Mit Glanz und Gloria: Regensburg inszeniert sich neu mit Schlossfestspielen

Von 3. August 2016 Aktualisiert: 3. August 2016 22:25
Am Strudel der Donau verwirbelt sich das historische Erbe in Regensburg effektvoll mit kultureller Aufbruchsstimmung. Dabei lohnt es sich, hin und wieder Ausschau zu halten nach Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die sich gelegentlich zu Gesprächen unauffällig unter die Gäste mischt.

James Bond in Regensburg? Welche Umstände sollten den MI6-Agenten der Queen mit der Lizenz zum Töten von der Themse an die Donau verschlagen haben? Die Schlossfestspiele machen es möglich. In diesem Jahr zumindest eine Filmnacht lang, in der die „Jagd auf 007“ das Publikum im Innenhof des Schlosses durchgehend in Atem hält.

Nichts wird auf der Großleinwand an Verfolgungsszenen ausgelassen, das nicht bereits in Thrillern wie „Liebesgrüße aus Moskau“ oder „Skyfall“ die Gemüter erregt hätte. Untermalt von den aufrüttelnden Klängen der Bond-Filmmusik, in schmissigem Sound live interpretiert vom Radio-Sinfonieorchester Pilsen.

Geschüttelt, nicht gerührt

Wie anders dagegen die einem gefühlvollen Sommernachtstraum nachempfundene Schlossfassade.

Nach Einbruch der Dunkelheit festlich illuminiert, strahlt sie hinein in den ihr vorgelagerten Schlossgarten, in dem sich zur Abkühlung zwischendurch viele Gäste mit dem Geschmack eines Wodka-Martinis vertraut machen.

Prickelnder als Champagner und härter als Whisky, wie es heißt. Und, darauf wird stets geachtet, entsprechend der Bond-Etikette natürlich geschüttelt, nicht gerührt!

Dabei lohnt es sich, hin und wieder Ausschau zu halten nach Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die sich gelegentlich zu Gesprächen unauffällig unter die Gäste mischt. Ist sie doch die charmante Gastgeberin dieses Festival-Events, das Jahr für Jahr an Bedeutung gewinnt und sich auch diesmal wieder mit großen Namen der internationalen Musikszene zu schmücken weiß. Ein Jahreshöhepunkt im Stadtgeschehen?

Manhattan des Mittelalters

Festival-Enthusiasten mögen dies so sehen. Andere hingegen geben der historischen Altstadt den Vorrang. Liebevoll restauriert, inszeniert sie sich in jeder Jahreszeit neu mit einer architektonischen Fülle, wie sie sonst fast nirgendwo in ganz Deutschland anzutreffen ist. Vom „Manhattan des Mittelalters“, wie die Respekt einflößenden Geschlechtertürme auch genannt werden, über historische Fassadenreihen bis hin zu stilvoll ausgestalteten Plätzen, aus denen der Bischofshof mit seinem verspielten Ambiente herausragt.

Alle Wege jedoch führen hin zum historischen Rathaus. Jenem legendären Ort, in dem vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Napoleonischen Zeitalter der „immerwährende Reichstag“ eineinhalb Jahrhunderte lang seinen Sitz hatte.  Und der als Versammlungsort all jener illustren höfischen Gesandtschaften das städtische Leben entscheidend prägte.

Zwitschernde Domspatzen

Wieder andere betrachten den Dom, das Wahrzeichen der Stadt, als kulturelles Zentrum. Älter als der Kölner Dom und in vielfacher Hinsicht dessen Vorbild, überragt er die Stadtkulisse und überzeugt architektonisch mit seiner gotischen Kulisse. Jeden Sonntag zwitschern hier die „Regensburger Domspatzen“, die als ältester Knabenchor der Welt nicht nur über eine unglaublich hohe Klangqualität, sondern dazu auch über ein vielfältiges musikalisches Repertoire verfügen.

Allerneuestes Kleinod des Doms ist die Orgel, die mit ihren achtzig Registern als die größte frei hängende Kirchenorgel der Welt an Stahlseilen vom Gewölbe herabhängt. Domorganist Franz Josef Stoiber, der mit Hilfe eines kleinen Fahrstuhls nach oben zu seinem Spieltisch gelangt, entlockt ihr bei einer sommerlichen Konzertreihe eine unglaubliche Klangfülle. Vom kaum hörbar dahin gehauchten Pianissimo bis zur Plenum-Registrierung, die in ihrer Klangfülle und Wuchtigkeit die Trompeten des Jüngsten Gerichts vorwegzunehmen scheint.

Bayerische Deftigkeit

Teil der Stadtinszenierung ist auch die Donau, die von hier aus in Richtung Südosten zum Schwarzen Meer hin aufbricht? Als architektonisches Wunder erweist sich bis heute die Steinerne Brücke, die als älteste deutsche Steinbrücke stets architektonische Maßstäbe setzte. Hier wartet Appetit anregend die „Historische Wurstkuchl“. Spezialisiert auf sechs Bratwürste auf Kraut, steht sie in einer fünf Jahrhunderte alten Tradition. Diese wird bis heute am Flammen sprühenden Herd von zwei Spezialistinnen nach allen Regeln der Kunst zelebriert gemäß den Regeln bayerischer Deftigkeit.

Deftig geht es natürlich auch zu auf den in der Stadt ausliegenden Getränkekarten. Nach Düsseldorf versehen mit der zweithöchsten Kneipendichte per Einwohner, hat sich in Regensburg im Laufe der Zeit eine eigenständige Biertradition herausgebildet. Wobei das „Weltenburger am Dom“ den Vogel abschoss, als es mit seinem „Dunkel“ eine gefällige neue Kreation auf den Markt brachte. Laut Getränkekarte „das älteste Dunkel der Welt, vollmundig, malzaromatisch, fein und herb mit leichter Süße, feincremig in der Farbe wie warmbrauner Bernstein, Geschmack und Duft intensiv, kräftig und packend“. Ergebnisse, zu denen man mit etwas Erfahrung auch gelangt, ohne selbst ein Bier-Sommelier zu sein.

Die Zeit vergessen

Natürlich gehören die Abende in Regensburg einem der ausgefallenen Speiserestaurants. Zum Beispiel dem „Leeren Beutel“ in einem ehemaligen Kornspeicher. In unmittelbarer Nähe zur Minoritenkirche gelten hier in den Gewölben die Regeln des „Slow Food“. Nicht nur in der Herstellung der Gerichte, wie Inhaber Winfried Freisleben betont, sondern auch im verantwortungsvoll betriebenen Anbau der einzelnen Naturprodukte.

Mit dem „Storstad“ verfügt Regensburg seit kurzer Zeit sogar über ein Sternerestaurant, das es in sich hat. Mit Blick über die Türme und Dächer der Stadt von der Restaurantterrasse aus, ließe sich hier fast die Zeit vergessen. Wären da nicht die von Sternekoch Anton Schmaus zubereiteten Delikatessen, die mit Einbruch der Dunkelheit die Blicke zurück auf den Teller lenkten. An der reichhaltig ausgestatteten Bar würde sich zweifellos auch James Bond seinen Wodka-Martini schütteln lassen.

Weitere Informationen: www.regensburg.de; www.bayern.by

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