte.

Dass sich die Anzahl der Neuerkrankungen so deutlich erhöhen würde, sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Einer davon ist eine voraussichtlich noch bis Ende des Jahrhunderts weiter ansteigende Weltbevölkerung, dazu kommt, dass deren Lebenserwartung gleichzeitig höher und deren Wohlstand größer wird.

Europa überdurchschnittlich betroffen

Tatsächlich ist der Krebs hauptsächlich ein Thema in den entwickelten Staaten – allerdings sind es auch die damit verbundenen Heilungschancen: Schätzungen der IACR aus dem Jahr 2018 zufolge entfallen 23,4 Prozent der weltweiten Krebsfälle und 20,3 Prozent der Krebstodesfälle auf Europa, obwohl dort nur neun Prozent der Weltbevölkerung leben. Auf dem amerikanischen Doppelkontinent seien es 21 Prozent der Erkrankungen und 14,4 Prozent der Todesfälle bei 13,3 Prozent der Weltbevölkerung.

Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, in Ländern mit hohen Einkommen zwischen 2000 und 2015 um 20 Prozent gesunken, in Ländern mit niedrigen Einkommen nur um fünf Prozent. In ärmeren Ländern ist demnach die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, geringer als in den reicheren – andererseits seien die Behandlungsaussichten jedoch auch schlechter.

Zudem spielten in den weniger wohlhabenden Regionen der Welt infektionsbedingte Krebserkrankungen wie Magenkrebs, Leberkrebs oder HPV eine größere Rolle – während in den reicheren Ländern Darmkrebs, Brustkrebs und Bauchspeicheldrüsenkarzinom die häufigsten Fälle des Auftretens darstellen. In den reichen Ländern selbst seien es allerdings ebenfalls die weniger wohlhabenden Bevölkerungsgruppen, die überdurchschnittlich häufig mit Krebserkrankungen zu kämpfen hätten.

DKFZ: „40 Prozent der Erkrankungen lassen sich verhindern“

Im „Spiegel“ macht der Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Michael Baumann, deutlich, dass die Erkrankung an Krebs häufig eine Folge des Lebensstils sei und sich etwa 40 Prozent davon verhindern ließen, indem man diesen dem Risiko anpasst.

Baumann nennt in diesem Zusammenhang Nikotinkonsum, Übergewicht, fehlende Bewegung und ungesunde Ernährungsgewohnheiten als Faktoren, die man unbedingt im Auge behalten solle. Zudem empfehle sich der Verzicht oder die deutliche Einschränkung des Alkoholkonsums als Vorbeugungsmaßnahme – ebenso wie die Wahrnehmung von Terminen zu Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen.

In Deutschland befürchtet Baumann einen Anstieg der jährlichen Zahl an Neuerkrankungen von derzeit 500 000 auf künftig 600 000. Statistisch gesehen erkranken in Deutschland 42,6 Prozent der Frauen und 47,5 Prozent der Männer an Krebs. Jedoch seien etwa zwei von drei Patienten auch fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Große Hoffnungen setzt die Fachwelt derzeit auf die Immuntherapie mit CAR-T-Zellen (chimäre Antigenrezeptor-T-Zellen), die in bislang 300 klinischen Studien vor allem auch bei Krebspatienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung Behandlungserfolge erkennen ließ. In klinischen Prüfungen zeigten einem Bericht des „Ärzteblatts“ zufolge bis zu 90 Prozent der an B-Zell-Leukämien leidenden Patienten ein positives Ansprechen auf die Gabe von CD19-spezifischen CAR-T-Zellen. Allerdings waren in einigen Fällen auch schwere Nebenwirkungen wie starke systemische Entzündungsreaktionen (Zytokinsturm) sowie neurologische Nebenwirkungen mit teilweise tödlichen Verläufen zu beklagen.

Von der Leyen will eigenen Anti-Krebs-Plan der EU-Kommission umsetzen

Die Anzahl der Kliniken, die auf der Basis dieser Methode erfolgreich arbeiten, ist jedoch auch im deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren angewachsen. Erst jüngst teilte das Ordensklinikum in Linz an der Donau mit, die neue Therapiemethode inzwischen erstmalig in Oberösterreich im Rahmen einer Studie erfolgreich durchgeführt zu haben.

Auch die EU-Kommission will dem Krebs den Kampf ansagen. Zum heutigen Weltkrebstag lancierte die Brüsseler Behörde „Europas Plan zum Sieg über den Krebs“. Kommissionschefin Ursula von der Leyen betonte, sie habe einst Medizin studiert, um anderen zu helfen und Trauer und Hilflosigkeit zu überwinden. „Heute steigen die Überlebensraten bei Krebs, aber es bleibt noch viel zu tun“, schrieb von der Leyen auf Twitter und warb um Unterstützung für den Plan. Dieser soll die Arbeit von Ärzten, Wissenschaftlern und Politikern in Europa stärker koordinieren.

(Mit Material der dpa)

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