Der wahre Preis – Was wir wirklich für Mode zahlen müssten

Von 21. Januar 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 17:22
Es ist die Geschichte über Mode und ihren wahren Preis. „The True Cost“ ist nicht nur ein Film über die Profitgier der großen Modelabels, er zeigt auch die katastrophalen Umweltschäden dieser globalen Wirtschaft.

Haben Sie sich mal gefragt, wenn Sie das T-Shirt für drei Euro bekommen, oder die Jeans für 9,90 €, ob das wirklich ein angemessener Preis ist? Und wurde wirklich ein angemessener Lohn an die Menschen gezahlt, die bis zu 16 Stunden in Indien oder China in maroden Fabriken stehen und unter den menschenunwürdigsten Bedingungen arbeiten?

Die Näherinnen sitzen in überhitzen Fabriken, ohne Arbeitsschutz, ohne eine Zukunft auf eine angemessene Rente. Versicherungen gibt es nicht und manchmal werden die Frauen auch von ihren männlichen Chefs eingesperrt um all die Aufträge abzuarbeiten, die aus Europa und Amerika kommen.

All diese Faktoren zeigt der Film „The True Cost“ von Andrew Morgan auf. Es ist die Geschichte über Mode und ihren wahren Preis. „The True Cost“ ist nicht nur ein Film über die Profitgier von den großen Modelabels, er zeigt auch die katastrophalen Umweltschäden dieser globalen Wirtschaft.

Es verdeutlicht aber auch, dass der Pullover, den wir ohne groß nachzudenken tragen, vielleicht die Gesundheit eines Menschen in Indien missbraucht und verbraucht hat. Wenn wir dann nach ein paarmal Tragen den Pullover mit einer Selbstverständlichkeit einfach entsorgen, ist es mittlerweile so, als würde man auch einen Teil des Lebens dieses Menschen mit entsorgen. Die tonnenschweren Kleiderberge in dem Film verdeutlichen nur allzu gut, dass Mode zu einer Wegwerfbewegung geworden ist.

Die globale Textilwirtschaft hat es in wenigen Jahren geschafft, statt vier Kollektionen im Jahr mittlerweile wöchentlich neue Kleider in die Läden zu bringen. Das erklärt aber auch, warum unsere Städte seit einigen Jahren aussehen wie gesichtslose Shoppingmeilen. Nicht selten verlassen die Kunden mit mehreren Tüten die Läden. Für unser Geld bekommen wir längst keine hochwertige, haltbare und gute Kleidung mehr. Dann landet es eben auf den Müll. Längst hat sich der Trend durchgesetzt, die getragenen Sachen nicht mehr zu waschen, sondern sich gleich ein neues T-Shirt zu kaufen. Allein in Amerika landen rund elf Millionen Tonnen Kleidung auf den Müll, das meiste nicht wirklich biologisch abbaubar.

Die Globale Marktwirtschaft und ihre Folgen

Ist das der Preis für die globale Marktwirtschaft: unser persönliches Konsumverhalten, dass woanders Menschen unter den unwürdigsten Bedingungen für uns die Kleider herstellen?

Aber werden wir nicht letztendlich alle dafür den ganz fürchterlich Preis zahlen? Andrew Morgan zeigt es ganz klar auf: Umweltverschmutzungen, chemisch verseuchte Kleider, die wir letztendlich dann auf unserer Haut tragen und der enorme Druck, den vor allen Dingen die Industriestaaten auf Indien ausüben, um noch mehr für noch weniger Geld produzieren zu können.

Die globale Marktwirtschaft zeigt, dass Marktketten wie H&M, Zara, Primemarkt und natürlich auch große Labels darunter Tommy Hilfinger, diese Namen werden im Film ganz klar benannt, bei uns in Deutschland die Sachen verkaufen können, die in Indien und China zu den fürchterlichsten Konditionen hergestellt werden. Wirkliche Kontrollen und Aufklärung gibt es für den Endverbraucher anscheinend nicht, zu welchen Bedingungen all diese Modebranchen ihre Produkte einkaufen.

Der Film begleitet die Mutter Shima mit ihrer kleinen Tochter, die nur einmal im Jahr kurze Zeit bei ihr sein kann, weil Shima arbeiten muss, sechs Tage in der Woche, für knapp zwei Dollar täglich. Das reicht für gerade einmal zwei Liter Milch. Doch wie so vielen Menschen in Asien bleibt Shima keine Wahl. Sie bringt ihre Tochter zu ihren Eltern, hofft auf eine bessre Zukunft. Für ihre Tochter. Sie selbst hat sich ihrem Schicksal gefügt. Es bleibt ihr nichts anderes übrig.

Das ist eine ziemlich erschreckende Bilanz. 2 $ für die Näherin und die Labels verdienen Milliarden.

Die ökologische Bilanz

Viele Flüsse in Asien sind derart vergiftet durch die tonnenweise toxischen Chemikalien, dass sich Menschen verätzen, wenn sie mit dem Wasser in Berührung kommen. Die Rate an Krebs und Fehlbildungen unter Neugeborenen steigt unaufhörlich. Und wenn man einmal diese Bilder gesehen hat, wie Lederschuhen hergestellt werden, wird einem bewußt, dass viele Menschen in Indien wie Sklaven behandelt werden und so auch arbeiten müssen. Die Menschen sind mit 30 Jahren körperlich und seelisch verbraucht, in den Gerbereien ist es dermaßen giftig und ätzend zu arbeiten, dass die Arbeiter die schlimmsten Krankheiten bekommen. Aber auch die Umwelt wird achtlos mit verseucht. Und eigentlich ist einem bewußt, dass das alles eine Wechselwirkung hat. Man kann nicht einerseits sagen, ich trage hier die T-Shirts, trenne korrekt meinen Müll und in Indien ist es egal, was da passiert. Wir bekommen sehr wohl die Auswirkungen zu spüren. Die Klimaveränderung ist längst auch bei uns angekommen, und was wirklich über Wasser und Luft gebracht wird, das ist nicht allen wirklich bewußt. Und kaum ein Kleidungsstück trägt nicht die giftigen Substanzen in den Fasern.

Das Trauma von Rana Plaza

Viele Textilarbeiter sterben bei den Unfällen, die immer wieder passieren, wie bei dem Einsturz von Rana Plaza im April 2013. 1.134 Menschen kamen beim Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch ums Leben. Fast 2.000 wurden so schwer verletzt, dass ihnen Arme und Beine amputiert werden mussten.

Der Einsturz von Rana Plaza ist bislang das größte Unglück in der Geschichte der Textilindustrie. Die Katastrophe hatte sich schon viel früher angekündigt, selbst manche Fabrikbesitzer hatten davor gewarnt. Dem Management waren die Risse im Gebäude längst gemeldet worden. Trotzdem zwang man die Näherinnen, weiter dort zu arbeiten. 30 Millionen Dollar wurden für die Rana Plaza-Opfer gezahlt. Aber erst nach drei Jahren und erst nach massiven Widerständen aller Beteiligten.

Ist es die Macht von uns reichen Ländern? Wir haben das Geld zu bezahlen, aber wirklich rechtliche Konsequenzen sind daraus nicht entstanden.

Nach dem Skandal von Rana Plaza gab es einige Verbesserungen, trotzdem wächst der wirtschaftliche Druck auf Indien. Manager aus den Industriestaaten setzten die Firmen in Indien unter Druck. Sie sollen mehr für weniger Geld produzieren. Und wer nicht mithält, wird ausgesondert. Wie ein getragenes T-Shirt.

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In dem Film sagt eine der schicken Einkäuferinnen aus Amerika: „F ür deren Verhältnisse reicht es doch, was getan wird. Sie sollten froh sein, überhaupt Arbeit zu haben.“ Damit meinte sie den Verdienst von 2 Dollar pro Tag.

Ist es nicht eigentlich ziemlich menschenverachtend, was dieser Film letztendlich preisgibt? Dass wir die Menschen in den Drittländern wirklich als minderwertig betrachten und sie dementsprechend auch unter schlechten Bedingungen arbeiten lassen?

Winterschlussverkauf und Fashion Week in Berlin

Ein paar Hoffnungsschimmer schenkt uns Andrew Morgan dann doch. So porträtiert er die britische Designerin Safia Minney, Gründerin der Fair-Trade-Marke People Tree, die sich in 20 Jahren ein globales Netzwerk aus Produzenten aufgebaut hat. Sie versucht es tatsächlich, unter sozialen Bedingungen zu fairen Löhnen ihre Entwürfe umsetzen. Ihre Einstellung ist wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein bisschen mulmig wird einem aber angesichts des aktuellen Schlussverkaufs und beim Beginn der Fashion Week in Berlin. Wer will, kann sich über Instagram die Trends von den Laufstegen aufs Smartphone streamen, die es jetzt gerade spottbillig gibt, aber nur für kurze Zeit.

Selbst für alle, denen Trends egal sind, es ist die Zeit, sich mit den aktuellsten Trends einzudecken. Und im Frühjahr gibt es schon wieder die nächste Kollektion. Die wird gerade hergestellt. In Indien.