Gaumenfreuden in Vietnam – Kulinarisches Nirvana

Von 15. Juni 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 15:33
Frisch, schmackhaft und preiswert – so verführerisch präsentiert sich die Street Food Küche in Fernost.

Um ein Haar wäre ihr das Tablett aus der Hand gefallen. So sehr war sie im ersten Augenblick beeindruckt von dem hohen  Gast, der sich in ihr unscheinbares Restaurant verirrt hatte. Und selbst in  der Zeit danach hält Huong Lien immer wieder das großflächige Foto von Präsident Barack Obama stolz empor, das seit dieser denkwürdigen Begegnung anlässlich seines Staatsbesuchs in Vietnam den bescheidenen Speiseraum ihres Street Food Restaurants ziert.

Immerhin hätte Präsident Obama auch standesgemäß speisen können. Beispielsweise in dem legendären „Metropole Hanoi“, dem schon in kolonialer Zeit der Ruf vorauseilte, „bestes Haus östlich von Suez“ zu sein. Dass er jedoch ausgerechnet hierher kam, um ihre frische Gemüsesuppe und ihre mit Fleisch gefüllten Frühlingsrollen zu probieren, kommt für sie einem Lottogewinn gleich. Denn nie hätte sie sich träumen lassen, dass ihr kleines  „Huong Lien Restaurant“ in der Le van Huu Straße Nr. 24 über Nacht Weltruhm erlangen würde.

Weltmeister der Street Food Küche

Schon immer war die Freude an einer guten Küche Bestandteil der vietnamesischen Kultur. Da erstaunt es nicht, dass sich das Land  inzwischen als Weltmeister der Street Food Küche etabliert hat. So sieht es Starköchin Ai, die dieser Kochkunst als eine ihrer führenden Repräsentantinnen soeben ein Buch gewidmet hat und dafür mit Auszeichnungen überhäuft wird. Mit Kennerblick führt sie ihre Gäste durch die kleinen Straßenrestaurants der Altstadt von Hanoi und erklärt auf Nachfrage bei kurzen Zwischenstopps die nicht immer leicht zu identifizierenden tropischen Exemplare in den üppigen Obst- und Gemüseauslagen.

Natürlich sind auch kleine pikante Kostproben Teil ihrer Führung: hier ein scharf gewürzter Chili-Gemüsesalat, der dicke Schweißperlen auf die Nase treibt, dort hingegen eine sämige Schneckensuppe, bei der niemand von Anfang weiß, worauf er sich einlässt. Abschließend dann der genießerische Höhepunkt in Ais Lieblingsrestaurant, dem Quan an Ngon, in dem sie mit ihren Bestellungen der langen Holztafel nach und nach üppiges Leben einhaucht. Pikante Zutaten von außerordentlicher Qualität, zuweilen eingewickelt in hauchdünnes Reispapier.

Kunterbunte Welt

So stellt sich immer stärker die Frage nach dem Ursprung der nahezu unerschöpflichen Zutaten, die hier tagtäglich in die Kochtöpfe des Landes gelangen. Einen ersten Anhaltspunkt bietet das vietnamesische Wasserpuppentheater. Einst aus dem Landleben erwachsen, hat es dieses natürlich zu seinem Hauptgegenstand erhoben. Geführt an langen und dabei doch unsichtbaren Bambusstangen, umfassen die Puppen mythologische Figuren wie Einhorn, Phönix und Drachen, die auf der Wasseroberfläche ihr  ausgelassenes und zugleich schelmisches Unwesen treiben.

Den Höhepunkt jedoch bilden die Menschen bei ihrer täglichen Arbeit: charmante junge Bäuerinnen, die geduldig die Setzlinge der Reispflanzen  auf den Reisterrassen ausbringen. Oder die eher tollpatschig auftretenden Fischer, die sich auch noch einen Spaß daraus machen, wenn ihnen ihre Fangmethoden zuweilen aus dem Ruder laufen. Eine kunterbunte Welt inmitten der Natur, die dazu einlädt, sie sich selbst einmal anzuschauen.

Ländliche Kochkunst

Der weitere Weg führt in Richtung Süden über den legendären Wolkenpass über Danang bis hinunter in die alte Kaiserstadt Hué. Die Ebenen am Fuß einer gewaltigen Gebirgskulisse sind überzogen vom satten Grün der Reis- und Gemüsefelder. Kleine Fahrradwege und schmale Radfurchen geben die Richtung vor entlang natürlichen Gewässern und künstlich angelegten Fischteichen. Bis hin zu einer überschaubaren landwirtschaftlichen Anlage in dem Dorf Tra Que, in der, wie Bäuerin Hing erklärt, sieben unterschiedliche Kräuter angebaut werden.

Da bekanntlich die Götter vor den Genuss den Schweiß gesetzt haben, fordert Hing ihre Gäste auf, sich unter ihrer sachkundigen Anleitung zunächst der anspruchsvollen Feldarbeit zu widmen. Um dann, im nächsten Schritt, an vorbereiteten Töpfen und Pfannen von ihr in die Geheimnisse der ländlichen Kochkunst eingeführt zu werden. So entsteht die frische Frühlingsrolle „Tam Huru“ und gleich  darauf der knusprige Reismehlpfannkuchen „Banh Xeo“. Fast automatisch entwickelt sich dabei ein fröhliches Koch-Gemeinschaftserlebnis, nur noch gekrönt von der abschließenden ausgelassenen Mahlzeit.

Individuelles Geschmackserlebnis

Leckereien aller Art sind selbstverständlich auch in Ho Chi Minh Stadt zu finden, wie Saigon als die frühere Hauptstadt Südvietnams heute genannt wird. Hier jedoch trifft man noch auf eine besondere Attraktion, das „Cyclo Abenteuer“. Als Beifahrer auf einem schnittigen Vespa-Roller geht es im Spurt mitten durch das legendäre Verkehrsgewimmel im nächtlichen Saigon. Dabei stets auf der Suche nach den außergewöhnlichsten Restaurants und Cafés dieser lebhaften Stadt am Saigon Fluss.

Irgendwann ist das Vinh Khanh Restaurant erreicht. In seinem Angebot kommt es einem kulinarischen Kaleidoskop von See- und Süßwassertieren gleich, in dem ein zarter Froschschenkel einem saftigen Hühnerschenkel zum Verwechseln ähnlich schmeckt. Ganz anders das Restaurant Banh Xeo beim nächsten Stopp. Hier stehen riesige mit Gemüsesprossen gefüllte Pfannkuchen im Mittelpunkt. Und als saftige Zwischenmahlzeit großflächige Salatblätter, in die je nach Lust und Laune fernöstliche Köstlichkeiten zu einem individuellen Geschmackserlebnis eingerollt werden.

Ankunft in der Moderne

Fehlt noch der Cocktail wie etwa der Singapore Sling, der gegen Ende des Cyclo Abenteuers bei klassischer Live Musik im Vungoi mora Café eingenommen wird. Oder es ergibt sich in der Woodstock Disco bei schwungvoller Live Musik die Gelegenheit zum Abtanzen. Spätestens nach diesem ereignisreichen Abend wird klar, dass das traditionelle Vietnam vielerorts inzwischen längst zur Moderne aufgeschlossen hat.

Weitere Infos: www.enchantingtravels.de

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