Bei den Buschmännern in der Kalahari – Die abenteuerliche Vielfalt an der Südspitze Afrikas

Von 28. November 2015 Aktualisiert: 28. November 2015 20:20
Der südafrikanische „Kgaladgadi Transfrontier National Park“ ist eine Quelle alter Buschmann-Kultur.

„Was tut jemand, der hier in den Fluss fällt?“ Jacos schalkhaftes Lächeln lässt keine einfache Antwort erwarten. Und so gibt er sie als erfahrener Kenner südafrikanischer Lebensverhältnisse lieber gleich selbst: „Er steht auf, schüttelt den Staub von seiner Kleidung und geht weiter.“ Klar, denn schließlich ist der Fluss nur ein Flussbett, das gerade einmal alle acht Jahre vom Regenwasser durchgespült wird. Andernorts, so Jaco, sogar noch in längeren Abständen.

Eine karge Landschaft, beiderseits des Auob River im südafrikanischen „Kgaladgadi Transfrontier National Park“. Eingezwängt zwischen Namibia und Botswana als eine Mischung aus Wüste und Savanne. In ihrer Kargheit aber dennoch Lebensraum für eine bemerkenswerte Anzahl unterschiedlichster Tierarten. Vor allem sind es die putzigen Erdmännchen, die aus ihren Erdlöchern heraus für Stimmung sorgen. Überall präsent und dann doch, nach einem warnenden Pfiff von irgendwo, gleich wieder darin verschwunden. Mit ihrer Verhaltenspalette vielleicht die am menschlichsten wirkenden Lebewesen, die die Kalahari hervorgebracht hat.

Krachende Hörner

An den Wasserstellen jedoch dominieren die Stärkeren. Vor allem die Raubkatzen, die in der Hierarchie unangefochten ganz oben stehen und sich allein durch ihre Präsenz den Vortritt vor allen Beutetieren erzwingen. Die Silhouette einer Löwenmähne im Schatten eines nahen Baumes zeugt davon, dass das hier lagernde Löwenrudel bereits zu seinem Recht gekommen ist.

Selbstsicherheit strahlen auch die Oryx-Antilopen aus, die sich neben ihrer Schnelligkeit offenbar auch auf ihren robusten Körperbau verlassen können. Sie nutzen vor der Zuschauerschaft geduldig wartender Strauße sogar die Zeit, um ganz nebenbei ihren Rang in der eigenen Oryx-Hierarchie  auszutesten. Und sich dabei in einer prickelnden Mutprobe mit dem dominanten Oryx-Bullen anzulegen. Ein kecker Test, der bei krachenden Hörnern in der Tat Staub aufwirbelt.

Versalzene Ausnahmelandschaft

Ganz anders die Dünenlandschaft westlich des Auob River in Richtung Namibia. Gerade so, als hätten hier an die achtzig Wanderdünen auf ein geheimes Kommando hin eine Rast eingelegt und dabei den Wiederaufbruch verschlafen. Und mittendrin die in diesen Breiten bereits legendäre !Xaus-Lodge. Zwar nur eine kleine Wüstensiedlung auf Holzstelzen. Als Außenposten der  Zivilisation mit Pool und Dinner-Terrasse jedoch bietet sie der sie umgebenden Wildnis selbstbewusst Paroli .

Im Blattwerk Ruhe suchender Kalahari-UhuIm Blattwerk Ruhe suchender Kalahari-UhuFoto: Bernd Kregel

Direkt gelegen am Rand einer der riesigen kreisrunden Pfannen, die irgendwann einmal durch Wassereinfluss geformt wurden. Dann aber im Verlauf der jüngsten Erdgeschichte versalzten und versandeten. Eine eigenwillige und dazu extrem trockene Spielwiese der Geologie. Nur nach Tieren hält man vergeblich Ausschau in dieser Miniatur-Ausnahmelandschaft. Anders hingegen die sie umgebenden Dünenformationen, in denen es von Spuren nur so wimmelt. Keiner wüsste sie besser zu deuten als Fährtenleser Andries. Einer jener San-Buschmänner, die hier im Auftrag ihres Stammes an der !Xaus Lodge tätig sind.  

Spurensuche im Sand

In aller Herrgottsfrühe, noch ist die Sonnenscheibe sichtlich bemüht, über den östlichen Horizont hinweg zu kriechen, begibt sich San-Fährtenleser Andries auf Spurensuche. Dabei erlauben ihm selbst kleine Hinweise im Sand interessante Rückschlüsse auf das Geschehen während der Nacht. So entdeckt er im Nu die winzigen Fußabdrücke eines giftigen Skorpions entlang einem viel benutzten Mäuse-Highway. Und wenig später gar die Spur eines Geparden, dessen Umrisse sich auf einem nahen Bergkamm vor dem hellen Blau des Morgenhimmels abzeichnen.   

Höhepunkt jedoch ist der Abstecher in das Buschmänner-Dorf  in Sichtweite der !Xaus Lodge. Hier sind, ebenfalls alle zwei Wochen wechselnd, fünf San-Buschmänner in äußerst leichter Dienstkleidung dabei zu beobachten, wie sie in alter Buschmann-Tradition Schmuckstücke und kleine Kunstgegenstände fertigen. Aus Kameldornsamen, Steinstückchen oder Knochenplatten. Sie alle hoch konzentriert, dabei jedoch aufgeschlossen und sogar gesprächsbereit.

Durch Felslandschaft schwebende GiraffenDurch Felslandschaft schwebende GiraffenFoto: Bernd Kregel

Buschmann-Krieger

Auffallend besonders Makhai, ein später Spross aus der legendären Kruiper-Familie, wie Andries, inzwischen auch als Dolmetscher tätig, erklärt. Bereits vor fünf Generationen hatte sie ihren Einfluss geltend gemacht, um die einstige Unabhängigkeit des San-Stammes samt Ländereien zumindest teilweise zurück zu gewinnen. Mit Erfolg, wie spätestens heute unschwer erkennbar ist. Gerade hat Makhai eines seiner Kunstwerke vollendet. Es zeigt eine kleine Steinplatte, auf der drei Buschmann-Krieger, jeweils bewaffnet mit Stock, Pfeil und Bogen, kraftvoll ausschreitend zu einem nächtlichen Jagdzug aufbrechen.

Aufbruch ist nun auch aus dem Lebensbereich der San angesagt. Aus der Trockenheit der Kalahari-Wüste hinunter zum Oranje River, mit 2200 Kilometern dem längsten Fluss in Südafrika. Schon bald ist nun der „Augrabies Falls National Park“ erreicht. Eine zerfurchte Felsenlandschaft, in der der Oranje River donnernd über einen breiten Felsabhang in die Tiefe stürzt. Doch: „Was tun, wenn jemand in den Fluss fällt“? Denn die Nagelprobe eines Paddel-Abenteuers im Zweier-Schlauchboot steht erst noch bevor.

Abenteuerliche Vielfalt

Durch aufgewühlte Stromschnellen hindurch und vorbei an trotzigen Felskanten. Hier muss Spaßvogel Jaco mit eigenen Augen ansehen, dass es nun vor allem darauf ankommt, nach dem Kentern – und sei es mit fremder Hilfe – möglichst schnell wieder ins eigene Boot zurück zu gelangen. Zwar durchnässt bis auf die Haut, aber um eine wertvolle Erfahrung reicher. Und zudem ein weiteres Mal überzeugt von der abenteuerlichen Vielfalt an der Südspitze Afrikas.

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