Mythos „Broadway”: Expedition in das Zentrum des Musicals + Fotogalerie

Von 5. Februar 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 5:33
Nirgendwo gibt es eine ähnliche Fülle ausgefallener Bühnenprogramme wie rund um den Times Square in New York.

New York – Es ist eine unverhoffte Explosion aus Farben, Licht und Energie. Ein geradezu rauschhaftes Geschehen, das in seinem Epizentrum  zunächst Herzklopfen hervorruft, sodann aber die Sinne beflügelt und Fantasien freisetzt: Wenn sich die Saaldecke aus der Froschperspektive heraus in eine Wasseroberfläche verwandelt, auf der aufreizende Gestalten lebenslustig und ausgelassen in dem feuchten Element aufzugehen scheinen. Quirligen Rheintöchtern zum Verwechseln ähnlich, diesmal jedoch in den Fluten des East River?

Erstaunen auch, wenn sich der schwarze kubische Innenraum mittels Projektion und Folieninstallation in die Weiten des Weltraums verwandelt. Wo außerirdische Wesen in schwereloser  Leichtigkeit des Seins  Zeit und Raum vergessen machen. Ausgangspunkt des Geschehens, so wird man sich am Ende dieser fantastischen Ausflüge ins Irgendwo bewusst,  ist das Daryl Roth Theatre, das am New Yorker Broadway mit seiner exquisiten Show „Fuerza Bruta“ das Publikum nun bereits seit geraumer Zeit zu völlig neuen Wahrnehmungen und Erfahrungen anfeuert.

Leuchtende Funken

Kein Zweifel: Manhattan ist wie eh und je das Weltzentrum des Show Business. Weil der New Yorker Stadtteil zwischen Hudson- und East River mit seinen gigantischen Wolkenkratzern sich bereits selbst als gigantische Kulisse präsentiert? An deren Gittergeflecht zwischen Längs- und Querstraßen schon seit Neu Amsterdamer Zeiten so manches historische und kulturelle Dekorationsstück hängen geblieben ist. Allen voran der Broadway, der am Times Square, abweichend vom üblichen Schachbrettmuster,  mit der 7. Avenue diagonal kollidiert.

Leuchtenden Funken gleich finden sich als Folge dieser Kollision in den Nebenstraßen an die vierzig Theater, die zu New York dazu gehören wie einst die Eulen zu Athen. Besonders sind es die Musicals, die hier seit Jahrzehnten das kulturelle Leben bestimmen. Klassiker wie „Chicago“, „Les Misérables“ und „The Lion King“. Aber auch unbekannte Shows wie „The Color Purple“, „Kinky Boots“ oder „On your Feet“, die in dem europäischen Bewusstsein offenbar noch auf ihre Entdeckung warten.

Backstage-Gewimmel

Attraktiv wird es vor allem, so betont Broadway-Spezialistin Rachael Singer beim Blick hinter die Kulissen des gepflegten Broadway Theatre, wenn Tradition und Neuschöpfung sich miteinander mischen. So wie beim  „Fiddler on the Roof“, wo man den Künstlern im Backstage-Gewimmel nach erbrachtem Einsatz förmlich ansieht, dass ihnen mit der soeben vorgestellten Aktualisierung ein großer Wurf gelungen ist. Zwar treffen die zündenden Songs über die Tradition, das Leben und über den Wunsch vom schnellen  Reichtum noch immer zielsicher die Herzen des Publikums. 

Doch die Tanzeinlagen der alten Inszenierung von Jerome Robbins bedurften der Erneuerung. Eine Aufgabe, der sich der Londoner Choreograph Hofeyh Schechto stellte und eine mustergültige choreographische Neuversion ablieferte. Und nun mit dieser  genialen tänzerischen Vermittlung jüdischen Brauchtums, zum Beispiel dem originellen Hochzeits-Flaschentanz, beim Publikum wahre Begeisterungsstürme auslöst.

Angebots-Eldorado

Ein unglaublich vielseitiges musikalisches Feuerwerk ist es, das hier allabendlich  rund um den Times Square gezündet wird. Und das bereits vor der Reise über den Atlantik Kopfzerbrechen bereitet: Was steht wann zur Auswahl? Und vor allem: Wo und wie kann ich zuverlässig buchen? Denn vor Ort könnte es für die freie Auswahl der bevorzugten Stücke längst zu spät sein.

Rat weiß Krista Canfield, eine der Organisatorinnen  der „gogobot“-Website, die das Angebots-Eldorado der New Yorker Kulturszene überschaubar macht. Und darüber hinaus, darauf legt sie besonderen Wert, auch das Auge schärft für das Drum und Dran eines Theaterbesuchs in Big Apple. Für die lokalen Schätze und Angebote, die Anlässe und Ereignisse, auf die man als Zugereister allein nicht so leicht käme.

Buchungs-Kunstgriff

Auch was die Buchung der Broadway Shows anbelangt, bedurfte es eines Kunstgriffs. Dieser bestand darin, dass man die Broadway-Theater zu einer überschaubaren „Broadway Collection“ zusammen fasste und dadurch den Kartenverkauf wesentlich vereinfachte. Schmunzelnd erinnert sich Charles Flateman von der „Broadway Inbound“-Agentur an die von ihm geleistete Überzeugungsarbeit, mit der er sich schließlich durchsetzte.

Der Erfolg lag schnell auf der Hand. Denn nicht nur ist es nun möglich, die einzelnen Tickets zentral zu kaufen. Darüber hinaus empfiehlt es sich sogar, sie bereits vor Reiseantritt  über den Reiseveranstalter zu buchen, um sich bei dem stets als zu kurz empfundenen Aufenthalt zwischen Hudson River und East River nichts entgehen zu lassen.

Quellen des Show Business

Die New Yorker FreiheitsstatueDie New Yorker FreiheitsstatueFoto: Bernd Kregel

Wie beispielsweise das „Sardi’s“, ein Broadway-Restaurant in unmittelbarer Nähe des Times Square. Hier hinterließ in den letzten einhundert Jahren jeder seine Fußspuren, der auf einer der Broadway-Bühnen an seiner Karriere arbeitete. Von Henri Fonda und Yul Brynner über Lauren Bacall und Paul Newman bis hin zu Leonard Bernstein und Sammy Davis jr. Es ist wie ein Eintauchen in die Quellen des Show Business, die sich an diesem speziellen Ort zu einem breiten Strom verdichten.

Das zeigen  die vielen hundert Künstler-Portraits, die die Wände des „Sardi’s“ in lückenloser Reihe zieren. Und David, einer der diensteifrigen Kellner, lässt es sich nicht nehmen, bei der Schatzsuche in dieser einmaligen Galerie behilflich zu sein. Ein weiterer unverwechselbarer Bestandteil des inspirierenden Mythos „Broadway“.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN