Ausgeflippt und trendy in Johannesburg / Maboneng Südafrika (+ Fotogalerie)

Von 3. Dezember 2015 Aktualisiert: 3. Dezember 2015 16:35
Unerwartet katapultiert sich der Johannesburger Stadtteil Maboneng an die Spitze südafrikanischen Lebensgefühls.

Ein kaum zu bändigender stimmungsvoller Überschwang hat an diesem Sonntagnachmittag von der gesamten Dachterrasse Besitz ergriffen. Unterstützt von den hämmernden Klängen aus den Lautsprecherboxen, die nicht nur unter die Haut gehen, sondern zugleich auch dazu angetan sind, die vor der Bar geparkten Füße ständig in Bewegung zu halten. Stehen diese doch sogar in aufgeheizten  rhythmischen Phasen zuweilen kurz davor, den Bretterboden in unkontrollierten Momenten unter sich zu lassen und mit reflexhaften Tanzschritten in die Leichtigkeit des Seins abzuheben.

Umgeben von einem Publikum, das in aufreizender aber doch nicht übertrieben wirkender modischer Eleganz ebenfalls darauf bedacht ist, seiner zum Bersten aufgestauten Lebensfreude Ausdruck zu verleihen. Hoch über den Dächern von Johannesburg, jener Stadt im Aufwind, die seit der geduldig erkämpften Unabhängigkeit Südafrikas vor gut zwanzig Jahren nicht mehr wiederzuerkennen ist. Mit ihrer Hochhauskulisse, wie sie sich seit der Fußballweltmeisterschaft im Gedächtnis eingeprägt hat. Und der hier allenthalben vorherrschenden ausgelassenen Stimmung, die die schweren Zeiten der Apartheid um Meilen hinter sich gelassen hat.

Vielschichtiges Lebensgefühl

Besonders im Stadtteil Maboneng hat sich ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Ausgeflippt und trendy nicht nur in luftiger Höhe der Dachterrasse, sondern auch auf den schachbrettartig angelegten Straßen zwischen der Marshall- und Commissioner Street. Allen voran die Main Street, in der herausgeputzte Menschen, zumeist Jugendliche, Selfie-knipsend in kleinen Gruppen zusammenstehen und sich amüsieren. Und sich dabei auch für Fotos von Besuchern dieses Minikosmos selbstbewusst in Pose bringen.

An solchen Tagen fröhlicher Ausgelassenheit wirken selbst die Fassaden von Maboneng wie die Kulissen eines aufgelockerten Lebensgefühls. Einerseits das etwas heruntergekommene Cosmopolitan Hotel, das in seiner äußeren Verspieltheit immer noch den Geist des viktorianischen Zeitalters atmet. Und dann wieder, nur wenige Blocks entfernt, das über viele Stockwerke sich erstreckende Porträt Nelson Mandelas. Symbol des Widerstands mit Boxhandschuhen und ernstem Blick. Dazu in kämpferischer Pose eine Warnung an alle, die es wagen sollten, sich dem Freiheitswillen des Volkes nach all den Jahren der Unterdrückung erneut entgegen zu stellen.

Bogen der Entdeckungsmöglichkeiten

Eingerahmtes viktorianisches Cosmopolitan HotelEingerahmtes viktorianisches Cosmopolitan HotelFoto: Bernd Kregel

Des Volkes wahrer Himmel findet sich in Maboneng jedoch zweifelsohne im Bereich des Marktes. Angefangen mit „Arts on Main“, einem Treffpunkt, der vom Kunstinteressierten bis zum Souvenirjäger jeden in seinen Bann zieht. Zugleich der Versammlungsort für alle Ausgeflippten, die in modischer Hinsicht offenbar schon alles ausprobiert haben. Besonders die Damen, die mit ihren kunstvollen Frisuren nach stundenlanger Geduldsprobe um die größte Anzahl fein geflochtener und kunstvoll angeordneter Zöpfchen zu wetteifern scheinen. Geradezu ein Eldorado für Haarästhetik auf Südafrikanisch.

Doch der Bogen der Entdeckungsmöglichkeiten ist noch wesentlich weiter gespannt. Vom „Che Argentine Grill“ in der Fox Street, einst entstanden aus einem Empanadas-Marktstand. In einem Licht durchfluteten Gebäude, das gerade in seiner architektonischen Stahlträger-Schlichtheit sein beabsichtigtes Fabrikhallen-Image selbstbewusst zur Schau stellt. Bis hin zum „Curiocity Backpackers“ um die Ecke, in dessen entspannter Atmosphäre sich Stadtteilführer Bheki offenbar am wohlsten fühlt. „Schwere Billardtische, eine gediegene Bar und elegant herausgeputzte Barbesucher – was braucht man mehr?“ verrät für Sekundenbruchteile sein Blick.

Kunstvolle Graffiti

Oder geht es im Niveau nicht doch noch einen Zacken höher? Wie zum Beispiel im modernistisch eingerichteten „Chalkboard Collaboration Café“, dessen Durchreiche einem riesigen Schwarzweißfoto zum Verwechseln ähnlich sieht?  Oder, ebenfalls im Main Street Life Building, „The 12 Decades Hotel“? Eine ausgesprochen stilvoll gestaltete Nobelherberge, die jedem Jahrzehnt der Geschichte Johannesburgs von 1886 bis 2006  jeweils ein eigenes Zimmer widmet. Ausgestaltet von Architekten und Künstlern, angeboten jedoch zu erstaunlich zivilen Preisen.

Modische Südafrikanerin in MabonengModische Südafrikanerin in MabonengFoto: Bernd Kregel

Doch wohin auch immer die Schritte führen in dieser Stadt in der Stadt: Stets sind es die beeindruckend kunstvollen Graffiti, die von den Mauern und Hausfassaden in die Straßenschluchten herunter leuchten. Vor allem ist es ein Graffiti von Falko, dem inspirierten „Godfather“ aller Graffitikünstler, wie Bheki anerkennend bemerkt. Und schon verweist sein ausgestreckter Arm auf das in vier diagonale Felder einer Hausfassade eingearbeitete Porträt, dessen gigantische Augen eine unglaubliche Natürlichkeit und Lebendigkeit ausstrahlen.

Südafrikanische Nacht

Die Faszination überlagert fast die Erkenntnis, dass gegen Abend längst die Dämmerung die Lichtregie in Maboneng übernimmt. Wenn die Schatten der Dunkelheit unmerklich und doch unaufhaltsam an den umliegenden Hausfassaden nach oben kriechen. Schon machen die Tagesgäste all denjenigen Platz, die beabsichtigen, in Maboneng eine heiße Südafrikanische Nacht zu verbringen. Doch das ist schon wieder ein neues Kapitel im Rhythmus dieses aufregenden Stadtteils.

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