Indoor-Farming die Salatproduktion der Zukunft? – Salat auf 12 Stockwerken

Von 9. Dezember 2017 Aktualisiert: 19. Dezember 2017 17:58
Ein landwirtschaftlicher Betrieb der besonderen Art zeigt wie die Zukunft der Salatproduktion einmal aussehen könnte. Dabei geht es um "vertical farming" oder "senkrechter Anbau".

New York – Frischen Salat aus der Kühltruhe im Supermarkt? Na, klar, vielleicht den fertig verpackten und schon gewaschenen Salat? Nur noch auspacken und auf dem Teller mit einem schmackhaften Dressing versehen und servieren. Lebensqualität pur, direkt vom Feld, unter der Sonne gereift, vom Bauern geerntet und für den Verbraucher tellerfertig zubereitet. So stellen wir uns das vor.

Aber ein landwirtschaftlicher Betrieb der besonderen Art im US-Bundesstaat New Jersey zeigt wie die Zukunft der Salatproduktion einmal aussehen könnte.

Der Salat, der hier „angebaut“ wird, hat weder Sonnenlicht gesehen noch ist er im Boden gewachsen. Hier wächst in einer großen Lagerhalle auf ausgedehnten Wachstumsbetten unter futuristischer Beleuchtung Salat. Das Ganze erinnert mehr an ein Mega-Solarium als an einen Bauernhof. Es geht um „vertical farming“ oder „senkrechter Anbau“.

Bis zu 12 Stockwerke hoch, liegt hier ein „Salatbeet“ über dem anderen. Es benötigt eine Hebebühne um sich das „12-Etagen-Beet“ einmal anzuschauen.

In der Stadt Newark, in New Jersey, gerade gegenüber Big Apple New York, ist die Firma Aerofarms schon dabei die Zukunft der Landwirtschaft neu zu schreiben. Der 2004 gegründete Betrieb ist einer der Pioniere und Führer des „indoor-farming“ (Innen-Landbau). Hier steht die weltgrößte Innenanlage des „vertical farming“.

Die Technik von Aerofarms ist patentiert. Die Vorteile einzigartig. Der Wachstumszyklus vom Saatgut bis zur Ernte ist nur 12-16 Tage gegenüber 30-40 Tagen auf dem freien Feld. Im Jahr sind bis zu 30 Produktionszyklen, komplett witterungsunabhängig möglich, gegenüber 1-2 Ernten auf dem Feld. Der Salatanbau ist praktisch direkt vor Ort, keine langen Transportwege vom Feld zum Verbraucher. Kein Feldanbau, also auch kein Einsatz von Pestiziden und keine Notwendigkeit den Salat von der Erde zu waschen – der Salat ist vom ersten Tag an schon “sauber”.. Wie angebaut, so geerntet und verpackt. Frisch vom „Solarium-Hoch-Beet“.

Salatproduktion der Zukunft?

„Es ist wirklich eine Chance die klassische Anbauweise in der Landwirtschaft neu zu gestalten”, schwärmt Marc Oshima, Marketing Chef und Mitbegründer. Und bei allem was man gegen die Technisierung der Landwirtschaft sagen kann, die Fakten sprechen für ihn. Herkömmliche Anbauweisen erfordern viel höheren Einsatz an Ressourcen und haben einen stärkeren Einfluss auf die Umwelt.

Aerofarms verbraucht 95% weniger Wasser gegenüber der traditionellen Feldbewirtschaftung. Keine Konkurrenz von Unkäutern oder Schädlingen, also kein Einsatz von Pestiziden. Keine weiten Transportwege also auch eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 98%. Keine kostspiellige Kühlung und Zwischenlagerung und kein Verlust an Vitalstoffen nach der Ernte. Der Salat wird am Ort des Anbaus gleich fertig verpackt und sofort und direkt im Einzelhandel ausgeliefert. In einer Zeit, in der weltweit Wassermangel und Lebensmittelnot herrschen schlägt dieser schnelle und direkte Produktionszylus ein neues Kapitel im Landwirschaftsanbau auf.

High-Tech Betreuung rund um die Uhr

Was ist nun das Geheimnis hinter dieser Anbauweise? „Wir geben der Pflanze genau das, was sie braucht, im Hinblick auf Nährstoffen, auf Licht und Umgebung“, erklärt Marc Oshima mit Stolz. Hier werden Millionen Daten über die grünen Salatblättchen während ihres Wachstums gesammelt und verarbeitet, mehr als sich ein Bauer auf einem klassischen Feld auch nur vorstellen könnte.

Alles vom Licht, der Bestäubung mit Wasser und die Zufuhr von Mineralstoffen, wird überwacht, kontrolliert und festgelegt. Erntebiologen, Mikrobiologen, Bio-Ingenieure, Maschinenbauingenieure, Industrie-Ingenieure, Beleuchtungsingenieure, Informatiker, das Team aus „Bauern“ hat mehr mit High-Tech zu tun als mit dem jahrelangen Erfahrungswissen eines Landwirts.

Die Salatpflänzchen wachsen unter spezieller LED Beleuchtung – 24 Stunden am Tag. „Die Pflanzen brauchen kein Sonnenlicht, sie brauchen nur ein bestimmtes Lichtspektrum, von der richtigen Lichtintensität und den richtigen Lichtfrequenzen. Wir nehmen aus dem herkömmlichen Licht die Frequenzen, die die Pflanze nicht braucht“, erklärt Herr Oshima und zeigt dabei auf die LED Lampen hinter ihm, „So erzeugen wir eine effizientere Fotosynthese, die perfekte Wachstumsumgebung für die Pflanze.“ Wachstum, Größe, Konsistenz und andere Eigenschaften der Pflanzen werden von Tausenden von Sensoren überwachtet. Diese Anbauweise erlaubt die Produktqualität, Nährstoffgehalt und Geschmack des Salats gezielt zu beeinflussen und zu optimieren.

Erdboden oder Nicht Erdboden, das ist hier die Frage

Das eigentliche Betriebsgeheimnis hinter dieser Produktionsweise ist aber das leichte Kunststoffgewebe auf dem die Pflanzen wachsen. Es ist zu 100% aus recycelten Plastikwasserflaschen hergestellt worden. Es ist flexibel einsetzbar und kann wieder verwendet werden und das über Jahre hinweg.

Weil kein herkömmlicher Boden verwendet wird, entfallen das Waschen des Salats mit dem entsprechenden Verbrauch an Wasser. Auf die Frage hin, ob es für diese Anbauweise irgendwelche Grenzen gibt, antwortet Marc Oshima, „In unserem Geschäftsmodell bei Aerofarm haben wir uns auf verschiedene schnell wachsende grün-blättrige Salate und Kräuter eingestellt, wo wir den größten Nutzen sehen, mit über 250 verschieden Arten. Die Technologie hat aber keine Grenzen, selbst Möhren und Kartoffeln könnten angebaut werden.“

Konzept für die örtliche Gemeinde

Das, was Marc aber am meisten berührt ist das sozio-ökonomische Konzept hinter dieser Anbauweise. „Das ist ein Weg die Nahrungsmittelproduktion zu demokratisieren und gleichzeitig Zugang zu guten und gesunden Nahrungsmitteln anzubieten.“ Im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung und Verstädterung weltweit bei gleichzeitigen zunehmenden Herausforderungen der Feldwirtschaft – Mangel an Wasser und landwirtschaftlich nutzbarem Boden, übermäßiger Einsatz an Pestiziden mit Schaden für die Natur – könnte diese Anbauweise einen Ausweg aufzeigen.

Wasser ist eine der kostbarsten Ressourcen und bei dem weltweit zunehmenden Problem mit Wasserknappheit eine der großen Herausforderungen für die Nahrungsmittelerzeugung der Zukunft. Heute werden Oshima zufolge täglich 70% von Frischwasser in der Landwirtschaft verwendet, genauso wie auch 70% der Umweltverschmutzung aus der Landwirtschaft kommen – im Hinblick auf Pestiziden, übermäßigem Einsatz von Düngemitteln und Überproduktion.

„Was viele Menschen nicht wissen bei der heutigen Freilandbewirtschaftung ist, dass das Gemüse hier in den USA weit entfernt vom Endverbraucher produziert wird, dann in diese großen industriellen Betriebe kommt, wo es gekühlt und gewaschen werden muss… und alles das ist sehr energieintensiv. Im Fall von Aerofarm liegt alles nah vor Ort von der Schaffung von Arbeitsplätzen bis zur Produktion und Auslieferung der Ware – alles verbleibt in der örtlichen Gemeinde, selbst 85% der 120 Mitarbeiter im Betrieb wohnen im Umkreis von 20km. Da dieses Bewirtschaftungsmodell orts- und wetterunabhängig ist, kann es überall betrieben werden und das besonders in Ländern, bei denen Bewirtschaftungsbedingungen eher ungünstig sind. Aerofarms ist darum dabei seine Technik ins Ausland zu bringen, nach Nordeuropa, Naher Osten und China.


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