Japan wuchert mit seinen Pfunden: Sumo und Suchi + Fotogalerie

Von 7. Juli 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 16:50
Nirgendwo sonst begegnen sich japanische Landschaft und Kultur authentischer als an der Seto Inlandsee. Hier ist es vor allem die kleine Insel Miyajima mit dem legendären Torii als ihrem augenfälligsten Symbol.

Krachend prallen die massigen Leiber aufeinander. Die Oberkörper stiernackig nach vorn geneigt und die wuchtigen Köpfe schon im nächsten Augenblick auf Tuchfühlung nebeneinander. Es ist der Höhepunkt des täglichen Sumo-Trainings, das stets mit auflockernden Dehnübungen beginnt.

Unmerklich verwandeln sich diese in schweißtreibende Kraftübungen, um schließlich einzumünden in wuchtige Kampfposen, die den Ernstfall realistisch vorweg nehmen. Denn dieser sieht vor, beim Turnierwettkampf im Zusammenspiel von geballter Körperlichkeit und elastischer Wendigkeit den bis zu 250 Kilogramm schweren Gegner aus dem vorgegebenen Ring zu drängen. 

Ein Götterbote und der Sohn eines japanischen Herrschers, so die Legende, sollen in grauer Vorzeit  damit angefangen haben. Nicht ahnend, dass sie mit ihrer Rangelei dem späteren japanischen Nationalsport eine mythologische Grundlage verschafften. Sogleich war auch die gesamte shintoistische Götterwelt Feuer und Flamme. Unsichtbar und doch allgegenwärtig zeigte sie sich von Anfang an beeindruckt vom massigen Erscheinungsbild und dem körperlichen Einsatz der Ringer. Ganz gewiss auch von Sumo-Star Daisuke Tochiazuma, dessen gerahmtes Abbild den Eingangsbereich der Adachi Sumo-Schule im Norden Tokios ziert.

Leuchtendes Zinnoberrot

Und doch, so Japan-Spezialist Shimokawa, spiegelt sich darin nur ein Teil der japanischen Volksseele. Der weitaus größere Teil hat mit seiner Feinnervigkeit und Kunstsinnigkeit zahllose Kunstwerke hervorgebracht, die in vielfacher Ausprägung über das ganze Land verteilt sind. Besonders gilt dies für die bezaubernde Seto Inlandsee, eine spektakuläre Meerenge zwischen den Inseln Honshu und Shikoku.

Hier ist es vor allem die kleine Insel Miyajima mit dem legendären Torii als ihrem augenfälligsten Symbol. In leuchtendem Zinnoberrot scheint es wie ein riesiges Eingangstor dem Küstengewässer zu entwachsen, um nach Einbruch der Dunkelheit als markante Silhouette langsam wieder mit dem Nachthimmel zu verschmelzen.

Es gehört zu dem angrenzenden Itsukushima-Schrein, einem Inbegriff für shintoistische Frömmigkeit. Mit unglaublicher Leichtigkeit schwebt er in architektonischer Überhöhung knapp über der Wasserlinie. Ab und zu verziert von bunt gewandeten Shinto-Priestern, die gleich vorbei eilenden Farbtupfern dem Schrein  zusätzlich Leben verleihen. Akustisch begleitet durch das vom Spendengitter immer wieder herüber schallende Händeklatschen. Offenbar dazu gedacht, die Shinto-Götter auf sich aufmerksam zu machen und in demutsvoller Gebärde ihren Segen einzuholen.

Japanisches Venedig

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis Kurashiki, das mit seiner üppigen Kunstszene und seinen durch die Altstadt verlaufenden Kanälen häufig auch als „Japanisches Venedig“ bezeichnet wird. Nicht ganz zu Unrecht. Denn ständig fahren auf dem Hauptkanal Stocherkähne im Schritttempo an den traditionell japanischen Hausfassaden entlang. Und vermitteln dadurch  ein Existenzgefühl, wie es einst im alten Japan vorgeherrscht haben mag. Davon profitieren besonders die Brautpaare, die in shintoistischen Gewändern die Einmaligkeit dieser Situation auskosten.

Eine der weiteren Hauptattraktionen Kurashikis ist das Haus der Familie Ohashi. Erbaut Ende des 18. Jahrhunderts, gibt es noch heute Auskunft über die damalige Lebensweise in einem Haushalt, der es vor mehr als zweihundert Jahren durch Reislieferungen an den Shogun zu Wohlstand brachte. Und für diese  Dienste vom Shogun dadurch geadelt wurde, dass der Hausherr in einer Ausnahmeregelung das ihm verliehene Samurai-Schwert tragen durfte. Mit Stolz ist es in eine mit Blumen geschmückte Nische hinein dekoriert und unterstreicht allein mit seiner Präsenz das Selbstbewusstsein der Ohashi-Familie am vorläufigen Ende einer langen und spannungsreichen Generationenfolge.

Energiegeladen und grandios

Das Ende des Nostalgieaufenthalts folgt unvermittelt. Nur wenige Stunden sind es im Shinkansen-Schnellzug von Okayama bis Tokio. Reservierte Plätze, pünktliche Abfahrt und eine hilfsbereite Stewardess, die mit stets freundlichem Lächeln um das leibliche Wohl der Fahrgäste besorgt ist. Und schon ist sie erreicht, die Skyline von Tokio, die sich vom höchsten Punkt der Stadt, dem Rathaus-Aussichtsturm, als beeindruckende Mega-Hauptstadt präsentiert.

Auch die Unterwelt Tokios enttäuscht nicht. Wo hätte man je etwas Farbenfroheres gesehen als die Dinner Show im mehrere Stockwerke tief gelegenen Robot Restaurant. Offensichtlich sind bei diesem Projekt den Planern die Kreativität und Fantasie durchgegangen, wenn im Mittelgang auf engstem Raum Saurier, Trommler und Kämpfer sich gegenseitig die Schau stehlen. Energiegeladen und grandios!

Suchi-Abenteuer

Aber auch Tokio kann anders. Bekannt für seine Parks, Shinto-Schreine , Tempel und Cafés, bietet die Stadt vielfache Gelegenheit zur inneren Einkehr. Bis hin zur Teilnahme an einer Teezeremonie im Teehaus des romantischen Happoen-Gartens. Mit liturgischer Korrektheit wird sie von einer Geisha zelebriert, von der Zubereitung des Wassers bis zum Servieren des Macha-Tees ein einziges Gesamtkunstwerk.

Wer wollte sich da die Gelegenheit entgehen lassen, in einem Sushi-Restaurant im Ginza-Viertel selbst Hand anzulegen und die Kunst der Sushi-Herstellung zu erlernen? Der Reis mit guter Klebeeigenschaft steht schon bereit, der Suchi-Koch zerlegt den Fisch und die ersten unbeholfenen Versuche der Suchi-Schüler werden immer professioneller. Abschließend gewürzt mit Sojasoße und Wasabi, ist die kunstvoll dekorierte Platte schließlich fertig zum Verzehr. Und sogleich stellt sich mit dem ersten Bissen der Stolz ein über diesen ersten persönlichen  Zugang zur japanischen Küche.

www.jnto.de; www.ana.co.jp;

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